Beagle als Opfer der Wissenschaft

Viele Menschen kennen Beagle als freundliche, sozialverträgliche und angenehme Wegbegleiter. Genau das ist auch der Grund, warum sie im Tierversuch eingesetzt werden, meint Eva Nimtschek von der Arbeitsgemeinschaft Ärzte gegen Tierversuche Düsseldorf im folgenden Artikel. Sie lassen die Prozeduren unterwürfig über sich ergehen und zeichnen sich durch einfache Haltungsbedingungen aus.

Aufgewachsen im Labor

Sammy lebt mit zwei weiteren ehemaligen Labor-Beaglen in einem Haushalt und hat mit ganz viel Glück seinen Weg aus dem Labor gefunden. Dass er anders ist, merkt man sofort. Selbst im vertrauten Heim ist er ängstlich und schreckhaft. Nur sehr zögernd schnuppert seine Nase an einer ausgestreckten Hand. Seine Kumpels begrüßen einen dagegen freudig und suchen die Taschen nach Futter ab. Was genau ein Labor-Beagle erlebt hat, wissen die Halter nicht. Aber für alle ist die freie Welt anfangs eine Reizüberflutung und der Beginn eines Lernprozesses wie bei einem Welpen. Versuchstiere werden eigens für diesen Zweck gezüchtet und kommen in speziellen Zuchtanlagen zur Welt. Katalogisiert nach Standards können sie im Katalog von Versuchsanstalten bestellt werden. Der Transport zum Labor geht nicht selten quer über den Ozean. In kleinen Rudeln und gefliesten Zellen bleibt ihnen Zuwendung, Spiel und grüne Wiese meist lebenslang verwehrt.

Laboraufenthalte prägen das Leben der Hunde

Sammys Freund Udo hatte sich anfangs geweigert, auf der Wiese sein Geschäft zu machen. Auch wollte er im Dunkeln nicht in den Garten. Die ersten drei Monate starrte er oft stundenlang die Stehlampe an. Solche und ähnliche Verhaltensweisen erzählen viele Labor-Beaglehalter. Ängstlich und nicht stubenrein sind sie anfangs alle. Das legt sich aber mehr oder weniger schnell. Der Beagle ist von Natur aus aufgeschlossen und neugierig. Nur Sammy scheint auch nach zehn Monaten im normalen Leben nur schwer Vertrauen finden zu können. Vielleicht wird das auch nie der Fall sein. Sechs Jahre Laboraufenthalt haben sein Leben geprägt. Wenn Labor-Beagle das Labor verlassen dürfen, dann nur weil sie zu klein oder verhaltensauffällig sind, oder ihre Teststudie abgeschlossen ist. Letzteres kann bei Medikamententests und veterinärmedizinischen Versuchen an der Haut vorkommen. Da ein Beagle sehr teuer ist, wird er vom Labor im Regelfall aber „weiterbenutzt“ und für Organuntersuchungen in andere Abteilungen verlegt.

2012 mehr als 2.600 Hunde für Tierversuche eingesetzt

Fakt ist, dass im Jahr 2012 bundesweit 2.612 Hunde (1) für Versuchszwecke gebraucht wurden und nur ein ganz kleiner Prozentsatz davon das Labor lebend verlassen durfte. Alle anderen starben an Nebenwirkungen von Medikamenten, Vergiftungen oder nach schweren operativen Eingriffen, unter anderem an Kiefer oder Herz. Auch die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf führt zahlreiche Tierversuche unter anderem an Mäusen, Ratten, Hunden, Affen und Schweinen durch. Insgesamt werden dort 20.000 bis 30.000 Tiere gehalten (2). Finanziert werden das Labor sowie viele Versuche von Steuergeldern sowie von externen Auftraggebern wie zum Beispiel Herstellern von Zahnimplantaten (3). Dabei werden den Hunden unter Narkose alle Zähne gezogen und anschließend Implantate eingesetzt. Nach verschiedenen Testreihen, auch mit gezielten Entzündungen, werden die Tiere später getötet und die Kiefer untersucht.

Ergebnisse nicht immer übertragbar

Vielen Berichten zufolge, sind Tierversuche grausam, aber angeblich unersetzlich um Krankheiten zu heilen und die Gesundheit des Menschen sicherzustellen. Begegnungen mit Sammy, Udo und anderen ehemaligen Labor-Beaglen hinterlassen schnell den Eindruck, die Vergangenheit eines Laborhundes ist der eines Tierheimhundes ähnlich. Tatsächlich sieht die Realität für 3,1 Millionen Tiere bundesweit anders aus (4). Dabei wird die Übertragbarkeit der Ergebnisse vom Tier auf den Menschen selbst von Wissenschaftlern und Forschern angezweifelt und in zahlreichen Studien widerlegt. 92 Prozent der Medikamente fallen in der sogenannten „klinischen Phase“ durch. Im Tierversuch hatten sie die gewünschte Wirkung gezeigt, aber am Menschen zeigen sie entweder eine zu geringe Wirkung oder zu starke Nebenwirkungen. Von den 8 Prozent, die auf den Markt kommen, werden später 20 bis 50 Prozent wieder vom Markt genommen oder mit Warnhinweisen versehen (5). Man erinnere sich an die Schlagzeilen 2001 um den Cholesterinsenker „Lipobay“ von Bayer. Bei diesem kam es zu Muskelzerstörung und Todesfällen trotz Tierversuchen. Jährlich sterben in Deutschland mindestens 58.000 Menschen an den Nebenwirkungen tierversuchserprobter Arzneien (6).

Dass die Übertragbarkeit der Ergebnisse nicht funktioniert, hat mehrere Gründe: Tier und Mensch unterscheiden sich unter anderem im Stoffwechsel. Einflüsse unterschiedlicher Ernährung, Psyche und Umwelt kommen hinzu. Zudem beschränkt sich der Tierversuch auf die Behandlung künstlich hergestellter Symptome von Krankheiten, die die Tiere normalerweise gar nicht bekommen. Um beispielsweise die Wirkung von Medikamenten gegen Herzinfakte zu testen, wird bei Beaglen operativ eine Schlinge um die Herzkranzarterie gelegt, um so einen Herzinfarkt auszulösen. Doch der menschliche Herzinfarkt entsteht durch das Zusammenwirken vielfältiger Ursachen über einen längeren Zeitraum. Das wird im Tierversuch nicht berücksichtigt. Tierversuche werden aber nicht nur für Medikamenten- und Krankheitsforschung eingesetzt, sondern auch bei der Ausbildung verschiedener Studiengänge, für Grundlagenforschung und Chemieverträglichkeit. Seit März 2013 dürfen Kosmetika nicht mehr an Tieren getestet werden. Das bedeutet aber leider nicht, dass alle im Laden erhältlichen Kosmetikprodukte tierversuchsfrei sind. Das Kosmetik-Tierversuchsverbot gilt nur für Rohstoffe, die ausschließlich in Kosmetika vorkommen. Viele Rohstoffe kommen jedoch nicht nur in Kosmetika vor, sondern auch in anderen Produkten und fallen daher unter die Prüfrichtlinie für Chemikalien. Was kann man aber gegen Tierversuche tun? Mit dem Konsumverhalten können zum Beispiel Firmen unterstützt werden, die auf Tierversuche verzichten. Listen solcher Hersteller im Bereich Kosmetik findet man auf den Webseiten des Vereins Ärzte gegen Tierversuche.

Verein Ärzte gegen Tierversuche

Der Verein ist der Überzeugung, dass alle Tierexperimente auf der Stelle abgeschafft werden könnten, ohne dass es zu einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems kommen würde. Im Gegenteil: So würde dem wirklichen medizinischen Fortschritt zum Nutzen des Menschen Vorschub geleistet. Gegründet wurde der Verein 1979 vom Ärztepaar Stiller aus Hannover. Mittlerweile umfasst der Verein über 1.000 Mitglieder. Fast die Hälfte sind Humanmediziner, Tierärzte, sowie im medizinischen Bereich tätige Naturwissenschaftler und Psychologen. Im Zusammenschluss mit internationalen Organisationen gegen Tierversuche tritt der Verein für die Verschärfung des gesetzlichen Rahmens auf Bundes- und EU-Ebene ein.

Quellennachweis:
1. Versuchstierzahlen laut Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV); http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/2013-TierversuchszahlenGesamt.html
2. Publikation „Transparenz – Tierversuche an der Heinrich-Heine-Universität“ (Autoren Ronja César und Anna Lotte Kammin) Seite 9, Selbstauskunft von Prof. Dr. Schnitzler und Dr. Sager (Tierschutzbeauftragter der TVA)
3. www.datenbank-tierversuche.de
4. Versuchstierzahlen 2012 laut Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz = 3.080.727
5. diverse Studien, u.a. US-Arzneimittelbehörde FDA 1190 bzw. 2004
6. Internistische Krankenhausstudie der Medizinischen Hochschule Hannover 2003, Prof. J. Frölich

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 4/2014

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