Entzündete Hundepfoten – was steckt dahinter?

Der tiermedizinische Fachbegriff für entzündete Hundepfoten ist Pododermatitis. Er kommt von den Begriffen „Podo“ wie Füße und „Dermatitis“ wie Hautentzündung. Da die Haut der Hundepfote sehr empfindlich ist, kann sie sich leicht entzünden. Meistens bemerken Hundebesitzer sehr schnell, dass das Tier Probleme hat. Es leckt verstärkt an den Pfoten, hinkt oder ist weniger lebhaft. Wie man sieht, ist der Leidensdruck für das Tier hoch. Deswegen gehören Pfotenerkrankungen auch zu den häufigsten Gründen, warum tierärztlicher Rat eingeholt wird.

Kein Patentrezept

Es gibt kein Patentrezept dafür, welche Untersuchungen der Tierarzt in welcher Reihenfolge vornimmt. Wichtig ist die Krankengeschichte des Patienten. Dabei spielen das klinische Bild, die Rasse und das Alter eine Rolle. Hat der Patient schon eine lange Leidensgeschichte hinter sich? Handelt es sich um eine Kurzhaarrasse? Für die Entzündung selbst, kann es unterschiedliche Gründe geben:

Häufige Ursache für entzündete Pfoten sind Fremdkörper. Hochsaison ist die warme Jahreszeit, wenn die Tiere über Wiesen und Felder laufen. Der Spaß endet dann, wenn sich Pflanzenteile oder Holzsplitter in die empfindliche Haut zwischen die Zehen bohren. Der Hund spürt den Fremdkörper sofort und schon über Nacht beginnt er, die Pfote unentwegt zu belecken. Am Lecken der Pfote erkennt der Hundebesitzer, dass etwas nicht stimmt. Meist sind nur eine Pfote und einer der Zehenzwischenräume betroffen. Es entsteht eine Art Blase, die ein Tierarzt öffnen und den Fremdkörper entfernen kann. Die Pfote heilt dann sehr schnell ab.

Parasiten lösen ebenfalls Pfotenentzündungen aus. Dazu gehören Herbstgrasmilben und Demodexmilben. Herbstgrasmilben siedeln sich gerne in Zehenzwischenräumen an. Man erkennt sie mit bloßem Auge als winzige, orange Pünktchen. Sie kommen häufig im Spätsommer und Herbst vor. Vorbeugend kann man leider wenig machen. Wenn die orangen Pünktchen entdeckt werden, sollte ein Tierarzt konsultiert werden, der entzündungshemmende Medikamente verordnen kann. Im Gegensatz zur Herbstgrasmilbe siedelt sich die Demodexmilbe in der Haut an und ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Die Demodexmilbe ist nicht nur ein schädlicher Parasit. Eine aufgrund dieses Parasiten entzündete Pfote zeigt, dass mit dem Immunsystem etwas nicht stimmt. Bei Verdacht auf die Demodexmilbe muss für die Diagnose vom Tierarzt etwas Haut abgeschabt und mikroskopisch untersucht werden. Die Therapie ist auf das Abtöten der Milbe ausgerichtet. Ursache für ein geschwächtes Immunsystem können Tumore oder Hormonstörungen sein. Hormonstörungen kommen beim Hund recht häufig vor. Sie verursachen meistens Veränderungen der gesamten Haut des Hundes. So kann ein Hund, der an einer Schilddrüsenunterfunktion leidet, gleichzeitig ein stumpfes, glanzloses Fell haben. Die Haut neigt vermehrt zu Infektionen. Ein Hund, der zu viel Kortison produziert (Cushing Syndrom), kann aufgrund seines geschwächten Immunsystems zu Demodexmilben neigen.

Infektionen sieht der Tierarzt häufig auch bei allergischen Hunden. Die Allergie verursacht Juckreiz. Dieser veranlasst den Hund, seine Pfoten fortwährend zu belecken und zu benagen. Die Pfote entzündet sich, der Speichel liefert Feuchtigkeit und Nährstoffe für das Wachsen von Bakterien und Hefepilzen. Durch eine gezielte Behandlung lässt der quälende Juckreiz nach und der Hund fühlt sich wieder wohl.

Wenn es schubweise immer wieder zum Auftreten neuer Granulome beziehungsweise Blasen zwischen den Zehen kommt, dann kann es sich um eine besondere Form der Pfotenentzündung handeln: die „idiopathischen, sterilen, interdigitalen Pyogranulome“. Das sind entzündungsbedingte, knötchenartige Gewebszubildungen zwischen den Zehen. Bullterrier und Labradore sind häufig betroffene Rassen. Meist treten die Veränderungen an den Vorderpfoten symmetrisch auf. Betroffen sind die Zwischenräume der äußeren Zehen. Im Extremfall können auch alle Zwischenräume der vier Pfoten betroffen sein. Krallen und Ballen sind hierbei unauffällig. Wie die Granulome entstehen, ist nicht endgültig geklärt. Individuelle Probleme wie Plattfüße oder Fehlbelastungen der Gliedmaße zählen zu den potentiellen Auslösern. Wiederkehrende Lahmheiten, besonders auf hartem steinigem Untergrund gehören zum Krankheitsbild. Granulom fördernd ist eine mechanische Belastung der Haut der Pfotenunterseite. Die Haarfollikel können einreißen. Jetzt liegen Haarbruchstücke frei, die beim gesunden Hund in einen Haarfollikel eingebettet sind. Die jetzt frei liegenden Haarfragmente erkennt der Körper als Fremdmaterial. Entsprechend reagiert er darauf mit einer Entzündungs- oder Abstoßungsreaktion. Die entstandene Entzündung wird in Form von Granulomen an der Oberseite der Pfote sichtbar.

Beim beginnenden Pfotengranulom sind meist keine Bakterien beteiligt. Im Laufe der Entzündung kann es insbesondere durch das intensive Belecken der Pfote zum Einnisten von Bakterien in der Pfote kommen. Die Therapie richtet sich nach dem Untersuchungsergebnis einer Hautprobe, eine langwierige Behandlung ist aber keine Seltenheit. Trotz langwieriger und aufwendiger Behandlung kann es bei dieser tückischen Erkrankung zu Rückfällen kommen. Bei einem Wiederaufflammen der schmerzhaften Knötchen oder Blasen gilt es, frühzeitig therapeutisch einzugreifen. Oft hilft es, wenn das Tier abnimmt, da sich der Kontakt zwischen der empfindlichen Pfotenhaut und der Bodenfläche verringert.

Für jeden Hund muss man also individuell die Hautprobleme im Pfotenbereich abklären. Bei chronischen Problemen kann der Behandlungsweg langwierig und aufwendig sein. Eine frühzeitige Behandlung lohnt sich also.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 1/2015
Beitrag: Dr. Birgitta Nahrgang, praktische Tierärztin, www.koelntierarzt.de

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11 Kommentare zu Entzündete Hundepfoten – was steckt dahinter?

  1. sara sagt:

    hallo mein hund hat die foten innen entzündet ist es gut das er sie leckt oder sollte ich dies vermeiden ?? ziehe ihm schon maulkorb und eine socke an damit er es nicht leckt . grus sara

    • Ursula Wild sagt:

      Es ist grundsätzlich schlecht, wenn der Hund ständig an seinen Pfoten leckt, dadurch gelangen noch mehr Bakterien in eine entzündete Stelle. Es kann ein Zwischendenzehenekzem entstehen. Dies sollte frühzeitig vom TA behandelt werden, sonst wird es meist noch schlimmer. Wehret den Anfängen, heißt hier die Devise. Leider habe ich von meinem TA keine allgemeinen prophylaktischen Tipps zur Pfotenpflege bekommen. Unser Hund ist ein Silber- Labrador und viel in der Natur unterwegs, er hat immer wieder was an seinen Pfoten. Ich werde ihn daran gewöhnen, dass ich nach einem ausführlichen Spaziergang ihm die Pfoten ganz abwasche. Unser TA sagt, helle Hunde seien oft empfindlicher als dunkle Rassen. Er ist auch sehr empfindlich bei Grasmilben. Irgendwo im Internet habe ich gelesen, dass eine Mischung aus Wasser + Apfelessig gut sei, die Pfote darin ein paar Sekunden eintunken. Das hilft natürlich nicht gegen schon vorhandene Entzündungen, aber macht es den Milben und anderen Viechern schwerer.

  2. tapsi sagt:

    Mein Mops Hund hat das jetzt auch bekommen.Entzündungen zwischen Zehenräume mit Ekzembildung.Auch die wilde Kralle ist betroffen.
    Beim meinem ersten Mops war es das gleiche Theater er begannn auch mit zwei Jahren
    mit entzündungen und Geschwürbildung an den Pfoden zwischen räume.Beide Möpse stammen von Ungarn.
    Tierärzte können bis heutekeine richtige Erklärung für solche Entzündungen
    finden da dieses ganze Krankheit noch nicht richtig erforscht ist.
    operationen helfen rein gar nicht geldmacherei Krankheit erscheint sofort wieder.
    Ich behandle meine Möpse jetzt selber und spare mir das sinnlose viele geld.
    Meinen erster Mops verstarb mit 6 1/2 jahren.Es begann erst wiegesagt
    mit entzündungen anund geschwüren zwischen den Pfoten und dann bekam er
    zum schluss Nympknoten krebs.
    Bei meinem jetzigen Mops fing es auch wieder mit den Füssen an.ICH GEHE DAVON AUS DASS ES AN DER üBERZÜCHTUNG LIEGT HATTE MIR EIN
    ARZT MAL ZUGEORDNET-

    • Silke sagt:

      Das hatte mein mops auch lange, kein tierarzt konnte helfen. , er hat immer trockenfutter bekommen. Jetzt barfe ich ihn seid ca 4 jahren und nach der futterumstellung waren diese ekzeme in den zwischenräumen der pfoten verschwunden. Futter macht viel aus. Oder werden deine auch gebarft?

    • Rita Martini sagt:

      Hallo! Wie behandelst du diese Krankheit. Meine Hündin hat such was an den Pfoten. Lg

    • Nina M. sagt:

      Hallo, du schreibst, dass du deinen Hund nun selbst behandelst. Wie machst du das denn?
      LG

  3. Petra Naumann sagt:

    meine Hündin hat immer wieder blutig-entzündete Pfotenzwischenräume mit Granulombildung. Bisher bekam sie immer Antibiotika für mehrere Wochen. Die Pfoten heilten sehr schnell ab, allerdings nach dem Absetzen des Antibiotikums ging alles nach ca. 3-4 Wochen on vorne los. Die Hündin ist Leishmaniose positiv, der Wert ist immer an der untern Grenze, Abstriche auf Pilzinfektionen waren negativ und trotzdem kämpfen wir seit 2 Jahren mit den Infektionen der Pfoten. Welche Möglichkeiten der Diagnostik gibt es noch?

    • Schreiner sagt:

      Hallo Frau Naumann,
      baden Sie die Pfoten mehrmals wöchentlich in einem lauwarmen Kernseife-Bad. Jede Pfote ein paar Minuten – vorsichtig auch zwischen den Zehen. Mein Hund hatte das auch ganz extrem über viele Monate. Es wurde durch das Baden schlagartig besser – heut reicht ein Pfotenbad alle 5-6 Tage.

  4. Gisela Walter sagt:

    kolloidales Silber ist sehr gut geeignet….ich stelle es selbst her da ich niemandem mehr traue was die Haltbarkeit betrifft…..kolloidales Silber kann man aufspühen betumpfen und einnehmen zwecks Immunabwehr….die Pfoten wasche ich mit Kernseife nach dem Gassi gehen und creme sie dann ein, zusätzlich mache ich Umschläge mit grüner Heilerde…..

    alles Gute

  5. Günther Schmidt sagt:

    Alle vier offenen Pfoten meines Schäferhundes wurden von der Tierärztin ausgehend fast fünf Wochen antibiotisch behandelt. Ich füttere Lamm mit Reis. Ich musste dieses Futter ohne jeglichen Zusätze meinem Hund weiter geben.
    Die Pfoten sahen schlimm aus. Nach der genannten Behandlungszeit war alles bestens in Ordnung. Die Tierärztin war mit dem Heilungsprozess sehr zufrieden.
    Nun, nach ungefähr zwei Wochen, geht das Wundsein an der linken vorderen Pfote wieder los. Ich behandle die Pfote momentan selbst. Nach dem Gassi gehen wird die Pfote in ein Kamillenbad gestellt, danach kommt der Hund ohne Verband in den Zwinger. Später wird die Pfote mit Zinksalbe behandelt. Ich bin neugierig, ob sich dieser Weg der Behandlung positiv heraus kristallisiert oder schadet die Zinksalbe, ich weiß es nicht !

  6. Schreiner sagt:

    Meine Rüde hatte das auch ganz extrem (interdigitale Granulome).
    Ich habe die Pfoten mehrmals wöchentlich in einem lauwarmen Kernseife-Bad gebadet. Jede Pfote ein paar Minuten – vorsichtig auch zwischen den Zehen. Es wurde durch das Baden schlagartig besser – heute reicht ein Pfotenbad alle 5-6 Tage

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