Wenn der Ellenbogen schmerzt: Ellenbogengelenkdysplasie

Die Ellenbogengelenksdysplasie (ED) des Hundes gewinnt trotz intensiver zuchthygienischer Maßnahmen immer mehr an Bedeutung. Diese äußerst schmerzhafte Veränderung der anatomischen Strukturen des Gelenkes ist eine der häufigsten Lahmheitsursachen der Vordergliedmaße des Hundes. Obwohl eine typische Junghunderkrankung, die sich bereits in den ersten Lebensmonaten ausprägt, wird die ED häufg erst im weiteren Verlauf oder sogar erst nach Abschluss der Wachstumsphase klinisch auffällig.

Generell spricht man bei diesem Krankheitsbild von einer Gelenksinkongruenz, d. h., das Gelenk „passt“ nicht. Die Gelenkfächen können nicht reibungslos gegeneinander gleiten, sondern „haken“ und „reiben“ aufeinander, ausgelöst durch ein unterschiedliches Längenwachstum der drei beteiligten Knochen Speiche, Elle und Humerus. Die fehlerhaft auf die Gelenkfächen wirkenden Kräfte können so groß sein, dass es zu weiterem Fehlwachstum oder sogar zu Ermüdungsbrüchen kommt. Die Folge dieser Veränderungen sind neben der akuten Schmerzsymptomatik vor allem Langzeitschäden durch die entstehende Arthrose. Die Erkrankung wird chronisch und kann zu einer dauerhaften, erheblichen Beeinträchtigung des Wohlbefndens der Patienten führen.

Die Heilungschancen der ED sind abhängig vom Zeitpunkt der Diagnosestellung. Länger währende oder wiederholt auftretende Lahmheiten der Vordergliedmaßen sollten insbesondere in der Wachstumsphase des Hundes Anlass zu einer Vorstellung beim Tierarzt sein. Über die Kontrolle des Gangbildes, das Abtasten der Gelenke sowie vor allem über die Röntgendiagnostik und ergänzend mit Hilfe einer Computer-Tomographie kann eine eindeutige Diagnose gestellt werden. Je früher dies geschieht, um so weniger stark ausgeprägt sind meist die Schädigungen innerhalb des Gelenkes und damit auch die zu erwartenden Folgeschäden.

Je nach Ausprägung und Schwere der Erkrankung stehen dem Tierarzt verschiedene Möglichkeiten der Behandlung zur Verfügung. Medikamentelle Ansätze haben – ebenso wie die klassische Akupunktur – meist nur einen vorübergehenden Effekt. Die krankheitsverursachenden Veränderungen des Bewegungsapparates bleiben bestehen. Als Mittel der Wahl gilt die chirurgische Korrektur der jeweiligen Fehlstellung. Durch operative Verlängerung oder Verkürzung der betroffenen Knochen bzw. durch Entfernung oder Fixierung gebrochener oder nicht zusammengewachsener Knochenanteile (Fragmente) wird dabei versucht, die Passform der Gelenkfächen so wiederherzustellen, dass sie den natürlichen Gegebenheiten möglichst nahe kommt. Auch die dargestellten Veränderungen des Gelenkknorpels können – in begrenztem Rahmen – chirurgisch korrigiert werden. Sind die Veränderungen so massiv bzw. so weit fortgeschritten, dass mit herkömmlichen Verfahren keine Verbesserung mehr zu erzielen ist, bleibt als letztes Mittel die Implantation eines künstlichen Ellenbogengelenkes.

Die frühzeitige Diagnose und eine auf den Patienten abgestimmte Behandlung sind in jedem Fall Grundlage für einen möglichst erfolgreichen Heilungsverlauf.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 4/2011
Beitrag: Dr. med. vet. Gregor Hauschild, Leiter der Chirurgie in der LESIA Tierärztlichen Klinik für Kleintiere, Düsseldorf

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