Tierschützer in Rumänien

Die Anzahl der geretteten Straßenhunde in Rumänien ist groß und an jedem neuem Tag können sich mehr Vierbeiner glücklich schätzen, durch die Unterstützung von engagierten Tierschützern noch am Leben zu sein. Gleichzeitig wächst aber leider auch die Anzahl der getöteten Hunde und aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage in Rumänien, wird sich an diesem Zustand auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Die politischen Rahmenbedingungen in dem osteuropäischen Land machen die Arbeit der Tierschützer nicht leicht, da es jeder Gemeinde, und daher jedem Bürgermeister, selbst überlassen ist, wie er mit dem Thema „Straßenhunde“ verfährt. Eine Einschätzung zur Lage zum Schutz von Hunden in Rumänien gibt Karina Handwerker, Mitglied im Verein Freundeskreis Bruno Pet, in ihrem folgenden Artikel.

Schwierige Gesetzeslage

Das derzeit gültige Gesetz in Rumänien erlaubt das Töten von Straßenhunden und gibt den organisierten rumänischen Hundefängern eine umfassende Macht über das weitere Vorgehen, denn diese erhält ihre Aufträge von der jeweiligen Gemeinde, ohne dass ihre Aktionen in irgendeiner Form kontrolliert werden. So werden zum Beispiel nach unseren Informationen häufig Hunde eingefangen, die sehr wohl einen Besitzer haben, die auch bereits kastriert und zur Kennzeichnung mit einer Ohrmarke ausgestattet wurden. Oder aber es werden Hunde gefangen und in eine andere Gemeinde gebracht, um dort erneut abzukassieren. Die vielfach als Argument genutzte Angst der Bevölkerung vor aggressiven und gefährlichen Straßenhunden ist natürlich nicht ganz von der Hand zu weisen, allerdings sieht es gerade in Gegenden, wo Tierschutzvereine seit Jahren aktiv sind und mit den Kommunen vor Ort zusammenarbeiten, oft anders aus.

Tierschutz hilft bei der Probem-Lösung

In den Gemeinden mit aktiver Tierschutzarbeit und Kastrationsprojekten hat sich der Bestand an Straßenhunden um ein vielfaches reduzieren lassen, und die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber diesen Hunden steigt. So arbeitet der Verein Freundeskreis Bruno Pet nun schon seit vielen Jahren mit einem rumänischen Tierschutzverein in Mircurea Cuic zusammen und unterstützt ein Tierheim vor Ort. Die Tierschützer arbeiten dabei in einem Netzwerk mit verschiedenen Organisationen, unter anderem auch mit dem Tierärztepool, zusammen und versuchen, den Tierschutz und die Kastration aller Tiere – auch der privat gehaltenen Tiere – als Lösung der Straßenhunde-Problematik, in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen. Vorrangiges Ziel ist es dabei, den Bestand an Straßenhunden durch die Kastration und Adoption von Hunden in Rumänien zu reduzieren und damit eine langfristige Lösung, die auch von der Politik und den Bürgermeistern unterstützt wird, zu finden.

Großer Einsatz vor Ort

Machbar ist das nur mit großem persönlichen Einsatz direkt vor Ort. Bei Bruno Pet leisten diesen Einsatz zwei Frauen, die sich dem Tierschutz und insbesondere der Akzeptanz der Straßenhunde verschrieben haben. Beide arbeiten eingebettet in ein Netzwerk aus Tierschützern, die diese Arbeit von Deutschland aus unterstützen und den Einsatz in Mircurea Cuic möglich machen.

Die Tierschützerinnen im Tierheim kommen so direkt mit den alltäglichen Erfordernissen sowie Hindernissen in Kontakt und können so ein unverfälschtes Bild der Situation weitergeben. Sie kennen die Tiere aus eigener Erfahrung, wissen welcher Hund zu wem passt und können so Zusammenstöße weitestgehend vermeiden. Außerdem knüpfen sie Kontakte um Quarantäne- und Krankenstationen aufzubauen und einen Arbeitsplatz für den Tierarzt zu schaffen. Die Tierschützerinnen können zudem Ansprechpartner benennen und die Entwicklung in der Gemeinde beobachten. Diese Informationen sind wichtig und garantieren eine gezielte Arbeit.

Ziel ist Akzeptanz und Unterstützung von Seiten der Landespolitik

Das große Ziel ist die Akzeptanz der Hunde in den Gemeinden durch eine konstante Tierschutzarbeit. Konstanz würde man sich auch von der rumänischen Regierung wünschen, die durch Gesetzgebungen immer wieder ein paar Schritte rückwärtsgeht. So gehört das Gelände des Tierheims in Mircurea Cuic nur teilweise der Einrichtung selbst. Auf dem Rest wird das Heim nur toleriert. Diese unsichere Situation macht eine weitere Planung der Aktivitäten schwer.

Doch das Handeln der Hundefänger ist nicht nur bei den Tierschützern in der Kritik. Auch die rumänische Bevölkerung sieht deren Handeln mit Skepsis, da das Vorgehen mit einem großen Geschäft verbunden ist. Die Hundefänger kassieren nämlich für jeden eingefangenen und „wie auch immer entsorgten“ Hund eine Prämie. An diesem Geschäft verdienen viele Beteiligte so gut, dass sie keinerlei Interesse haben, an dieser Situation etwas zu ändern. Der Weg muss deshalb über die Öffentlichkeit gehen, da die Steuerzahler letztlich für dieses Vorgehen bezahlen. Und dies, obwohl das Kastrieren und Wiederaussetzen oder Adoptieren von Hunden eine humane und dauerhaftere Lösung mit sich bringen würde.

Ein weiterer Aspekt der derzeitigen Politik ist ein „Straßenhundetourismus“: Privatleute sammeln aus Mitleid Hunde und bringen diese in Nachbargemeinden mit aktiver Tierschutzarbeit. Dies ist nachvollziehbar aber auch Wasser auf die Mühlen der Hundefänger, die argumentieren, dass die Kastration der Hunde noch keine Minderung der Population mit sich bringt. Momentan versuchen viele Tierschutzvereine, wie auch Bruno Pet, die Situation durch die Vermittlung von Hunden ins Ausland erträglicher zu machen. Diese Transporte werden jedoch nicht als Lösung angesehen, sondern dienen mehr dazu, der Gemeinde eine „elegantere“ Verringerung der Hunde auf den Straßen anzubieten. Dies hat auch dazu geführt, dass sich die Gemeinden wieder mehr „kümmern“: Sie unterstützen das Tierheim und tolerieren die Arbeit des Vereins. Zudem dürfen kastrierte Straßenhunde, zumindest auf privatem Gelände vor Ort, wieder in ihrem Gebiet ausgesetzt werden.

Doch was zieht man nun als Schluss aus diesen Erlebnissen? Tierschutzarbeit ist mühsam und von kleinen Schritten des Erfolges geprägt. Es ist ein Balanceakt auf vielen Bühnen, da sich die Rahmenbedingungen dauernd ändern und die langfristige politische Perspektive hin zu einem gesetzlich verankerten Schutz der Straßenhunde noch nicht gesichert ist. Deshalb ist es für alle Tierschützer wichtig, dass sie bei ihren Projekten auf eine langfristige Unterstützung vor Ort und auch aus Deutschland zählen können.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 4/2013

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