Tier-Casting – der Beginn einer langen Karriere?

Jedes Casting dient dazu, den richtigen Darsteller für die gesuchte Rolle zu finden. Ob für Film, Bühne oder Foto, nur einer passt auf den speziellen Charakter. Das gilt für Frauen, Männer, Kinder und auch für die lieben Vierbeiner – pardon, natürlich auch für Vögel, Spinnen und sonstiges Getier.

Aber was passiert eigentlich bei einem so genannten Tier-Casting, was muss der Liebling für Voraussetzungen mitbringen und kann das der Beginn einer erfolgreichen Karriere sein? Wir fragten die Tierfotografin Eva Nimtschek. Sie sucht selbst regelmäßig nach passenden haarigen Models für Kundenaufträge.

Frau Nimtschek, immer öfter werden so genannte Castings für Hunde angeboten. Worum geht es dabei eigentlich?

Eva Nimtschek: „Bei einem Casting werden die talentiertesten und fotogensten Modelle gefunden und mit allen Daten, Merkmalen und Fotos archiviert. Modell- und Tieragenturen können so bei Anfragen von Fotografen oder Regisseuren die Kontakte vermitteln. Wir haben eine eigene Tierkartei, die regelmäßig gepflegt und aktualisiert wird. Überwiegend haben wir natürlich Hunde.“

Werden nur Rassehunde zugelassen?

Eva Nimtschek: „Natürlich gibt es immer mal Aufträge mit vorgegebenen Rassewünschen des Kunden. Aber grundsätzlich sind die Ausstrahlung und der Trainingsstand viel entscheidender. Die Rasse spielt da keine Rolle. Wir suchen also alle!“

Gibt es Altersbeschränkungen?

Eva Nimtschek: „Wenn wir junge Hunde oder Welpen suchen, gehen wir natürlich speziell auf die Suche nach dieser Altersgruppe. Meist sind dann spezielle Rassen oder die Größe vom Auftraggeber vorgegeben. Auch ältere Hunde werden gesucht, z.B. mit bereits grauen Schnauzen. Entscheidend ist dann, dass sie gesund und fit sind und sie die Studioaktion nicht stresst.“

„Reicht „nur süß“ aus oder welche Voraussetzungen muss mein Hund idealerweise mitbringen, damit er eine Chance auf Erfolg hat?

Eva Nimtschek: Besonders „Süß“ oder „Selten“ kann in manchen Fällen auch reichen, aber in der Regel sollen alle Hunde die Grundkommandos einwandfrei und auf Entfernung umsetzen können. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Arbeit mit (auch durch den Clicker) trainierten Hunden besonders stressfrei und erfolgreich für alle Beteiligten ist. 

Voraussetzung ist ein Hund, der Spaß an kleinen Aufgaben hat. Mit jedem Besitzer werden im Vorfeld die Anforderungen an den Hund besprochen und gemeinsam entschieden, ob er diese leicht umsetzen kann. In manchen Fällen arbeiten wir zusätzlich mit Hundetrainern.“

Kann ich meinen Hund gezielt auf ein Casting vorbereiten?

Eva Nimtschek: „Grundvoraussetzung sollte sein, dass der Hund Spaß am Modeln hat. Das bedeutet auch, dass er fremde Menschen und eine neue Umgebung mag. Da sollten Herrchen und Frauchen absolut ehrlich zu sich selbst sein und nicht den eigenen Ehrgeiz im Auge haben. Sind dann Kommandos erlernt und auf Entfernung abrufbar, sollte Hund bestimmte Posen oder Haltungen halten können, bis sie vom Trainer/Besitzer aufgehoben werden. Übungen zu Hause und in fremder Umgebung können da helfen.“

Was, wenn mein Hund „genommen“ wird? Wie geht es dann weiter?

Eva Nimtschek: „„Genommen“ heißt, wir speichern die Kontaktdaten der Besitzer mit den Angaben zum Hund. Der Hund bekommt mit den am Casting angefertigten Fotos eine so genannte „Sedcard“ mit den Vermerken zu seinen Einsatzmöglicheiten. Zum Beispiel steht da: – kann besondere Tricks wie… apportiert Gegenstände,- schwimmt gerne,- mag besonders Kinder“. Bei Kundenanfragen suchen wir aus unserer Kartei die passenden Modelle raus und senden deren Sedcards zur Auswahl. Die Favoriten werden für den speziellen Auftrag angefragt, die Aufgabe wird besprochen und der Termin abgestimmt. Evtl. wird ein Termin bei einem Hundetrainer vereinbart, der die Vorbereitung betreut.“

Mit welchen Erwartungen kommen die Tierbesitzer zum Casting und wie realistisch sind die? Kann man mit Hund als Werbestar tatsächlich „viel Geld“ machen?

Eva Nimtschek: „Die meisten freuen sich einfach, wenn ihr Hund einmal als Werbeträger zu sehen ist. Sie erwarten nicht unbedingt die große Starbesetzung. Einige wissen beim Shooting schon, was sich ihr Hund von dem Taschengeld kaufen wird. Reich wird man durch seinen Hund ganz sicher nicht und es sollte deshalb auch immer ein Spaß bleiben.“

Wie ist das Modelleben für den Hund? Werden Vorkehrungen getroffen, dass es hundegerecht auf einem Shooting zugeht und der Hund nicht überfordert wird?

Eva Nimtschek: „Durch die Castings wissen wir im Vorfeld, welche Aufgabe wir welchem Hund geben können. Nach einer Vorbereitungszeit ist die Umsetzung einer Szene für den Hund zu Hause wie im Studio Routine. Vor Beginn erschnüffelt der Hund das gesamte Studio, während Besitzer, Kunde und Fototeam einen Kaffee trinken und das weitere Vorgehen besprechen. So macht er sich mit der Umgebung vertraut. Man arbeitet nur so lange, wie der Hund aufmerksam mitmacht. Zwischendurch hat der Hund Pause und kann sich entspannen, während wir das Bildmaterial sichten und evtl. Korrekturen vornehmen. Zusätzlich ist Ruhe am Set Pflicht, denn zu viele Geräusche lenken den Hund ab und die Chancen auf den richtigen Moment für das Foto sinken. Wenn wir merken, dass das Tier keinen guten Tag hat, brechen wir eben ab. Wir sorgen also dafür, dass der Hund Spaß hat und gerne wieder mit seinem Besitzer kommt.“

Was empfehlen Sie Hundebesitzern, die ihren Hund beim Casting vorstellen möchten?

Eva Nimtschek: „Sie sollten überlegen, den Hund gut auf die ausgeschriebenen Anforderungen vorzubereiten und die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben, denn eine Aufnahme in unsere Tierkartei bedeutet keine garantierte Buchung. Die Wahl der Fotomodelle trifft letztendlich unser Kunde.“

Wann ist ihr nächstes Casting?

Eva Nimtschek: „Die Castings starten im kommenden Jahr auf den Hundeveranstaltungen. Über unsere Homepage kann man sich mit seinem Hund aber jederzeit anmelden oder Fotos schicken. Noch in diesem Winter werden wir persönliche Einladungen zu einem Casting in unserem Studio versenden. Marion Hussong und ihre Trickdog-Vermittlung bereiten in meinem Studio an Wochenenden fortgeschrittene Trickser auf Fotoshootings vor, erläutert Situationen, Probleme, Trainingslösungen und beantwortet alle Fragen.“

Termine und Infos finden sich unter www.tierfotostudio.de

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 4/2009
Foto: Eva Nimtschek

Dieser Beitrag wurde unter Recht & Gesellschaft abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Tier-Casting – der Beginn einer langen Karriere?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.