Vorbereitung vermeidet kleine und große Katastrophen

Wenn der Hund zum alltäglichen Begleiter werden soll, muss er sich sicher an der Seite seines Menschen fühlen. Denn nur wenn er darauf vertrauen kann, dass sein Mensch die richtigen Entscheidungen für das Team trifft, wird er sich an ihm orientieren. Wissen über Hunde, wie sie ihre Umwelt wahrnehmen, wie man sie am besten an neue Situationen gewöhnt, an Umweltreize, Geräusche, Menschen, Tiere und vieles mehr sinnvoll heranführt, will also gelernt sein.

Vertrauen ist wichtig, Erfahrungen auch

Es ist entscheidend, dass Menschen sich verlässlich, eindeutig und ehrlich ihrem Hund gegenüber verhalten. Wer nur „so tut als ob“ oder sich unsicher im Umgang mit seinem Hund fühlt, irritiert seinen vierbeinigen Freund und dieser wird ihm nicht vertrauen. Damit ein Hund seine Menschen stressfrei durch den Alltag begleiten kann, ist es unerlässlich dass er so früh wie möglich mit den Dingen, die ihm an den verschiedenen Stationen begegnen werden, vertraut gemacht wird.

Dabei ist natürlich entscheidend, dass er altersgerecht und in kleinen Einheiten an die verschiedenen Dinge herangeführt wird. Ein bisschen Aufregung trainiert dabei sein Stresssystem, Überforderung sollte allerdings vermieden werden. Dazu ist es wichtig, die Übungen zeitlich und in der Intensität nicht nur individuell auf sein Alter, sondern auch auf den individuellen Charakter des Hundes abzustimmen. Denn nicht jeder acht Wochen alter Welpe hat dasselbe Nervenkostüm. Der eine ist eher zurückhaltend und braucht viel Zeit, um Dinge zu entdecken oder auch sehr viel Beistand, um beispielsweise die gelbe Mülltonne als tatsächlich ungefährlich zu identifizieren. Andere kleine Brummer rennen direkt auf neue Eindrücke oder Objekte zu – ganz nach dem Motto: „Was sich nicht wehrt, kann nicht gefährlich sein!“ In so einem Fall ist es sinnvoll, eine behutsamere Herangehensweise nahezubringen, denn auch der mutigste kleine Brummer ist nicht vor Unfällen geschützt und gegen unangenehme Erfahrungen und deren Folgen gefeit. Sammeln mutige Entdecker zu viele negative Erfahrungen, kann sie das erschüttern und davon abhalten, weiter die Umwelt zu erforschen. Umso wichtiger, dass der Mensch an seiner Seite umsichtig ist und traumatisierende Erfahrungen für den Vierbeiner verhindert.

Im Idealfall ist Mensch sich schon vor der Anschaffung eines Hundes klar darüber, welchen Anforderungen der zukünftige Hund in seinem Leben gewachsen sein muss. Soll er Frauchen tagsüber ins Büro begleiten? Muss er in einer Familie mit kleinen Kindern und dem damit verbundenen Lärm, den Besuchen und Bewegungen standhalten? Muss er den Trubel einer Stadt möglichst stressfrei erfahren und wie viel Zeit ist für Auslauf, Beschäftigung und vielleicht Hundesport?

Die richtige Wahl treffen

Natürlich kann man bereits bei der Wahl der Hunderasse einige Eignungen vorausplanen, aber auch hier ist der individuelle Charakter des Tieres entscheidend. Auch bei einem Hund aus dem Tierschutz sollten diese Überlegungen im Vordergrund stehen. Es ist fatal, den Hund erst nach Deutschland einreisen zu lassen ohne auch nur das Geringste über seinen Charakter zu wissen. Viele dieser Hunde landen im besten Fall wieder bei der Tierschutzorganisation auf einer Pflegestelle, im schlechtesten Fall sogar im Tierheim – weil sie mit den Anforderungen einer total fremden Umgebung nicht zurechtkommen und ihre Besitzer die Geduld nicht aufbringen oder mit der Anleitung des Hundes überfordert sind.

Es ist sicherlich richtig und wichtig, Hunden in Not zu helfen. Ohne die richtigen Überlegungen im Vorfeld anzustellen und zu prüfen, ob Mensch auch das richtige, lebenslange Zuhause für diesen speziellen Hund bieten kann, ist aber leider weder für den Hund eine Lebensverbesserung, noch für den Menschen. Wer sich gut auf die Anschaffung eines Hundes vorbereitet, bekommt aber dafür eine hundelebenslange, tiefe Freundschaft.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 4/2017
Beitrag: Burga Torges, Hundetrainerin, www.hundeart.com

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