Genehmigungspflicht für Hundeschulen

Die Neuregelung von Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes legt fest, dass alle Hundeschulen in der Bundesrepublik künftig der sogenannten Erlaubnispflicht unterliegen und somit zumindest ein Mindestmaß an Sachkunde nachweisen müssen. Das bedeutet, dass zukünftig behördlich geprüft wird, ob HundetrainerInnen, HundeschulbetreiberInnen oder auch Menschen, die zukünftig in diesem Bereich arbeiten möchten, über ausreichende Sachkenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Darüber hinaus benötigt dann jeder, der gewerbsmäßig Hunde ausbilden oder Tierhalter anleiten möchte, eine Erlaubnis.

Ausbildung von Hunden braucht aktuelles Fachwissen

Bei der Hundeerziehung geht es um mehr, als darum, wie man einem Hund Grundkommandos wie Sitz!, Platz! oder Fuß! beibringt. Es kommt darauf an, Menschen und ihre Hunde zu einem guten Team zusammenzuführen. „Deshalb ist es unabdingbar, dass Hundeerzieher über umfassende Fachkenntnisse verfügen, die es ermöglichen, jeden Hund in seiner Individualität zu beurteilen“, weiß die erfahrene Hundetrainerin Burga Torges. „Nur so kann man dem Besitzer Wissen vermitteln und ihn dazu anleiten, seinen Hund genau kennenzulernen und optimal mit ihm zu zusammen zu lernen.“ Die Praxis sieht in vielen Hundeschulen ganz anders aus. Ob ganz bewusst oder wider besseres Wissens setzen viele Anbieter auf längst überholte, fragwürdige Ausbildungsmethoden und schrecken mitunter auch vor Gewalt nicht zurück. „Auch sogenannte „Zertifizierungen“ und „Diplome“, mit denen sich viele Hundeschulen schmücken, sind weder behördlich überprüft, noch anerkannt“, erklärt Torges.

Von bundeseinheitlich noch weit entfernt

Mit dem neuen bundeseinheitlichen Sachkundenachweis soll der unübersichtliche Markt an Hundeschulen und Hundetrainern wesentlich strukturierter werden und es so auch für den Hundehalter leichter werden, qualifizierte Hundeausbilder zu finden. Denn bislang konnte jeder, der ein Führungszeugnis vorlegt und ein Gewerbe anmeldet, als Hundeausbilder arbeiten. Nicht nachvollziehbar erscheint allerdings die geplante Vorgehensweise, dass auch diejenigen, die sich nachweislich seit Jahren aus- und weiterbilden lassen sowie Hunde und ihre Menschen auf Basis neuester wissenschaftlicher Forschungsergebnisse aus der Kynologie anleiten, den gleichen Sachkundetestkriterien unterliegen sollen, wie diejenigen, die gestern entschieden haben, ihr Hobby zum Beruf zu machen, die Pflichtlektüre lesen und dann die Prüfung absolvieren. „Erfahrung im Umgang mit vielen verschiedenen Hunden ist ein wesentlicher Teil, der einen Hundeausbilder qualifiziert. Das lässt sich nicht aus Fachbüchern lernen“, betont Burga Torges, die seit mehr als 15 Jahren intensiv mit Hunden arbeitet.

Zum derzeitigen Stand (Juni 2014) hat das Land NordrheinWestfalen keine einheitlichen Maßnahmen bekannt gegeben. Aus Behördenkreisen heißt es dazu lediglich, Nordrhein-Westfalen wolle nicht dem Weg der Bundesländer Schleswig-Holstein oder Niedersachsen, der Zertifizierung durch die IHK, folgen. Nach weiteren Beratungen im Juni darf man auf das Ergebnis gespannt sein. Es bleibt zu hoffen, dass die Behörden aus den Erfahrungen mit dem fachlich doch recht fragwürdigen Schnellschuss Landeshundeverordnung gelernt haben.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 3/2014

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2 Kommentare zu Genehmigungspflicht für Hundeschulen

  1. Andrea Winkler sagt:

    Leider haben die Behörden nichts dazu gelernt. Wir Hundetrainer sind einer unglaublichen Willkür ausgeliefert, denn jedes Amt macht, was es für richtig erachtet. So wechselt die Sachkunde eines Hundetrainers von Vet-Amt zu Vet-Amt.

    Während manche Veterinärämter sich darauf berufen, dass die Rechtsverordnung noch nicht steht und noch abwarten, erkennen einige nur die Zertifizierungen an und lassen nichts anderes gelten. Einzelfallprüfungen werden abgelehnt.

    Wieder andere gewähren Hundeschulen, die immer ohne Beanstandungen ihrem Gewerbe nachgegangen sind, Bestandsschutz, andere nicht.

    Während in der einen Stadt Hundetrainer zu Prüfungen müssen, die locker mal eben mit 600 € veranschlagt werden, braucht der Hundetrainer aus der Nachbarstadt gar nichts zu machen.

    Und viele Trainer, die die Anerkennung bekommen, erhalten sie nur befristet. Oder mit sehr strikten Auflagen, die oft mit dem Tierschutz nichts zu tun haben.

    Ausgesiebt werden wohl nicht die schwarzen Schafe, sondern manchmal einfach nur kleine Hundeschulen, deren Inhaber kein Geld für so teure Prüfungen haben.

  2. Ich kann nur für die Handhabung in Düsseldorf sprechen. Das Amt für Verbraucherschutz erkennt nur die Zertifikate der Tierärztekammer Schleswig Holstein sowie Niedersachsen, des BHV, des IHB und zum Sachverständigen nach § 2 Abs. 1 der ordnungsbehördlichen Verordnung zur Durchführung des Landeshundegesetzes NRW durch das LANUV NRW. Da ich eine Ausbildung bei der ATN in der Schweiz als Hundepsychologin und natürlich viele Weiterbildungen gemacht habe und seit 4 Jahren selbständig bin konnte ich an dem Zertifikatslehrgang bei der IHK Düsseldorf im Oktober teilnehmen. Dieser Lehrgang ist alles andere als ein Spaziergang und auch die schriftliche Prüfung ist nicht ohne. Die 2-tätige praktische Prüfung findet im Januar 2015 statt und besteht aus 4 Teilen und einer Hausaufgabe, auch das ist eine Herausforderung. Es kostet 1.800,– € alles zusammen! Die IHK Düsseldorf gibt gerne Auskunft! Wenn man auf seinen Antrag beim Amt eine Ablehnung mit Fristsetzung erhalten hat, sollte man sich erkundigen, welche Möglichkeiten man hat zur Anerkennung und Zertifizierung. Bei der der IHK-Präsenzwoche waren übrigens Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Bundesländern, nicht nur aus Düsseldorf.

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