Schilddrüsenunterfunktion und Kortisolüberproduktion

Immer häufiger werden bei Hunden eine Kortisolüberproduktion (Cushing-Erkrankung) und/oder eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) diagnostiziert und erfolgreich behandelt. Beide Krankheitsbilder betreffen den mittelalten bis alten Hund. Ihre Symptome sind vielfältig und nicht immer eindeutig. Eine gründliche tierärztliche Untersuchung und Labortests sind erforderlich, um die Veränderungen einer Krankheit zuzuordnen und zum Beispiel Beeinträchtigungen des Bewegungs- oder Herz-Kreislauf-Apparates auszuschließen.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Die Schilddrüse ist ein hormonproduzierendes Organ, welches paarig am Hals liegt. Sie produziert das Hormon Thyroxin (T4). Dieses beeinflusst fast alle Stoffwechselvorgänge im Körper. Da in 99 % aller Schilddrüsenerkrankungen eine Unterfunktion vorliegt, läuft somit der gesamte Stoffwechsel auf Sparflamme. Das erklärt auch das lethargische Verhalten der Hunde.

Ursachen
Zumeist führt eine Entzündung zu einem Verschwinden der Schilddrüsenzellen. Bei etwa der Hälfte der Hunde handelt es sich um ein so genanntes autoimmunes entzündliches Geschehen: Der Körper selbst greift das Schilddrüsengewebe mit Autoantikörpern an. Die Hypophyse ist das Steuerorgan der Schilddrüse und produziert das schild-drüsenstimulierende Hormon TSH. Bei niedrigen Werten kommt es über einen Rückkopplungsmechanismus zu einer Stimulation der TSH-Ausschüttung.

Symptome
Die vielfältigen Symptome treten schleichend auf und werden deshalb vom Besitzer häufig nicht als besorgniserregend wahrgenommen. Das gilt besonders für die Hunde mit nur geringen Veränderungen. Ein Hinweis auf Schilddrüsenunterfunktion sind reduzierte psychische und körperliche Aktivität sowie Fettsucht. Betroffene Tiere suchen die Wärme. 85 % der hypothyreoten Hunde zeigen Hautveränderungen. Dazu zählen ein in der Regel symmetrischer Haarausfall an Körperstamm und Hals sowie trockenes, schuppiges, ungepflegt wirkendes Fell. Die Haut kann dunkel pigmentiert und dicker sein. Auch wiederkehrende Hautinfektionen sind Anzeichen. Bei einigen Hunden sieht man einen unbehaarten Schwanz, den so genannten „Rattenschwanz“. Bei bis zu 25 % der Hunde tritt eine Ohrenentzündung als Folge der Unterfunktion auf. Auch Unfruchtbarkeit sowie Verhaltensproblematiken werden mit einer Schilddrüsenerkrankung in Verbindung gebracht. Manche Tiere sind überängstlich und/oder aggressiv.

Diagnostik
Die Diagnose wird mit Hilfe von Blutuntersuchungen und diagnostischen Tests gestellt. Da die Messung des Hormons Thyroxin tageszeitlichen Schwankungen unterliegt und von Medikamenten beeinflusst werden kann, sollte auch das die Schilddrüse stimulierende Hormon TSH gemessen werden. Ist dieses erhöht, ist die Wahrscheinlichkeit einer Unterfunktion groß.

Zusätzlich kann ein Schilddrüsenstimulationstest Klarheit bringen. Auch die Messung von so genanntem freiem T4 mittels eines speziellen Dialyseverfahrens ist möglich. Bei fraglichen Laborwerten kann die Messung von Schilddrüsenantikörpern als frühzeitiger Indikator für eine Entzündung der Schilddrüse genutzt werden.

Therapiemöglichkeiten
Die Hypothyreose ist mit Tabletten gut therapierbar. Eine Kontrolle ist nach zwei bis drei Monaten nötig. Das Verhalten des Hundes bessert sich schon nach Tagen bis Wochen, die Hautsymptome bessern sich erst nach einigen Monaten.

Kortisolüberproduktion (Morbus Cushing)

Hierbei handelt es sich um eine Hormonkrankheit, die mit einer lang anhaltenden Erhöhung des Kortisolspiegels im Blut einhergeht. Kortisol (das wichtigste Kortison) ist ein körpereigenes Hormon. Es wird in den Nebennieren produziert und ist für eine Vielzahl von Funktionen im Körper verantwortlich. Kortisol wirkt entzündungshemmend, antiallergisch und juckreizstillend. Eben diese Eigenschaften werden therapeutisch genutzt, wenn dem Körper Kortison von außen zugefügt wird. Außerdem wirkt Kortisol auf den Wasser- und Elektrolythaushalt sowie auf Fett-, Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel. Seine weitere Wirkung ist muskelabbauend, während der Körper vermehrt Fett bildet und Wasser einlagert.

Ursache
Die Hirnanhangdrüse stimuliert über die Ausschüttung des Botenstoffes ACTH die Nebennieren zur Kortisolproduktion. Produziert die Hirnanhangdrüse zu viel ACTH, so liegt das an einem gutartigen Tumor dieser Drüse, der für rund 85 % aller Cushing-Fälle verantwortlich ist. Weitere rund 15 % aller Cushing-Erkrankungen werden durch einen Tumor an den Nebennieren ausgelöst. Auch wenn Kortison über einen langen Zeitraum von außen zugeführt wird, kann eine Cushing-Erkrankung entstehen.

Symptome
Die betroffenen Hunde trinken vermehrt und lassen viel Wasser. Zudem haben die meisten Tiere ständig Hunger. Weitere Symptome sind Lethargie, Müdigkeit, Muskelschwund und vermehrtes Hecheln. Im fortgeschrittenen Stadium entwickeln die Tiere einen Hängebauch. Bei Hündinnen kann die Läufigkeit ausbleiben. Nach Monaten bis Jahren folgen Hautsymptome wie wiederkehrende Hautinfektionen und Haarausfall bis zur Kahlheit des Körperstammes, Beine und Kopf bleiben behaart. Dunkle Hautverfärbungen am Bauch, eine pergamentartige, trockene Haut, bei der die Gefäße durchscheinen, ist möglich.

Diagnostik
Vorberichte, klinische Symptome sowie ggf. Veränderungen in Blut und Urin sind hinweisgebend. Für die abschließende Diagnose dient ein spezieller Funktionstest: Der Hund erhält eine kleine Menge synthetisch hergestelltes Kortison. Nach vier und acht Stunden wird der körpereigene Kortisolspiegel gemessen. Fällt der Spiegel ab, funktioniert der Regelkreis, während ein Hund mit einer Cushing-Erkrankung unbeeindruckt vom verabreichten Kortison weiterhin körpereigenes Kortison produziert. Auch eine sonografische Untersuchung der Nebennieren ist möglich.

Therapiemöglichkeiten
Die Therapie zielt darauf ab, den körpereigenen Kortisolspiegel mit Trilostane (Vetoryl) abzusenken Es wirkt hemmend auf das Enzym, welches für die körpereigene Kortisolherstellung notwendig ist. Eine andere Therapie soll bei Nebennierenrindentumoren die hormonproduzierenden Zellen der Nebennierenrinde zerstören. In jedem Fall sind regelmäßige Therapiekontrollen notwendig.

Schilddrüsenunterfunktion oder Morbus Cushing?

Derzeit wird die oben beschriebene Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sehr oder sogar zu häufig diagnostiziert. Bei der Interpretation der Werte muss jedoch bedacht werden, dass sie vielen Einflüssen unterliegen und nicht in jedem Fall eine Schilddrüsenerkrankung vorliegen muss, sondern eben auch ein Morbus Cushing die Ursache sein kann. Ebenfalls können Medikamente (wie z.B. Kortison oder Sulfonamide) die Werte absenken und eine Schilddrüsenunterfunktion vortäuschen.

Fallbeispiel: Der 12-jährige Mischlingsrüde Reno wurde wegen stark erhöhter Trinkmenge vorgestellt. Er war aufgrund eines niedrigen Schilddrüsenwertes bereits mit einem Schilddrüsenmedikament vorbehandelt. Dennoch war der Hund lethargisch, antriebslos und dauernd hungrig. Eine eingeleitete Blut- und Urinuntersuchung war verdächtig für das Vorliegen eines Morbus Cushing. Die Verdachtsdiagnose wurde durch einen speziellen Test bestätigt. Der Hund wurde mit Trilostane behandelt. Sein Trink- und Fressverhalten besserte sich in den nächsten Wochen deutlich und er wurde wieder lebhafter.

Fazit: Hormonerkrankungen können leider nicht auf den ersten Blick diagnostiziert werden und erfordern ein systematisches Herangehen an das jeweilige Krankheitsbild. Die Auswirkungen von Hormonabweichungen auf den Gesamtorganismus sind gravierend und beeinträchtigen die Lebensqualität deutlich. Eine adäquate Therapie kann dem Hund aber zu einem beschwerdefreien und langen Leben verhelfen.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 2/2010
Beitrag und Fotos: Dr. med. vet. Birgitta Nahrgang, Fachtierärztin mit eigener Praxis in Köln, Mitglied der DGVD (Deutsche Gesellschaft für Veterinärdermatologie), Mitglied des Arbeitskreises Dermatologie Westdeutschland

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4 Antworten zu Schilddrüsenunterfunktion und Kortisolüberproduktion

  1. Ulrike Eckert sagt:

    Sowohl die Schilddrüsenhormone als auch das Cortisolsystem beeinflussen auch das Verhalten von Hunden. Verhaltensänderungen sind oft die ersten Anzeichen, aber die Folgen des Ungleichgewichts belasten den gesamten Organismus.
    Andererseits kann schon ein „banales“ Schmerzgeschehen wie eine Arthrose bereits eine Schilddrüsenunterfunktion verursachen – die dann auch wieder verschwindet, wenn die Ursache therapiert wird. Das Futter beeinflusst es, die Herkunft des Hundes, … Und eine ganze Latte von allgemein gebräuchlichen Medikamenten beeinflusst die Schilddrüsenfunktion ebenfalls.
    Hypothyreose scheint tatsächlich eine Art Modediagnose geworden zu sein. Sehr viele Hunde, die ich kenne, erhalten täglich ihre Hormone, ab einem gewissen Alter deutlich mehr als die Hälfte in unserem Hundewald …

  2. Sophie Gerber sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag! Mein Hund wurde letze Woche mit Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert. Natürlich ist eine Krankheit erstmal ein kleiner Schock, aber je mehr ich lese, desto sicherer bin ich, dass es alles doch noch gut wird. Wie lange leben die Hunde nach Diagnose durchschnittlich?
    Vielen Dank und liebe Grüße! Sophie

  3. Jessica sagt:

    Hallo, bei meinem Hund wurde nun auch Cushing festgestellt und wir haben heut mit Vetoryl begonnen. Vor etwa 2 Wochen haben wie mit einem Bluttest auch die niedrigen Werte der Schilddrüse festgestellt und demnach mit Tabletten begonnen. Sollte man diese dann absetzen oder beides parallel geben? Gruß Jessi

  4. Maria Müller sagt:

    Bei unsere Hündin 8,5 Jahre wurde Chusing diagnostiziert durch Urin und Bluttest sie wurde bei 30 Kilo Gewicht mit Anfangsdosis 60mg Vetoryl behandelt. Es ging ihr unter der Behandlung schlechter ihre Haut verfärbte sich dunkel Bauch und alle rasierten Stellen, Bauchgeräusche Schnalzen Hecheln Übelkeit neuer Bluttest ergab Überdosierung . Medikament abgesetzt für 10 Tage, es soll danach mit 10 mg Vetoryl weiterbehandelt werden . Es ging ihr schlecht schlapp Übelkeit und Blut und Schleim im Kot ( abgestoßene Darmschleimhaut aufgrund der Überdosierung) Gras gefressen ohne Ende … nach 2 Tagen geht es ihr besser sie kann auch wieder schlafen . Was macht man jetzt ???? Mein Bauchgefühl sagt mir ein komplettes Blutbild, aber ich weiß es nicht, denke wir sind da so grad noch an einer Addison Krise vorbei gekommen? möchte auf keinen Fall, das es ihr noch mal so schlecht geht. Aufgrund von starker Verfressenheit , Gewichtszunahme und viel Trinken mit viel Urinieren wurde sie auf Chusing getestet. Aber könnte das nicht auch auf die Schilddrüse zutreffen? Morgen geht’s zum Arzt zur Besprechung der weiteren Behandlung.

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