Online-Hundeschulen – Pro und Kontra

Den Hund per Anleitung aus dem Internet erziehen, sich Tipps und Tricks zum Umgang mit den Vierbeinern aus dem World Wide Web holen? Möglich ist das bei den so genannten Online-Hundeschulen, die seit einiger Zeit einen stetigen Aufwärtstrend zu erleben scheinen. Doch was taugt die Hundeerziehung aus dem Netz? Kann ein reales Mensch-Hund-Gespann mit der Hilfe von virtuellen Tipps seine Beziehung zueinander auf eine vernünftige Basis stellen? Über den Sinn oder Unsinn der Internet-Schulen wird unter Hundehaltern jedenfalls viel diskutiert. Warum, das zeigen auch unsere Pro- und Kontra-Meinungen.

Pro: „Das Feedback der Teilnehmer zeigt uns, dass es eine sinnvolle Ergänzung zum realen Hundetraining sein kann“

Die Idee für ein Online Hundetraining entstand eigentlich durch die zahlreichen Hundeschulenbesucher, mit denen wir fast täglich in Kontakt stehen. Dabei bekamen wir immer wieder Fragen gestellt wie:

„Wie kann ich meinen Hund zu Hause sinnvoll, aber mit einfachen Mitteln, beschäftigen?“

„Kann ich das hier auf dem Hundeplatz von Euch Erzählte nicht irgendwo noch einmal in Ruhe nachlesen?“

„Ich kann die nächsten Wochen nicht zum Training kommen (wegen Nachtschichten, Urlauben etc.) möchte aber trotzdem etwas mit meinem Hund üben – kannst du mir etwas mitgeben?“

Zunächst kam die Idee ein Buch zu schreiben oder eine DVD zu erstellen, aber sobald etwas Neues hinzugefügt werden sollte, hätte eine Neuauflage her gemusst.
Mit einem Online Kurs besteht die Möglichkeit, Texte und Bilder, wie in einem Buch darzustellen, und das Ganze mit Videos zu veranschaulichen, damit jeder Teilnehmer auch sehen kann, wie einzelne Dinge umgesetzt und angewendet werden. Dies ist in einem Buch ohne bewegte Bilder natürlich nicht möglich. Weiterhin besteht die Möglichkeit, den Online-Kurs jederzeit zu erweitern, ohne eine Neuauflage erstellen zu müssen. So kann man auch auf spezielle Wünsche und Probleme reagieren und den Kurs mit den Dingen erweitern, die Hundebesitzer wollen und brauchen.

Ein Online-Kurs zur Hundeerziehung kann natürlich keine reale Hundeerziehung, mit Hilfe eines Hundetrainers oder einer Hundetrainerin vor Ort, ersetzen. Auch kann es kein Ersatz für den Besuch einer guten Hundeschule sein. Wir wissen selber wie individuell jeder Hund und auch jedes Mensch-Hund-Gespann ist und das es keine „Patentrezepte“ gibt! Gerade bei Problemverhalten ist es unerlässlich, fachkundige Hilfe vor Ort einzuholen – da hilft kein Buch, keine DVD und auch kein Online-Kurs! Ganz bewusst haben wir deshalb den Kurs auch nicht alleine, sondern unter Einbeziehung mehrerer Hundetrainer konzipiert, die vom ersten Moment an, alle am Kurs mitarbeiten.

Das Feedback der Teilnehmer zum Online-Kurs zeigt uns, dass es eine sinnvolle Ergänzung zum realen Hundetraining sein kann, und eine Alternative zum Buch oder zur DVD darstellt. Ein Online-Kurs ist eben interaktiv, erweiterbar und vielleicht aktuell noch etwas „gewöhnungsbedürftig“ für viele Hundebesitzer. Dabei ist es nichts anderes als Text, Bild & Video …online bereit gestellt!

Oliver Wermeling
Hundetrainer & Mitentwickler von onlinehundeschule.com

Kontra: „Individuelle Beziehungsarbeit geht nicht via Internet“

Bei der Erziehung eines Hundes geht es darum, sein individuelles Wesen zu sehen und eine starke Bindung sowie eine gute Beziehung zwischen Hund und Mensch zu formen. Das gilt sowohl für Welpen als auch für „Second-Hand“ Hunde oder „Problemfelle“. Denn Bindung und Beziehung sind die Basis für das Vertrauen des Hundes in seinen Menschen und das wiederum ist unverzichtbar für die Kommunikations – und Lernbereitschaft des Vierbeiners.

Mit Sitz! Platz! Fuß! hat das wenig zu tun, sondern mehr mit der Bereitschaft des Menschen, seinen Hund kennen lernen zu wollen, dessen Bedürfnisse zu respektieren und sich hundegerecht ihm gegenüber zu verhalten.

In Deutschland sind Onlinediagnosen durch einen Arzt verboten. Denn aus der Ferne kann er nicht tasten, die ausstrahlende Energie seines Gegenübers nicht spüren und er bekommt nur einen distanzierten Blick auf seinen Patienten. Und dieser könnte sogar wenigstens sagen, wo es ihm wehtut. Im Fall der Hundeerziehung läuft die Kommunikation über den Hundebesitzer, weil Fiffi bekanntlich nicht sprechen kann. Meine langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Hunden zeigt aber, dass die meisten Probleme Menschen selbst verursachen und ihre Einschätzungen nicht zuletzt deshalb oft leider nur unzureichendes Beiwerk sind. Die Hauptinformationen zur Ursache der Problematik zieht ein Hundprofi aus der Beobachtung des Hunde- und Menschenverhaltens im gemeinsamen Zusammenspiel. Wie soll also online eine Frage nach dem „Wieso markiert mein Hund in der Wohnung?“ oder „Wieso knurrt mein Hund Besucher an?“ fachgerecht und auf den individuellen Fall zugeschnitten beantwortet werden?

Auch das Lernen von vermeintlich einfachen Aufforderungen, wie Sitz! kann, nur theoretisch erklärt, Gefahren bergen. Denn in der Online- Hundeschule wird natürlich abgebildet, wie jemand den Zeigefinger hebt, „Sitz!“ sagt und ein Hund sich setzt. Es werden dort sicherlich auch keine unsicheren, hibbeligen Hunde gezeigt oder solche, bei denen Bindung und Beziehung zum Halter nicht stimmen. Was macht der Hundebesitzer, der das eigentliche Problem nicht erkannt hat, wenn sein Hund folglich nicht so brav reagiert, wie sein Online-Kollege? Wie wird genau dieser Hund richtig korrigiert? Mit einer Standard-Korrektur? Und wenn der Hund auf diese nicht standardmäßig reagiert – was dann? Hat der Mensch keine Lösung für die fehlgeschlagene Kommunikation mit seinem Hund, ist letzterer zumindest verstört, wenn er nicht sogar einen Vertrauensverlust in seinen – offensichtlich ja führungsunfähigen- Menschen erlitten hat.

Termine und Vorschläge für Beschäftigungsspiele auf der Homepage seiner Hundeschule abfragen ist völlig in Ordnung. Aber es gibt keine theoretische und somit auch keine online Bedienungsanleitung für ein Lebewesen. Denn seriöses Hundetraining schaut genau hin und analysiert alle individuellen Einflussfaktoren, denen der Hund ausgesetzt ist.

Burga Torges
Hundetrainerin in Düsseldorf, www.hundeart.com

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 3/2013

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2 Kommentare zu Online-Hundeschulen – Pro und Kontra

  1. R Bogatti sagt:

    Zu Anfang war Jack einfach nicht zu bändigen. Es war unglaublich welchen Sachschaden der kleine Hund in meiner Wohnung angerichtet hat. Auch wenn man direkt daneben steht, es geschieht so schnell, da kann man einfach nicht mehr reagieren. Es musste eine Lösung her, deshalb habe ich einen privaten Hundetrainer engagiert. Mittlerweile kann ich mit Jack schon recht gut angeben, Hunde die aufs Wort gehorchen kommen einfach gut an. Und ich denke das es Jack jetzt auch viel besser geht, da er seinen Platz und seinen Rang kennt.

  2. Ich denke der größte Vorteil in der Online Hubdeschule ist für die meisten das Preis-Leistungs Verhältnis.

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