Aaachtung! Vierbeiner an Deck! – Segeln mit Hund

Segeltörns oder generell Urlaub auf dem Kanal sind für viele Hundehalter undenkbar, dabei kann ein Hundeleben an Bord durchaus unproblematisch funktionieren und muss weder für Mensch noch Tier stressig sein. Natürlich sind Kreuzfahrten und Atlantiküberquerungen ohne Zwischenstopps damit nicht gemeint. Damit sich ein Hund an Bord eines geeigneten Schiffes wohlfühlt, bedarf es einer guten Vorbereitung und einer gewissen Bereitschaft, Kompromisse einzugehen. Dabei ist es weniger entscheidend, welches Alter der Hund hat, der nun zum Bordhund ausgebildet werden soll, als dass das Training mit einiger Vorlaufzeit zum eigentlichen Ablegen sowie mit viel Ruhe und Geduld von statten geht.

Das Wasser entdecken

Wer in See stechen will, muss erst einmal an das kühle Nass gewöhnt werden. Der Spieltrieb des Vierbeiners eignet sich hier hervorragend dafür. Denn was könnte besser die anfängliche Scheu überwinden als herrliches Stöckchenwerfen?!
Also: Alle Hölzer fliegen hoch … und wiederbringen lassen. Dabei stehen Herrchen und Frauchen an Land und loben was das Zeug hält, wenn der Vierbeiner mit Wonne zurückschwimmt und das Objekt zurückbringt. Klappt das tadellos, gehen die Menschen mit ins Wasser, erst zu Fuß, dann auf einem Schlauchboot. Bringt der Vierbeiner verlässlich Stöckchen oder einen Ball zurück zum Boot, bekommt der zukünftige Bordhund eine Rettungsweste angezogen. Diese ist mit einer Lasche ausgestattet, die im Rückenbereich des Hundes ermöglicht, den Bootshaken einzulaschen, wenn Fiffi mal unvorhergesehens von Bord gespült wurde. Dann wieder übergehen zum spaßigen Teil des Manövers: Ball werfen, zurückrufen, Hund schwimmt zum Boot und wird per Haken an Bord genommen. Eindeutige Kommandos sind hier unerlässlich, denn auch bei rauer See und tosenden Wellen muss der Hund Herrchen und Frauchen verstehen. Loben und immer wieder Loben, denn schließlich leistet der Vierbeiner Schwerstarbeit, während die Menschen faul im Boot sitzen!

Havenmanöver trainieren

Steile Treppen und schaukelnde Schwimmstege sind so gar nicht nach dem Geschmack der Hunde, denn sie meiden alles, was sich unter ihren Pfoten bewegt oder beim Draufsteigen nachgibt. Da hilft nix Anderes als: rauf und runter, rauf und runter! Spundwände (Leitern an Hafenmauern) sind allerdings für einen Hund kaum und wenn nur qualvoll zu meistern. Das sollte man ihm ersparen. Übung macht auch den Meister beim Besteigen von Beibooten und des Schiffes. Beschädigungen am Schiffsdeck durch die Hundekrallen lassen sich dabei kaum vermeiden, speziell wenn es aus Teakholz gefertigt wurde. Sicherlich ist es möglich, die Hauptlaufbereiche mit rutschfesten Deckauflagen zu schützen, sollen jedoch andere Teile des Decks geschützt werden, müssen diese als verbotenes Gebiet deklariert werden. Die sogenannte „Lifeline“ kann dabei zusätzlich dienlich sein. Denn sie wird an der Rettungsweste des Hundes und am anderen Ende am Schiff befestigt. Sie begrenzt den Laufraum des Hundes, eben auf die geschützten Teile, und der Hund muss sich sowieso an das Laufen an der Leine, die ihm ggf. das Leben rettet, gewöhnen. Rutschfeste Hundesocken dienen weniger als effektive Alternative, denn sie werden in der Regel vom Hund nicht akzeptiert und abgekaut.

Das Geschäft an Bord erledigen

Gassi gehen an Deck verlangt von Frauchen und Herrchen die größte Geduld, und da kommt dann das mit der bereits erwähnten Kompromissfähigkeit. Ideen vom Sandkasten oder Hundeklo auf dem Schiff wurden von vielen Hundebesitzern in Erwägung gezogen und genauso schnell buchstäblich wieder „über Bord geworfen“. Nur die klare Zuordnung eines Deckbereiches, der unmittelbar nach dem Geschäft gereinigt wird, ist die einzig wahre Lösung. Zuvor sollte das Gassi gehen vor Anker mehrmals über einen längeren Zeitraum (mindestens einen ganzen Tag) und ohne Landgangmöglichkeit geübt werde. Bei den ersten Anzeichen der abgehenden Verdauung wird der Hund auf den zugewiesenen Decksbereich gesetzt und nach Verrichtung mit viel Lob und Leckerchen belohnt. Der Vierbeiner begreift sehr schnell, was von ihm erwartet wird und sucht nachfolgend völlig selbständig diesen Bereich auf, um sich zu lösen.

Die Seebeine wachsen lassen

Auch hier gilt: Gut Ding will Weile haben. Der erste Törn ist so zu planen, dass wenige Stunden später ein Hafen zur Verfügung steht. Während dieser Zeit hat der Liebling seinen festen Platz (Plätze), den (die) er nur für das Gassi gehen verlassen sollte. In den Nachfolgetörns werden die Reisezeiten sukzessive verlängert, sodass auch Reisen über mehr als einen Tag möglich sind. Reisen länger als zwei Tage ohne Landgang und entsprechenden Auslauf sollten definitiv vermieden werden, da dann häufig Verdauungsprobleme den Vierbeiner plagen und zu einer völligen Lethargie führen.

Nur nicht seekrank werden

Na klar, auch Hunden können die schwankenden Planken mächtig zusetzen! Im Allgemeinen gewöhnen sich aber die meisten über einen längeren Zeitraum an das Leben an Bord. Nur selten scheint es der Fall zu sein, dass ein Hund von täglicher Seekrankheit befallen wird. Wichtig ist, die Nahrungsmengen während der Reise zu halbieren und zum Ausgleich dafür sehr viel Wasser zur Verfügung zu stellen. Geht man längere Zeit vor Anker, darf sich Hund dann den Bauch vollschlagen.

Immer schön die Pfoten pflegen

Ist das Leben an Bord mit seinen Besonderheiten für den Vierbeiner Alltag, gilt es für Frauchen und Herrchen aber noch, die Pfoten des vierbeinigen Matrosen ausreichend zu pflegen. Denn das Salz des Meerwassers lagert sich in einer dünnen Schicht auf dem Decksbereich ab und führt dazu, dass die ungeschützten Pfoten besonders stark strapaziert werden. Mehrfaches sorgfältiges Spülen und gegebenenfalls Eincremen sind daher notwendig.

Alles im Loot auf´m Boot

Wer seinen vierbeinigen Freund also gut auf das Leben als Bordhund vorbereitet, dürfte zukünftig auch Abenteuer nicht gerade auf hoher See-, aber in Küstennähe, auf dem Kanal oder auf einem großen See mit ihm genießen können. Und wer weiß … Vielleicht imponiert er dem Nachbarshund bald mit erstklassigem Seemannslatein …

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 2/2011

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2 Kommentare zu Aaachtung! Vierbeiner an Deck! – Segeln mit Hund

  1. Hallo,
    falls jemand Probleme hat seinen Hund an Bord eines Segelschiffes zu bekommen-hier meine Lösung mit video auf meiner Webseite
    MfG
    Wille

    • Nicole sagt:

      hallihallo, haben ganz viel improvisiert dieses Wochenende – leider hatten wir keine bukrampe oder ähnliches. gibt es noch tipps …? wollen Brett bauen. Nach dem Schwimmen bekommt man den hund wie über die badeleiter am Besten nach oben? Wir danken für tipps! Liebe Grüße, Nicole

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