TCM – Traditionelle Chinesische Medizin in der Tiernaturheilkunde

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) wird auch in Europa immer beliebter, doch viele unbekannte Begriffe wie die 5 Wandlungsphasen, Tuina, Yin und Yang, Qi-Gong, Moxibustion … geistern durch die westliche Welt. Wie TCM eigentlich funktioniert und dass sie sich auch sehr gut zur Behandlung von Haustieren einsetzen lässt, ist oft nicht bekannt.

TCM – Was ist das eigentlich?

Die Traditionelle Chinesische Medizin ist eine uralte Heilkunde, deren Anfänge bereits ca. 3000 Jahre zurückliegen. So geht man davon aus, dass die Akupunktur bei Tieren bereits seit etwa 1300 v. Chr. durchgeführt wird. Die TCM entstand, als es noch kein Röntgen oder Ultraschall, noch nicht einmal eine Blutuntersuchung gab. Die Mediziner waren auf genaueste Beobachtungen und Schlussfolgerungen angewiesen. Sie setzten ihre Sinne zum Verständnis von Krankheiten, der Zusammenhänge im Körper sowie zur Diagnose ein. Im Laufe der Zeit floss in die entwickelten Konzepte noch die Erfahrung jahrtausendelanger Anwendung ein. So entstand ein komplexes und ganzheitliches Medizinsystem, das nicht nur das Lebewesen als Einheit von Körper, Geist und Seele begreift, sondern es auch noch im engen Zusammenspiel mit der Welt und den allgemeingültigen Naturgesetzen betrachtet.

Gesundheit & Krankheit

Die Chinesische Medizin basiert auf Gedankenmodellen wie z. B. denen von Yin und Yang, von Qi, am ehesten mit Lebensenergie zu übersetzen, den 5 Wandlungsphasen oder dem Gedanken, dass die Energie in Meridianen im Körper zirkuliert. Die grundsätzliche Vorstellung ist, dass alles Lebendige von Qi (sprich Tschi) durchströmt wird und Anteile der gegensätzlichen, sich aber ergänzenden Aspekte Yin und Yang enthält. Befnden sich Yin und Yang im Gleichgewicht und kann Qi störungsfrei in den Energiebahnen und Organen des Körpers zirkulieren, ist das Lebewesen gesund. Krankheit bedeutet also, dass etwas aus der Balance geraten ist oder der harmonische Energiefuss ins Stocken gerät. Staut sich Energie an einer Stelle, kann das zu Schmerzen oder Funktionsstörungen führen. Gleichzeitig entsteht in dem nicht mehr mit ausreichend Energie versorgten Gebiet hinter der Stauung eine Qi-Leere, die zu weiteren Erkrankungen führt.

Untersuchungsmethoden

Ziel ist es, das der Krankheit des Hundes zu Grunde liegende Disharmonie-Muster zu erkennen. Hierfür wird eine ausführliche Anamnese erhoben, bei der dem Besitzer eine wichtige Rolle zukommt. Je genauer er Erkrankungen, Verhaltensweisen und Vorlieben seines Vierbeiners beschreiben kann, desto besser gelingt eine Einschätzung der Gesamtheit des Hundes. Neben einer genauen Untersuchung des Patienten ist die Betrachtung von Zunge und Puls ein unerlässliches Hilfsmittel. Größe, Form und Farbe sowie Belag der Zunge geben Informationen über den inneren Zustand. Zudem kommen noch bestimmte Diagnosepunkte (sog. Shu- und Mu-Punkte) zum Einsatz. Die nach Abschluss aller Untersuchungen entstehenden chinesischen Diagnosen unterscheiden sich sehr deutlich von den westlichen und lauten z. B. „Milz-Qi-Schwäche“ oder „feuchte Hitze in der Blase“.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Hauptbehandlungsmöglichkeiten der Chinesischen Medizin werden oft als die „fünf Säulen der TCM“ bezeichnet. Das sind Arzneitherapie mit Kräutern, Akupunktur und Moxibustion, Ernährung, Massage sowie Bewegungsübungen. Bei Hunden kommen vorrangig Akupunktur und Kräutermedizin zum Einsatz, wobei eine spezielle Ernährung ebenfalls bedeutsam für Gesundheit und Heilung sein kann. Bei der Akupunktur werden feine Nadeln in die entsprechenden Akupunkturpunkte gesetzt und verbleiben dort bis zu 20 Minuten. Die zumeist schmerzfreie Behandlung wird von den Hunden in der Regel sehr gut toleriert. Je nach Erkrankung kann die Behandlung durch Moxibustion (Stimulierung der Akupunkturpunkte durch Wärme) unterstützt werden. So werden Feuchtigkeit und Kälte vertrieben oder das Qi bewegt. Unter Einsatz bestimmter Nahrungsmittel lässt sich ebenfalls Einfuss auf den Verlauf einer Erkrankung nehmen. In der Chinesischen Medizin werden den Lebensmitteln bestimmte Eigenschaften zugeordnet. So gibt es z. B. kühlende oder wärmende Nahrungsmittel, solche, die Qi bewegen, Yin nähren oder Feuchtigkeit ausleiten usw. Vielen Tierbesitzern ist z. B. Ingwer als ein wärmendes Lebensmittel vertraut. Aber auch Schaf-, Lamm- und Hirschfeisch ist wärmend, Pferdefeisch dagegen kühlend.

Indikationen

Die TCM eignet sich zur Behandlung fast aller Erkrankungen von Hunden. Sie wird häufg bei chronischen Leiden, Schmerzen sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzt. Auch innere Erkrankungen, wie z.B. Lungenerkrankungen, Erkrankungen des Verdauungs- und Urogenitalapparates oder Stoffwechselstörungen können behandelt werden. Auch für Allergien und Hautprobleme eignet sie sich. Selbstverständlich kann und sollte häufg die Traditionelle Chinesische Medizin Hand in Hand mit der Schulmedizin angewendet werden und diese sehr gut unterstützen, wie auch das Fallbeispiel zeigt.

Fallbeispiel: 7-jähriger Rhodesian Ridgeback Rüde
Der Hund wird vorgestellt mit Schilddrüsenunterfunktion, Bewegungsunlust, Lethargie, grauer Haut, erhöhtem Speichelfuss und permanent verstopften Analbeuteln, die ca. alle 10 Tage manuell entleert werden müssen. Es wird die chinesische Diagnose „Nieren-Yang-Mangel“ sowie „Milz-Qi-Schwäche“ gestellt. Es folgen Ernährungsanpassung mit wärmenden und Feuchtigkeit ausleitenden Futtermitteln. Zusätzlich erfolgt eine Akupunktur-Behandlung mit Einsatz von Moxibustion. Bereits 2 Wochen nach Beginn der Behandlung ist eine deutliche Besserung der Symptomatik zu spüren. Der Hund ist agiler und die Hautfarbe verbessert sich merklich. Im Laufe der Behandlung normalisieren sich Speichelfuss und Hautfarbe, der Rüde wird deutlich aktiver. Die Intervalle, in denen die Analbeutel geleert werden müssen, verlängern sich auf 6 Wochen. Nach einigen Monaten Behandlung kann außerdem die Dosis der verabreichten schulmedizinischen Schilddrüsenhormone deutlich verringert werden. Ausblick: Zur Zeit erfolgt noch eine 14-tägliche Akupunktur, eine weitere Besserung der Schilddrüsenunterfunktion wird erwartet.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 4/2011
Beitrag: Katrin Dahmen, Dipl.-Biologin und Tierheilpraktikerin, Naturraum – Zentrum für Tiergesundheit, Bornheim
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Ein Kommentar zu TCM – Traditionelle Chinesische Medizin in der Tiernaturheilkunde

  1. Emmi sagt:

    Eine Freundin hat die TCM nach der Kastration von Hund und Katze ausprobiert. Die Tiere waren wohl etwas verändert in ihrem Wesen, ließen sich dadurch aber wieder auf normale Aktivitäten ein. Interessant wie so ein Eingriff auf die Tiere wirkt.

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