Die helfende Hand zum „hundherum“ Wohlfühlen

Hund bei chiropraktischer BehandlungDie Chiropraktik ist eine sehr alte Heilmethode und gehört zum Bereich der manuellen Therapie. Sie ist heute ein wichtiger Teil der klassischen (ganzheitlichen) Tiermedizin geworden und bietet alternative Erklärungsansätze für Erkrankungen. Der Begriff Chiropraktik kommt aus dem Griechischen und leitet sich ab von „mit der Hand arbeiten“, denn bis auf wenige Ausnahmen untersucht und behandelt der Chiropraktiker seine „Patienten“ ausschließlich mit den Händen.

Es war einmal in Amerika …

Der Ursprung der Chiropraktik liegt in Amerika. Ihr Begründer war Daniel David Palmer (geb. 1845). Nach einem erfolgreichen Adjustment (Einrichten eines Wirbels) im Nackenbereich des tauben Hausmeisters Harvey Lillard am 18. September 1895 konnte dieser wieder hören. Palmer prägte den Begriff der Chiropraktik und gründete 1897 eine Schule, die auf seiner Arbeit basierte, das Palmer College der Chiropraktik (Davenport, Iowa). Die Techniken dieser Lehre wurden später von seinem Sohn B. J. Palmer weiter entwickelt und auch bei Tieren angewandt.

Befreiung von Blockaden

Im Zentrum der chiropraktischen Behandlung steht die Lokalisierung und Beseitigung von Beweglichkeits- und Funktionsstörungen aller Gelenke des Körpers, hauptsächlich aber der Gelenke der Wirbelsäule. Gelenke können in ihrer normalen Beweglichkeit eingeschränkt sein. Schon kleinste Fehlstellungen und Blockaden verändern den Informationsfluss im Nervensystem. Leistungsminderung, Muskelverspannungen und Schmerzen bis hin zu inneren Krankheiten können die Folgen sein.

Hund bei chiropraktischer BehandlungBei einer Blockade (= chiropraktische Subluxation) besteht eine funktionelle Fehlstellung eines Wirbels bzw. die Einschränkung der Beweglichkeit seiner Zwischenwirbelgelenke. Dadurch kommt es bei dem betroffenen Tier zu einer so genannten Schonkörperhaltung und zu Schonbewegungen, mit denen es versucht, Schmerzen zu mindern und den Körper zu entlasten. Dadurch wiederum entsteht eine verstärkte Belastung anderer Wirbelsäulenabschnitte oder Gelenke. Die chiropraktische Behandlung korrigiert die Blockade und stellt dadurch die funktionelle Fehlstellung der Wirbel und die Beweglichkeit der Gelenke wieder her. Dies erfolgt durch einen schnellen, kurzen Impuls, der mit den Händen oder Fingern direkt am Wirbelkörper ausgeführt wird.

Das einheitliche Körpergefühl kehrt zurück …

Bei chronischen Beschwerden sind meist mehrere Behandlungen über einen längeren Zeitraum erforderlich, während bei akuten Problemen die Tiere oft schneller auf die Therapie ansprechen. Nach erfolgreicher Therapie können die Beweglichkeit und die volle Funktion aller Gelenke des Körpers wiederhergestellt und der Informationsfluss im Nervensystem harmonisiert werden.

Ergänzung zur traditionellen Tiermedizin

Die Chiropraktik steht damit nicht in Konkurrenz zur traditionellen Tiermedizin, sondern ist eine in vielen Gebieten optimale Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten und Ergänzungen zur schulmedizinischen Behandlung. Fachgerecht angewendet leistet sie einen wertvollen Beitrag zur Steigerung und/oder Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit Ihres Tieres und fördert damit auch sein allgemeines Wohlbefinden.

Was hat er nur?

Zeigt Ihr Hund vielleicht eines der nachfolgenden oder auch andere auffällige Bewegungskonforme Symptome, besprechen Sie sich mit Ihrem Tierarzt und ziehen Sie eine chiropraktische Behandlung in Erwägung. Sie kann hier sehr hilfreich sein.

Folgende Symptome können auf mögliche Blockaden Ihres Hundes hinweisen:

  • Akute Nacken- und Rückenschmerzen (Hexenschuss)
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Bewegungsunlust
  • Unwilligkeit Treppen zu steigen oder auf erhöhte Plätze zu springen
  • Schmerzäußerungen bei bestimmten Bewegungen bzw. Bewegungsabläufen oder beim Hochheben
  • Unspezifische Lahmheiten, Pass-Gang, schleppender Gang
  • Schmerzen bei bestimmten Bewegungsabläufen oder beim Hochheben
  • Überempfindlichkeit bei Berührung
  • Unregelmäßig abgeschliffene Krallen
  • Liegen immer auf der gleichen Seite
  • Veränderte Sitzposition (sog. „Puppy Sitting“)

Die Einsatzmöglichkeit der Chiropraktik bei Kleintieren:

  • Wirbelsäulentraumata (nach vorheriger röntgenologischer Abklärung)
  • Spondylose
  • Halswirbelsäulensyndrom (HWS)
  • Diskopathie (Dackellähme, nach vorheriger röntgenologischer Abklärung)
  • Leckekzeme
  • Bestehende irreversible Veränderungen wie HD, Arthrosen, Ischias Neuralgie
  • Wiederkehrende Analdrüsen- und Ohrenentzündungen
  • Inkontinenz (evtl. hervorgerufen durch eine Blockade der Lendenwirbelsäule)
  • Hyperästhesien und Parästhesien
  • Unspezifische Lahmheit
  • Optimierung der Leistungsfähigkeit bei Sport- und Diensthunden durch die Behebung von Blockaden
  • Geriatrische Patienten

Erfolgreiche Patientengeschichten

„Aki“, eine rüstige Golden Retrieverhündin kam zu mir mit ein paar altersbedingten arthrotischen Veränderungen (Gelenkverschleiß) und hatte an einem ihrer Vorderläufe ein Leckekzem. Bereits nach der ersten chiropraktischen Behandlung zeigte sich „Aki“ wieder mobiler und auch das Ekzem bildete sich langsam zurück. Die Hautveränderung schien im Zusammenhang mit der Wirbelsäule zu stehen und könnte sich durch das so genannte „Ameisenkribbeln“ erklären. Ein menschlicher Wirbelsäulenpatient kann irritierende Empfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle seinem Arzt beschreiben, ein Hund leider nicht.

Und dann der Labradorrüde „Alada“, er hatte sich beim Spaziergang an der Wirbelsäule verletzt und konnte sich nur noch mühsam bewegen. Seine Haustierärztin behandelte den orthopädischen Notfall und entdeckte dabei eine Erhöhung in der Wirbelsäule. Zur Sicherheit wurde in einer Tierklinik eine Magnetresonanztomographie (MRT) vorgenommen, um einen Bandscheibenvorfall auszuschließen. Nach der Akutphase empfahl die Haustierärztin dann eine chiropraktische Behandlung, bei der ich die anatomische Wirbelstellung wiederherstellen konnte. „Alada“ geht es heute wieder gut.

Das sind nur zwei von vielen Hunden, denen durch die Chiropraktik geholfen werden konnte. Dabei sprechen die Tiere bei akuten Problemen oft schneller auf die Therapie an. Bei chronischen Beschwerden sind meist mehrere Behandlungen erforderlich und Geduld ist angesagt.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 3/2010
Beitrag: Marion Schineller, praktische Tierärztin und Chiropraktikerin in Meerbusch, seit 2008 von der International Academy of Veterinary Chiropractic zertifiziert, Mitglied der International Veterinary Chiropractic Association (IVCA), Fotos: Nadine Gerlach – www.hundefotografie.de

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1 Antwort zu Die helfende Hand zum „hundherum“ Wohlfühlen

  1. Dies war ein faszinierender Artikel, weil ich nicht wusste, dass es chiropraktische Behandlungen für Hunde gibt oder dass sie funktionieren. Aber nachdem ich Ihren Artikel gelesen habe, verstehe ich, warum er hilfreich sein könnte. Wenn Sie einige der Blockaden lösen und dem Hund helfen können, sich besser zu fühlen, als ich es mir vorstelle, dann muss es zu seiner allgemeinen Gesundheit beitragen.

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