Erste Hilfe am Hund – Teil 2

Hunde und ihre Besitzer sind gerne lange draußen unterwegs. Viele von ihnen auch dort, wo die abgelegene Natur Platz für Freilauf lässt. Natürlich kann das auch Gefahren bergen. Dann wenn der vierbeinige Freund sich verletzt, ist man oft auf sich alleine gestellt. Schürf- oder Platzwunden sind nicht so schlimm, Stürze, bei denen sich der Hund beispielweise ein Bein bricht oder auch Situationen, wenn es zum Herzstillstand des Hundes kommt, erfordern sofortiges Handeln.

Knochenbrüche schienen

Im Gelände mag man selten eine zusammengerollte Zeitung oder einen Besenstil zu Hand haben, obgleich diese Materialien sich auch zur Schienung von Knochenbrüchen eignen, aber Stöcke gibt es im Wald und am Flussufer zumeist zuhauf und damit lässt sich schon viel anfangen. Man unterscheidet zwischen einem geschlossenen und einem offenen Bruch. Bei einem geschlossenen Bruch ist nur der Knochen gebrochen, bei einem offenen Bruch ist durch die Verletzung die Haut durchbrochen, Schmutz und insbesondere Bakterien können in die Wunde eindringen. Wichtig: ein offener Bruch darf nicht geschient werden! In dem Fall wird die Wunde nur möglichst steril abgedeckt, sodass bis zur Ankunft beim Tierarzt kein Schutz eindringen kann.

Polsterwatte und eine lange Verbandsbinde wären für das Schienen natürlich ideal, aber mal ehrlich, wer denkt schon immer daran, ein Erste-Hilfe-Set mit auf den Spaziergang zu nehmen? Also muss man sich behelfen so gut es geht. Als Polsterung eignet sich ein T-Shirt oder Unterhemd, das Frauchen oder Herrchen in einer solchen Notsituation entbehren müssen. Zum Festbinden eignen sich Socken oder auch eine Strumpfhose.

Als erste Maßnahme muss der Hund ruhig gestellt werden, damit die Verletzung nicht noch schlimmer wird. Der Hund ist angeleint und trägt eine Maulschlinge. In dem Fall einen Schnürsenkel, denn noch einmal zu Erinnerung: verletzte Tiere, die Schmerzen haben, können beißen, auch wenn sie das unter anderen Umständen nie tun würden. Sollte der Hund später getragen werden, legt man ihn von vorne herein auf die entsprechende Jacke, um ein wiederholtes Umlagern zu vermeiden. Das Tier wird in Seitenlage, auf die unverletzte Seite gelagert.

Die Fixierung sollte weit oberhalb und unterhalb der Bruchstelle enden. Der Bereich um die Bruchstelle selbst sollte großräumig abgepolstert und mit einer Binde, Socke oder einem Gürtel umwickelt werden. Anschließend die Schiene mit den Stöckern beidseitig anlegen und mit einer weiteren Socke oder Ähnlichem fixieren. Dabei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Fixierung nicht zu fest ist, da sonst die Durchblutung der Gliedmaße unterbrochen wird. Ist der Patient so gut wie möglich versorgt, geht es schnellstmöglich zum Tierarzt.

Wiederbelebung

Die Wiederbelebung seines eigenen Hundes ist eine Erfahrung, die kein Hundebesitzer wirklich machen möchte. Die Feststellung, dass der vierbeinige Freund nicht mehr atmet, wird wahrscheinlich immer Panik als ersten Impuls bei seinem Menschen auslösen. Deshalb ist die erste wichtige Regel in einer solchen Situation: Ruhe bewahren, sich orientieren und gezielt handeln. Leichter gesagt als getan? Ganz genau, deshalb sollte man sich mit dem Szenario der Wiederbelebung vertraut machen, indem man beispielsweise einen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde besucht und die folgende Anleitung an einem Stofftier übt. Denn je geläufiger einem die Vorgehensweise bei einer Wiederbelebung ist, desto sicherer kann man seinem Hund helfen.

Wichtig
Auch wenn diese Anleitungen zu Knochenbrüchen und Wiederbelebung einzelne Schritte vorgeben, können sie lediglich zur Orientierung dienen. Wer wirklich sichergehen möchte, dass er seinem vierbeinigen Freund in einer solchen oder ähnlichen Notsituation helfen kann, sollte sich ausführlich mit dem Thema Erste Hilfe beschäftigen.

Eine Wiederbelebung darf ausschließlich bei einem definitiven Herzstillstand durchgeführt werden, daher ist die erste Maßnahme, nachdem der Hund auf seine rechte Seite lang gestreckt gelegt wurde, den Herzschlag zu fühlen. Dazu wird am Innenschenkel des Hundes die Oberschenkelschlagader in der Beinfalte gesucht. Mittel- und Zeigefinger auf die Schlagader legen. Die Pulsschläge werden innerhalb von 15 Sekunden mitgezählt und das Ergebnis mit Vier multipliziert.

Bei einem Herzstillstand fühlt man entsprechend nichts und prüft umgehend die Atmung. Dazu werden die Fingerspitzen auf den Brustkorb gelegt, um die Atmung zu erfühlen. Dabei sollte auf Bewegung des Brustkorbs geachtet werden und darüber hinaus Reaktionstests von Augen und Zunge durchgeführt oder die Reaktion der Ohren auf Geräusche geprüft werden.

Herzdruckmassage

Sobald zweifelsfrei feststeht, dass kein Herzschlag mehr bei dem Hund vorhanden ist, beginnt man mit der Herzdruckmassage. Mit dem Handballen werden zehn Druckstöße auf den unteren Brustkorb, in Herzposition, ausgeführt. Anschließend umgehend den Herzschlag am Innenschenkel prüfen. Schlägt das Herz nicht, zehn Druckstöße wiederholen. Ganz wichtig: Sobald das Herz wieder schlägt, sofort mit der Mund-zu-Nase-Beatmung beginnen.

Herz-Lungen-Wiederbelebung

Beginnend mit der Herzdruckmassage folgt anschließend die Mund-zu-Nase-Beatmung. Dafür formen Daumen und Zeigefinger einen Ring um die Hundenase und anschließend mit dem Mund Luft in den Hund ausatmen. Dabei sollte gleichmäßig, ohne übermäßigen Druck, Luft in die Hundenase abgegeben werden. Anschließend Herzschlag und Puls prüfen. Gegebenenfalls den Vorgang wiederholen. Sobald das Herz wieder schlägt, den Hund weiter mit der Mund-zu-Nase-Beatmung unterstützen. Sind Herz und Lunge stabil, das Tier weiter ruhig halten und möglichst in einer stabilen Lage zu Tierarzt bringen.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 4/2017

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