Hunde mögen nur freundliche Kinder

Hunde mögen nur freundliche KinderWenn Hunde und Kinder gemeinsam aufwachsen, kann das eine glückliche Symbiose sein. Leider werden Hunde aber häufig unüberlegt auf den Wunsch der Kinder angeschafft, ohne dass die Erwachsenen sich klar darüber sind, dass ein Hund im Haus, das Leben der Familie auf den Kopf stellen wird und es im Umgang mit Hund und Kind einige Regeln zu beachten gilt. Das fängt bereits mit der Auswahl des Hundes an. Denn obwohl viele Rassebeschreibungen eine vermeintlich kinderfeundliche Ausprägung vermitteln wollen, gibt es den Familienhund oder Kinderfreund unter den
Hunden nicht.

Hunde brauchen positve Erfahrungen mit Kindern

Ein Hund ist nicht automatisch auch ein Kinderfreund. Sein Verhalten ihnen gegenüber hängt ganz davon ab, ob er Kinder in der Sozialisierungsphase, also in den ersten Wochen seines Hundelebens, positiv kennengelernt hat und welche Erfahrungen er in seinem Leben insgesamt mit Kindern gemacht hat. Waren diese durchweg positiv und die Kinder sind ihm mit Respekt sowie mit entsprechender Sorgfalt begegnet und freundlich gewesen, wird dieser Hund, nahezu egal welcher Rasse, auch freundlich auf Kinder zugehen und den Umgang mit ihnen genießen. Ist er aber in seinem Leben, gerade auch als Welpe, auf Kinder getroffen, die ihn am Schwanz gezogen, bedrängt, fest an sich gedrückt oder gegen seinen Willen auf dem Arm herumgeschleppt haben, wird er im besten Fall versuchen, Kindern auszuweichen. Dieses Verhalten ist sehr gut bei Hunden zu beobachten, die als Streuner aus Ländern wie Rumänien, Spanien, Ungarn oder der Türkei kommen. Hier ist es leider an der Tagesordnung, dass gerade Kinder mit Steinen nach Hunden werfen, sie erst anlocken und dann in irgendeiner Form erschrecken oder misshandeln. Das gilt natürlich nicht für alle Kinder oder Erwachsene in diesen Ländern, aber Fakt ist, Menschen und Hunde haben dort ein anderes Verhältnis als in Deutschland.

Missverständnisse vermeiden und Regeln beachten

Mehr als die Hälfte aller Hundebisse entfallen auf Kinder. Besonders gefährdet sind Kinder zwischen fünf und neun Jahren. Das liegt zum einem an der mangelnden Aufsicht der Eltern und daran, dass Kinder aus Sicht des Hundes lauter Dinge machen, die in seinen Augen verkehrt, sonderbar oder bedrohlich sind. Kinder machen ruckartige, unkontrollierte Bewegungen, rennen plötzlich los, quieken dabei wie Beutetiere und fallen dann häufig im vollen Lauf hin. Sie ziehen Hunde am Schwanz oder Fell, gerade Kleinkinder greifen oft auch unbewußt plötzlich ganz fest zu. Kinder necken Hunde, versuchen ihnen Spielzeug wegzunnehmen, laufen vor ihnen davon oder direkt auf sie zu. Hunde, die nicht von frühestem Welpenalter positiv mit Kindern sozialisiert wurden und ihr Verhalten gewöhnt sind, reagieren auf solches Verhalten im besten Fall zunächst ängstlich, im schlimmsten Fall beißen sie zu. Auch ängstliche Hunde können irgendwann beißen, nämlich dann, wenn sie mit ihrem anfänglichen Rückzug keinen Erfolg haben und weiter bedrängt werden. Können sie nicht fliehen, beißen sie. Hunde sind lebendige Tiere und haben ihre eigenen Motive für ihr Verhalten. Daraus fogt die absolut oberste Regel für ein glückliches Zusammenleben: Hunde und Kinder dürfen niemals alleine gelassen werden.

Alltag mit Hund und Kind

Es ist natürlich ein Unterschied, ob der Vierbeiner bereits in der Familie lebt und ein Baby kommt hinzu oder es sind bereits kleine Kinder in der Familie, in die der Hund intergiert werden soll. Trotzdem spielt in beiden Fällen die Struktur des Alltags eine wichtige Rolle. Während in den neun Monaten Schwangerschaft der Alltag des Hundes schrittweise so strukturiert werden sollte, dass es für ihn keine sehr große Umstellung bedeutet, wenn das Baby dann nach Hause kommt, müssen für Kleinkinder feste Regeln aufgestellt werden, bevor der neue Vierbeiner einziehen kann. Am Anfang brauchen Mensch und Hund Zeit sowie Geduld, um sich aneinander zu gewöhnen. Wichtig ist dabei, dass die Menschen, egal ob kleine oder große, den Vierbeiner nicht bedrängen, ihn sein neues Umfeld in Ruhe erkunden lassen und warten, bis er auf seine neuen Menschen zugeht. Die Kinder sollten wissen, wo und wie sie den Hund am besten streicheln können, wie sie sich verhalten, damit er ihre Gesellschaft genießen kann. Dabei ist es wichtig, Kindern beizubringen, richtig mit dem Hund zu spielen oder ihm ein Leckerchen zu geben. Der Hund ist beispielsweise keine Anziehpuppe und er mag es nicht, wenn ihm mit den Fingern in den Ohren oder in der Schnauze gekitzelt oder er angebellt wird. Auch finden Hunde es nicht lustig, wenn ihnen erst ein Leckerchen angeboten und sobald er mit der Schnauze danach greifen möchte, wieder weggezogen wird. Kinder sollten wissen, dass sie sich nicht ohne Erlaubnis dem Hund nähern, ihn anstarrren oder ärgern dürfen. Gleichzeititg müssen Kinder lernen, dass die Ruhezonen, Körbchen, Spielsachen und der Futternapf des Hundes für sie tabu sind. Verbote sind hier wahrscheinlich nur das zweite Mittel der Wahl. Wichtiger ist es, den Kindern zu erklären, warum sie diese Bereiche meiden und Dinge nicht anfassen dürfen. Hier sind Eltern gefragt, sich vor der Anschaffung des Hundes, umfassendes Wissen über Hunde anzueignen oder durch erfahrene Hundetrainer beraten zu lassen.

Was Hunde lernen müssen

Ob Welpe oder erwachsener Hund, wer mit Kindern spielen möchte, muss eine gute Beißhemmung erlernen. Das bedeutet, dass der Hund lernt, wie vorsichtig er mit seinen Zähnen der menschlichen Hand gegenüber sein muss, damit er dem Zweibeiner keine Schmerzen zufügt. Der häufigste Fehler im Umgang mit Welpen ist hierbei, dass ihnen flegelhaftes und festes Zubeißen nachgesehen wird, weil sie „das ja nicht mit Absicht“ gemacht haben. Natürlich kneift der Welpe nicht mit der festen Absicht in die Hand, seinem Menschen wehzutun, aber er testet durchaus dabei aus, wie weit er gehen kann. Das gehört zu seinem Erfahrungsammeln einfach dazu und hat nichts mit Aggression zu tun. Deshalb ist es absolut wichtig, dem kleinen Hund sofort Feedback auf sein Verhalten zu geben und die Konsequenzen spüren zu lassen. Dass bedeutet, der Mensch muss bei einem zu groben Kniff sofort mit einem lauten „Aua“ aufheulen, wie es ein Hundekumpel auch machen würde, und das Spiel beenden. Der kleine Hund lernt: „Aha, wenn ich zu doll kneife, gefällt das meinem Menschen nicht und das tolle Spiel ist vorbei.“ Wird das durchgeführt, lernt der Hundezwerg schnell, wie er das Spiel mit Herrchen, Frauchen und dann auch mit dem Kind am Laufen halten kann. Natürlich muss der Vierbeiner sich auch an vieles mehr gewöhnen, was das Leben mit Kindern ausmacht, wie Lautstärke, Weinen oder Streit zwischen Geschwistern. Dabei ist die Anleitung durch einen Erwachsenen unverzichtbar. Denn auch wenn Kinder und Hunde einen „geheimen Draht“ zueinander zu haben scheinen, wenn sie gut aneinander herangeführt wurden, können kleine Mißverständnisse leider böse Folgen haben. Deshalb sollte sich jeder, der einen Hund in seine Familie integrieren möchte, vorher gut überlegen,ob er zusätzlich zu einem Alltag mit Kind, auch die Bedürfnisse eines Vierbeiners befriedigen kann. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn es gibt nichts Wertvolleres für kleine und große Menschen, als mit einem Hund leben zu dürfen.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 3/2015
Beitrag: Burga Torges, Hundetrainerin, www.hundeart.com

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Ein Kommentar zu Hunde mögen nur freundliche Kinder

  1. Stickerlar sagt:

    Danke für die Mühe, die Sie gemacht haben, um das alles zusammenzutragen. Das sind tolle Informationen.

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