Was kann Ernährung bei einer Futtermittelallergie bewirken?

Für eine Futtermittelallergie bzw. -unverträglichkeit gibt es unterschiedliche Ursachen. So kann z.B. ein Mangel des Darmenzyms Laktase vorhanden sein. Einige erwachsene Hunde können Milchzucker (Laktose) aus Milchprodukten nicht optimal verdauen, was dann zu Durchfall führen kann. Bei einer Futtermittelallergie reagiert das Immunsystem des Hundes auf Eiweißmoleküle, dadurch können Haut- oder Darmprobleme beim Tier auftreten.

Symptome: Wenn das Futter juckt

Allergische Reaktionen können an unterschiedlichen Körperbereichen Symptome hervorrufen: Juckreiz kann nur die Haut betreffen. Durch Kratzen oder Lecken wird sie zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen, sodass es zu Infektionen mit Bakterien oder Hefen kommen kann. Meist sind Pfoten, Achseln, Leistengegend und die Ohren betroffen. Oft zeigen Hunde lang andauernde Ohrentzündungen, die über Monate behandelt werden müssen. Allerdings ist das Auftreten einer Futtermittelallergie eher selten, viel häufger ist die Ursache von chronischen Hautproblemen durch Milben, Flöhe, bakterielle Infektionen, Hefen, Hautpilze, einer Allergie gegen Gräser und Pollen und hormonellen Störungen bedingt.

… und Dünnpfiff verursacht

Es kann beim Hund aber auch nur der Darmtrakt betroffen sein mit Anzeichen von chronischem Durchfall, teilweise auch Erbrechen und Blähungen. Oftmals ist der weiche Stuhl mit einem richtigen Schleimfilm überzogen. Dies kann ein Hinweis auf eine Dickdarmentzündung sein. Beim Auftreten einer unregelmäßigen Schleimhülle auf dem Kot sollte der Halter ein Fütterungstagebuch führen, das dann Aufschluss darüber geben kann, welche Futtermittel in den vergangenen 12–24 Stunden gegeben und somit nicht vertragen wurden. Weicher Kot könnte auch eine Infektion mit Giardien, Bauchspeicheldrüsenerkrankung, vermehrte Gabe von nicht weich gekochten Kohlenhydraten oder ein zu hoher Anteil schwer verdaulicher Proteine (viele Kauartikel) verursacht werden. Bei manchen Tieren treten gleichzeitig sowohl Hautsymptome als auch Darmprobleme auf.

Bei Durchfall Fresspause notwendig

Allergie auslösend sind meist größere Eiweißmoleküle von verschiedenen Fleischsorten wie z. B. Rind, Huhn, Pute, Lamm, Kaninchen usw., aber auch Milchprodukte, Getreideeiweiß in Nudeln, Haferfocken, Backwaren, Eiern oder Fisch. Dagegen können Zusatzstoffe wie Farbstoffe, Antioxidantien oder Konservierungsstoffe nicht alleine eine Allergie auslösen, sondern nur verstärken, da die Molekülgröße dieser Stoffe zu klein ist, um vom Immunsystem alleine angegriffen zu werden. Man kann über die Entstehung einer Futtermittelallergie nur spekulieren. Eventuell könnte die Ursache ein Durchfall bedingt durch eine andere Ursache wie z. B. Viren, Bakterien oder Parasiten sein. Wenn in dieser Zeit des Durchfalles vom Tierbesitzer „durchgefüttert“ wurde, können Futterbestandteile durch die gestörte Darmschranke wandern. Schließlich kommen Eiweißbausteine im Darmtrakt mit Immunzellen des Organismus in Kontakt, der mit einer Antikörperbildung auf dieses Eiweiß reagieren kann. Um eine Allergie zu vermeiden, sollte ein Tier deshalb bei Durchfall mindestens 24 Stunden nichts zu fressen bekommen. In dieser Zeit regenerieren sich die Darmschleimhautzellen so schnell, dass sich die Darmschranke meist erholt, sodass der oben beschriebene Prozess nicht aktiviert wird.

Diagnose: Der Allergie auf der Spur

Hauttests und Blutuntersuchungen haben sich als nicht zuverlässig bestätigt. Wenn der Verdacht einer Futtermittelallergie geäußert wird, sollte das Tier deshalb eine Eliminationsdiät erhalten. Sie besteht aus nur einer Eiweißquelle, die das Tier noch nie gefressen hat (z. B. Ente, Strauß, Pferdefeisch, Elch, Wild), und einer Kohlenhydratquelle wie Hirse oder Kartoffeln. Neben selbst gekochten Allergiediäten gibt es auch Fertigdiäten. Ein nicht Ansprechen auf eine Fertigdiät bedeutet nicht, dass keine Allergie beim Tier vorliegt. Es kann auch nur bedeuten, dass das Allergen (dies ist ein Eiweiß, der die Allergiesymptome auslöst) in der Fütterung noch nicht beseitigt worden ist. Oft werden Fettquellen z. B. tierisches Fett, Fisch- oder Maiskeimöl verarbeitet, die Eiweißspuren enthalten können. Ebenso können bei kommerziellen Fertigprodukten durch den Herstellungsprozess Allergene entstehen. Dieses Phänomen wäre eine Erklärung dafür, warum z.B. eine selbst gekochte Lamm-Reis-Diät (wird meist getrennt zubereitet) vertragen wird, eine kommerzielle Reis-Lamm-Diät jedoch in manchen Fällen nicht zum gewünschten Erfolg führt.

Selbst „isst“ der Koch

Bei einer selbst gekochten Allergiediät muss darauf geachtet werden, dass nach spätestens 8 Wochen alle Nährstoffe entweder über eine passende Mineral-Vitamin-Mischung oder natürliche Ergänzungen ergänzt werden, da die Tiere auf Dauer bei reiner Fleisch- und Kohlenhydratfütterung eine Mangelernährung haben. Bei Jungtieren muss innerhalb von 2 Wochen passend mineralisiert werden, ansonsten kann es zu Skelettproblemen führen.

Nix als Futter

Egal ob selbst gekocht oder kommerzielle Allergiediät, das Tier darf in diesen 8 Wochen nichts anderes zu Fressen bekommen. Nichts heißt nicht keine Kauartikel, Kräuter, Öle oder Vitaminpräparate. Denn alle diese Dinge können eine Allergie auslösen. Lachsölkapseln bestehen z. B. aus Gelatine (häufig vom Rind oder Schwein), Vitaminpasten können Milchpulver enthalten oder kommerziellem Mineralfutter werden Getreidestärke mit Gluten bzw. tierische Nebenerzeugnisse als Geschmacksträger beigemischt. Folgende Futterbelohungen sind z. B. möglich, wenn die Diät aus Lammfeisch und Kartoffeln besteht: kleine gebratene oder getrocknete Stücke aus Lammfeisch, Lammohren, gekochte Kartoffeln, selbst getrocknete Kartoffelchips, Spezialkekse auf Basis von Kartoffelfocken. Individuelle Futteranweisungen und Informationen werden vom Tierarzt bereitgestellt.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 2/2012
Beitrag: Dr. Natalie Dillitzer, Fachtierärztin für Tierernähung und Diätetik, Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung Kleintiere, www.futtermedicus.de

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