Ernährungshysterie

Ihr Erkennungszeichen: verzweifelt und kreidebleich. Ihre genaue Bezeichnung: ahnungsloser Ersthundebesitzer im Futtermittelmarkt. Wer zum ersten Mal loszieht, um sich die Ausstattung für seinen neuen Vierbeiner zuzulegen, der endet nicht selten mit leeren Händen ratlos zu Hause auf der Couch. Denn das große Angebot der verschiedenen Trocken- und Nassfutterhersteller, viele bunte Verpackungen und Futtereinteilungen wie „Welpe“, „Junior“, „Adult“ und „Senior“ machen es nicht gerade leicht, das richtige Futter für seinen Hund auszusuchen.

Wenn Fütterungsformen die Hundehalter in „eingefleischte“ Lager spalten und neutrale Informationen Mangelware werden.

Zusätzlich gilt es für den überrumpelten Hundebesitzer auch noch die üblichen Marketing-Hürden zu überwinden: Macht „Happy Food“ auch wirklich meinen Hund glücklich? Ist teuer gleich besser? Und kann das „Golden-Deluxe“ auch tatsächlich mehr als der Durchschnitts-Vollkostbrocken? Bei dem ganzen Kampf um Meinung und Markteinheiten wird das Wichtigste eigentlich zur Nebensache: Welche Nährstoffe braucht der Hund in welchem Alter?

Zwölf Fragen – zwölf Meinungen

Wer nach dem Besuch im Tiermarkt „traumatisiert“ ist und Rat bei anderen Hundebesitzern sucht, begibt sich auf ein Mienenfeld und erntet zumeist genauso viele Antworten, wie er Personen befragt. Denn mittlerweile scheint die Form der Hundefütterung Halter in – im wahrsten Sinne des Wortes – „eingefleischte“ Lager zu spalten. Trockenfutter, Nassfutter oder sogar Rohfütterung (Barfen) scheint das eigentliche Kriterium für „gutes Frauchen“ und „schlechtes Herrchen“ zu sein. Dabei spielt es viel eher eine Rolle, ob der Hund in seinen verschiedenen Altersphasen auch die richtigen Inhaltsstoffe für seinen Körper erhält.

Was beeinflusst den Bedarf an Futter?

Als ein Abkömmling des Wolfes braucht der Hund eine Fleischernährung mit pflanzlichen Anteilen. Welpen, Junghunde, Erwachsene und ältere Hund haben altersbedingt einen unterschiedlichen Energie- und Nährstoffbedarf. Aber auch Rasse (Dogge oder Yorkshire-Terrier), Haltung, Erkrankungen sowie das tägliche Maß der Leistung (Hüten, Bewachen, Trächtigkeit) sind maßgebliche Faktoren. Die optimale Nährstoffaufnahme ist in jeder Lebensphase wichtig, denn auch ein Überschuss durch gut gemeintes Zufüttern von Nahrungsergänzungen ist schädlich.

Welpen und Junghundeernährung

Im Alter von 0 bis sechs Monaten gelten Hunde als Welpen und benötigen einen besonders hohen Calcium-Anteil und Eiweiß-Anteil im Futter. Bei einem guten Welpenfutter sollte deshalb der Anteil an beiden Bestandteilen bei mehr als 25 Prozent liegen. Zumeist hat der Züchter oder das Tierheim für die Übergangszeit etwas Futter mitgegeben, an das sich der Welpe gewöhnt hat. Eine Umstellung auf eine andere Sorte kann aber schleichend gestaltet werden. Dazu werden über zwei Wochen hinweg beide Futter mit immer größer werdendem Anteil des neuen Futters gegeben. Denn eine plötzliche Umstellung führt zumeist zu Verdauungsproblemen.

Ab dem sechsten bis achten Monat erfolgt die Umstellung der Fütterung auf zweimal täglich. Bis zu einem Jahr erhalten die Junghunde Welpenfutter. Rassebedingt auch länger, denn bei großen Hunden ist die Wachstumsphase erst mit ca. 2 Jahren abgeschlossen. Danach können die Hunde auf Futter für erwachsene Tiere umgestellt werden. Die Menge des verabreichten Futters richtet sich ebenfalls nach Größe und täglicher Auslastung. Als Ergänzung bieten sich Hüttenkäse und ein Esslöffel Oliven- oder Distelöl an. Darin sind wichtige ungesättigte Fettsäuren enthalten, die vorteilhaft für Haut und Fell sind.

Erwachsener und alter Hund

Wenn Hunde älter werden sinkt zumeist auch ihre Aktivität. Sie spielen und tollen nicht mehr so häufig mit Hunde-Kumpeln, und langsam werden die Spaziergänge kürzer. Dann heißt es: wer sich weniger bewegt, sollte auch weniger essen. Sonst setzt der Vierbeiner Fett an, und das belastet den Körper, besonders Herz und Gelenke. Die Futtermenge orientiert sich immer am Erscheinungsbild. Sind die Rippen nicht mehr fühlbar, muss die tägliche Ration solange reduziert werden, bis der Hund sein Gewicht halten kann. Ein Fettgehalt des Futters unter 18 Prozent ist für einen normal belasteten Hund ausreichend.

Weniger Futter heißt aber nicht weniger Nährstoffe. Ausgewogenheit und mehr Eiweiß für den Senior bietet entweder ein Senior-Futter oder die Zufütterung von Lebensmitteln wie Hüttenkäse, Quark und Joghurt.

Die gute Verträglichkeit des Futters ist ein Muss, denn auch die gesündeste Bio-Kost ist sinnlos, wenn sie Bauchschmerzen verursacht und letztlich in Würfelchenform auf dem Teppich liegt. Ständiger Futterwechsel fördert Unverträglichkeiten. Grundsätzlich sollten nur wenig und im besten Fall keine Farb-, Lock- und Aromastoffe, Konservierungsmittel, Zucker und Geschmacksverstärker im Futter enthalten sein.

Spezialfuttermittel

Bei bestimmten Erkrankungen sind bestimmte Spezialfuttermittel über den Tierarzt erhältlich. Sie sind streng an die Diagnose gekoppelt. In diesem Fall gibt der Tierarzt genaue Informationen. Manchmal empfiehlt sich dann ein Trip ins benachbarte Holland, denn dort sind Medikamente und Spezialfutter zumeist günstiger.

Fazit:
Die Entscheidung, welche Fütterungsart für den eigenen Hund die beste ist, muss jeder Halter selbst treffen. Es gibt sowohl bei Rohfleischfütterung, Naß- oder Trockenfutter gute Argumente dafür und welche, die dagegen sprechen. Bei selbst gekochten Mahlzeiten ist es beispielsweise schwierig, alle Nährstoffe in optimalen Anteilen zu verfüttern. Bei einem Fulltime-Job oder Familie bleibt oft auch nicht die Zeit dazu. Deshalb muss aber die Fertigfuttervariante nicht die schlechtere sein. Zugegeben, Horror-Geschichten über undefinierbare Inhaltsstoffe im Trockenfutter sind grauenvoll, aber spielen im Zuge der industriellen Herstellung von Lebensmitteln nicht immer wieder skrupellose Menschen mit der Gesundheit von Mensch und Tier? Man erinnere sich an BSE und Gammelfleischskandale.

Wenn also jeder es zu seiner Hauptaufgabe machen würde, die Inhaltsstoffe in unserer oder der Tiernahrung aufzuschlüsseln, dann wäre das sicherlich löblich, aber niemand würde mehr einen Bissen herunterbekommen. Wichtig ist, einseitige Ernährung zu vermeiden. Von allem etwas, aber nicht zu viel. In diesem Sinne: Haut rein!

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 2/2009

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Ein Kommentar zu Ernährungshysterie

  1. Ulrike Eckert sagt:

    Hunde sind kein Wölfe, seit zehntausend Jahren und länger nicht mehr. Aber Hunde sind auch keine Pflanzenfresser. Niemand konnte jemals einen Hund beobachten, der am Feldrand Getreide jagt. So überlastet der hohe Anteil an Kohlehydraten/Zucker (aus Getreide, das als Grundstoff billiger ist als Fleisch) in vielen Futtermitteln Bauchspeicheldrüse und Stoffwechsel. Diabetes ist eine Folge – eine Krankheit, die meine Großeltern bei Hunden jedenfalls nicht kannten. Damals bekamen die Hunde die Reste – und waren doch ziemlich gesund. Fast hat man den Eindruck, sie wären damals gesünder gewesen als heute …
    Besonders bei Trockenfutter ist oft sehr viel Zucker enthalten – versteckt. Künstliche Vitamine und Mineralstoffe verursachen oft Probleme durch Überversorgung.
    Es gibt Futter, die so artgerecht wie nur möglich hergestellt werden. Kaltgepresst, oder kalt abgefüllt (Nassfutter). Frei von Konservierungsmitteln und künstlichen Antioxidantien. Ohne künstliche Zusätze, ohne Lock- und Aromastoffe. Dann kann ein Hund tatsächlich wählen kann, ob es ihm schmeckt. Und dann wird es ihm auch guttun.

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