Hornhaut – Fenster des Auges

Eine gesunde durchsichtige Hornhaut hat eine glatte und durch den Tränenfilm stets feuchte Oberfläche, die etwa ein Viertel der Augoberfläche bildet und als Fenster für den Lichteinfall auf die Netzhaut dient. Eine einwandfreie Hornhaut ist für die optimale Sehfähigkeit des Hundes unerlässlich.

Beim Hund besitzt die Hornhaut eine größere Brechkraft als beim Menschen und ist somit sehr stark an der Regulierung der Sehschärfe beteiligt. Leicht können Hundeaugen beim Stöbern in Büschen, beim Buddeln, durch Raufereien, Fremdkörper oder Stacheldraht verletzt werden. Um Narbenbildung und damit Trübung der Hornhaut sowie eine Beeinträchtigung der Brechkraft durch Stufenbildung zu vermeiden, müssen Hornhautdefekte stets schnell und optimal vom fachkundigen Tierarzt versorgt werden.

Wie ist die Hornhaut beim Hund aufgebaut?

Sie ist 0,5-1 mm dick und besteht aus vier Schichten. Die innerste Schicht nennt man Hornhautendothel (1), dann folgen die Descemet’sche Membran (2), das Hornhautstroma (3) und als äußerste Schicht das Hornhautepithel (4). Dieser äußersten Schicht liegt der Tränenfilm (5) auf. Er ernährt die Hornhaut und schützt sie vor Austrocknung. Die Hornhaut enthält normalerweise keine Blutgefäße und kein Pigment, aber vor allem in den äußeren Schichten viele Nervenfasern und -zellen. Daher sind oberflächliche Hornhautverletzungen auch schmerzhafter als tiefe.

Ist bei Verletzungen nur das Epithel betroffen, so erfolgt eine Heilung innerhalb von zwei bis drei Tagen. Eine Heilung des Stroma dauert länger und geht meist mit einer Trübung der Hornhaut durch Narbenbildung einher. Perforierende, d. h. durch alle Schichten reichende, Hornhautverletzungen werden zunächst durch das austretende und dann gerinnende Kammerwasser verklebt, bevor es zur Auffüllung des Defekts mit Epithelzellen und folgender Neubildung der weiteren Zellschichten kommt, normale Heildauer etwa 19 Tage. Hornhautdefekte lassen sich in Verletzungen und Geschwüre einteilen und können zur besseren Darstellung mit einem grünen Farbstoff (Fluoreszein) angefärbt werden.

Hornhautverletzungen

Sehr kleine, punktförmige Hornhautverletzungen werden nur medikamentös, also mit antibiotisch und schmerzlindernd wirkenden Augentropfen und bei größerer Infektionsgefahr systemisch mit über den Körper wirkenden Antibiotika und Schmerzmitteln behandelt. Dabei ist darauf zu achten, dass z. B. ein dornförmiger Fremdkörper nur die Hornhaut und nicht auch die Linse verletzt hat. Augensalben sollten bei tieferen Hornhautverletzungen nicht verwendet werden, da die Trägerstoffe der Salben vom Auge nicht vertragen werden. Größere perforierende Hornhautverletzungen (z. B. Katzenkratzer) müssen zusätzlich zur medikamentösen Behandlung so schnell wie möglich operativ versorgt werden. Sie werden unter Vergrößerung mit Hilfe eines Operations-Mikroskops mit sehr dünnen Fäden vernäht.

Hornhautgeschwüre

Hornhautgeschwüre sind flächenförmige Defekte, die mit vermehrtem Tränenfluss, Kneifen der Lider, Lichtempfindlichkeit, vermehrter Durchblutung der Bindehaut, Wassereinlagerung in die Hornhaut und mit durch Schmerzen krampfhaft verkleinerter Pupille einhergehen. Ursachen können Veränderungen der Lider, Fremdkörper, Verletzungen, trockene Augen, Infektionen, Boxerkeratitis oder chemische Verätzungen sein. Es kann dabei zu Einschränkungen der Sehfähigkeit durch Narbenbildung, Verwachsungen von Hornhaut und Iris nach Perforationen, Entzündungen des gesamten Auges, Glaukom (grüner Star) und Schrumpfen des Augapfels und damit Verlust des Auges kommen. Bestehen Hornhautgeschwüre länger, sollten Abstriche genommen und auf Bakterien und Pilze untersucht werden.

Hornhautgeschwüre werden in oberflächliche (epitheliale) und tiefe (stromale) Geschwüre wie Descemetozelen (nur noch das Hornhautendothel und die Descemetsche Membran, die sich nach außen vorwölbt, sind vorhanden) unterteilt.
Beim chronischen Horn- hautepitheldefekt, der auch, wegen seines häufigen Auftretens bei dieser Rasse, Boxerkeratitis genannt wird, haftet das Hornhautepithel nicht richtig am Stroma und es kommt zu spontanen oberflächlichen Defekten. Zur Behandlung wird unter Lokalanästhesie das nicht mehr haftende, abgestorbene Hornhautepithel mit einem Wattetupfer abgetragen. Dann wird mit einer dünnen Nadel punkt- oder linienförmig das Stroma verletzt, um eine Heilung zu provozieren. Antibiotische und atropinhaltige Augentropfen werden zur Behandlung eingesetzt. Unterstützend können zum Schutz der Hornhaut Kontaktlinsen eingesetzt oder eine Nickhautschürze angelegt werden. Dabei wird das dritte Augenlid für ein paar Tage mit dem Oberlid vernäht.

Stromale Hornhautgeschwüre, die sich schnell entwickeln und verschlimmern, werden alle ein bis zwei Stunden mit antibiotischen Augentropfen, die ein breites Spektrum an Keimen abdecken, atropinhaltigen Augentropfen und Kollagenasehemmern, die die Wirkung der Enzyme, die für die Zerstörung der Hornhaut verantwortlich sind, einschränken, und systemisch wirkenden Medikamenten behandelt. Außerdem wird eine Binde-hautlap-penplastik angelegt. Dabei wird mit sehr dünnen Fäden Bindehaut über dem Defekt mit gesunder Hornhaut vernäht. Die Bindehaut füllt den Defekt auf, gewährleistet die Blut-Versorgung und bringt somit Immunkomponenten, systemisch wirkende Antibiotika und Kollagenasehemmer zum Ort des Geschehens. Wenn der Defekt nicht allzu groß ist, bleibt dabei die Sehfähigkeit erhalten und das Innere des Auges kann beurteilt werden. Je nach Form des Defektes kann der Bindehautlappen gestielt sein, eine Brückenform oder einen Halbmond bilden, zirkulär angelegt sein oder bei gut durchbluteten Defekten als Insel auf der Hornhaut befestigt werden.

Descemetozelen, bei denen Hornhautepithel und -stroma bereits zerstört sind, können sehr leicht reißen. Nach einer Perforation tritt Kammerwasser aus und die Iris kann vorfallen. Es kommt zur Infektion des Augeninneren und es besteht die Gefahr von Verwachsungen von Hornhaut mit Iris. Zur Behandlung kann gesunde Hornhaut mit anhängender Bindehaut in den Defekt verschoben und vernäht werden. Wenn Pupillen und Lider nicht mehr auf direkten Lichteinfall reagieren, sollte besser der Augapfel entfernt werden.

Bei allen Hornhautdefekten ist eine optimale tierärztliche Versorgung notwendig, damit die Sehfähigkeit des Hundes so wenig wie möglich beeinträchtigt wird.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 3/2008
Beitrag und Fotos: Stefanie Metzger, Fachtierärztin für Kleintiere / Augenheilkunde, Erkrath

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