Flirtfaktor Hund

Die Geschichte von Tania, Esta, Marc und Spike nach einer ganz wahren Begebenheit.

Sie sind begnadete Kuppler: beherzt und mutig, aber immer diskret. Ganz ohne blind date oder teure Vermittlungsgebühren machen sie ihren Job, völlig natürlich und uneigennützig: Die Hunde bringen oft den ersten Stein ins Rollen, aus dem später mal eine wunderbare Freundschaft wird. Und manchmal vielleicht sogar mehr …

Es war einmal vor 3 Jahren in der Weihnachtszeit … Marc aus Düsseldorf hatte gerade seinen Labradorrüden Spike bekommen und machte seinen ersten Spaziergang im Park. Der eine, noch tapsig und unbeholfen; der andere beweglich und standfest. Klar, dass ein solches Paar nicht lange unentdeckt blieb. Zwei andere Spürnasen wurden auf die Männer aufmerksam: Tania mit ihrer Boxerhündin Esta. Nach einem ersten Beschnuppern war (zumindest auf Hundeseite) schnell klar, wer in dem Geschlechtergespann die Hosen an hatte: Spike warf sich sofort auf den Rücken und gab sich geschlagen; Esta zeigte sich trotz ihrer Überlegenheit behutsam und und beschnupperte den jungen Hund vorsichtig. Bei den Hunden also waren die Fronten gleich geklärt. Bei den Menschen ist es, wie so oft, komplizierter. Riechen konnten sich Tania und Marc von Anfang an gut. Aber noch waren sie zögerlich. Immerhin, viele Spaziergänge gab es und viele Gespräche: über die Hunde, den Job, den Alltag und das Leben … Alles lief gut; doch dann, eines Tages, zog Tania mit ihrer Hündin in einen anderen Stadtteil und ging ab sofort in einem anderen Park spazieren. Die Zweibeiner verloren sich aus den Augen und die Vierbeiner mussten wohl gedrungen mit anderen Hunden Vorlieb nehmen.

Die Wende

Dann, an einem Tag, an dem sich Esta und Spike ziemlich langweilten, passierte etwas, dass ihr Leben komplett ändern würde. Ein Wasserschaden, den Tania in der neuen Wohnung hatte, war der Grund. Sie erinnerte sich an Marc, der ihr auf Grund seines Berufes helfen konnte. ‚Endlich war er wieder da, der tolle Spike‘, dachte Esta. Und auch Spike warf sich der Boxerhündin voller Begeisterung an den Hals.

Der Kontakt lebte also wieder auf, Tania und Marc trafen sich zu weiteren Spaziergängen. Und die wurden immer länger. Ein gutes halbes Jahr lief das so. Und während sich Esta und Spike schon lange kein Leben mehr ohne einander vorstellen konnten, blieben Tania und Marc weiterhin „nur gute Freunde“.

Ein Schicksalstag im Karneval

Eines Tages blieben Esta und Spike allein zu Haus. Es war der Tag, an dem sich die Menschen aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen bunte Perücken und rote Pappnasen aufsetzen. Esta und Spike zumindest werden es nie verstehen. Wie auch immer, sie hatten nichts dagegen, schließlich kamen Frauchen und Herrchen (wenn auch spät) gut gelaunt und freudestrahlend zurück. In der Düsseldorfer Altstadt hatten sie sich getroffen, und obwohl es draußen ganz schön kalt war, wurde es den beiden Hundehaltern endlich richtig warm ums Herz. Sie hatten sich ineinander verliebt. Und von da an trafen sie sich dann jeden Tag zum spazieren gehen. „Nichts darf uns jetzt mehr auseinander bringen“, dachten Esta und Spike, die mindestens so glücklich durch die Gegend tollten wie ihre Halter.

Ein gemeinsames Leben

Lästig waren nur die Wege von der einen Wohnung zur anderen, und so suchten sich die Vier ein gemeinsames Zuhause. Das klappte wider Erwarten ziemlich schnell. Denn eine Kollegin von Tania zog gerade aus einem Haus aus, das für die Hundefamilie geradezu maßgeschneidert war: in einem Hinterhof mit großer Auslauf-Terrasse. Da waren sie nun alle in ihrem neuen Zuhause, und Esta und Spike hatten ab sofort dasselbe Ziel nach jedem Spaziergang. Ihre Spürnasen führten sie nun dorthin, wo das Leben gemütlich und heimelig riecht: zum Futternapf und auf das gemeinsame Sofa im Gästezimmer. Bis heute sitzen sie da nun jeden Abend; wie ein altes Ehepaar: sie putzen sich gegenseitig die Ohren und kuscheln und knutschen miteinander. Wenn die eine mal zu träge wird, treibt der andere sie durch die Wohnung: vom Sofa auf die Matratze, einmal im Kreis, über den Teppich, Treppe runter und wieder rauf, um die Beine von Tania und Marc und schließlich wieder aufs Sofa. Eine richtige Familie sind die Vier inzwischen geworden. Und deshalb werden Tania und Marc in diesem Jahr noch heiraten. Die besten Trauzeugen haben sie natürlich schon: Esta und Spike. Und wenn dann eines Tages mal menschlicher Nachwuchs kommt, sind der stolze Labradorrüde und die großherzige Boxerhündin sicher die besten Familienhunde, die es jemals in Düsseldorf gegeben hat.

Wissenschaftlich fundiert: Hunde als Vermittler

In einer vom „Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft“ beauftragten psychologisch fundierten Studie „Der Hund als Flirtfaktor“ wurde nachgewiesen: Durch einen Hund kommt man sich näher. Hundehalter werden deutlich mehr in Gespräche verwickelt als Menschen ohne Hund. 77 Prozent aller befragten Hundebesitzer haben bestätigt, dass die beste, natürlichste und fröhlichste Art, unbefangen ins Gespräch zu kommen, ihr Hund sei. Dessen Ungezwungenheit erleichtere die Kontaktaufnahme, sein Treiben biete immer Stoff für interessante, unverfängliche Gespräche, die für den Beginn eines Flirts unverzichtbar seien. Im Gespräch selbst ließen sich über den Hund sogar Fragen einbringen, die für die Partnersuche wichtig seien: Lebt das „Gegenüber“ allein oder getrennt? Hat er einen Partner oder eine Familie? Jeder zehnte Befragte hat in der Studie angegeben, dass ihm der Hund zu einer festen Partnerschaft verholfen hat.

Der Hund ergreift also einerseits die Initiative. Andererseits kann er nur den Stein ins Rollen bringen. Wie es weitergeht, hat dann der jeweilige Halter in der Hand. In einem anderen Punkt ist der Hund ebenfalls hilfreich: durch sein Aussehen und Charakter sagt er viel über seinen Besitzer aus, liefert also quasi eine erste Einschätzung des Halters. Bei einem ersten schnellen „Abtasten“ ist das nicht unwesentlich. Laut Studie haben übrigens jene Besitzer beste Erfolgschancen, deren Hund: wohlerzogen ist und freiwillig gehorcht, gepflegt aussieht, zu seinem Besitzer passt (Quellen: Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft, Bremen; Rheingold-Institut, Köln)

Hunderassen und Flirtchancen

Apropos: Welcher Hund bietet die besten Vermittlungschancen? Diese Frage kann man sicher nur subjektiv beantworten. Eine Online-Partnervermittlung hat in einem „LiebesTrendMonitor“ (4.500 Befragte) im September 2008 herausgefunden, dass sich Besitzer von Labrador und Golden Retriever besonders angezogen fühlten, attraktiv seien auch Dalmatinerhalter und -halterinnen. Dagegen wirkten gewisse Hunderassen wie Terrier und Pudel nur bei Frauen attraktiv, wogegen Kampfhunde (Pitbull und Pinscher) auf das jeweils andere Geschlecht nur wenig anziehend seien.

Das Rheingold-Institut fragte seine Interviewpartner, warum der Hund beim Beginn eines Flirts so nützlich ist. Die sechs wichtigsten Antworten der Befragten:

  • Man ist beim ersten Kontakt unbefangener
  • Man hat sofort ein gemeinsames Interesse: den Hund
  • Der Hund stellt Vertrautheit her, nimmt Spannung aus dem Gespräch
  • Der Hund geht auf Menschen zu und bricht damit das Eis
  • Das Interesse für den Hund springt leicht über in ein Interesse für den Hundebesitzer
  • Menschen, die Hunde haben, sind von Natur aus kontaktfreudiger

(Quelle: Singlebörsen-Vergleich)

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 1/2009
Beitrag: Oskar

Dieser Beitrag wurde unter Serien & Reportagen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.