Impfen gegen Leishmaniose

Die Leishmaniose ist eine weltweit bei Mensch und Tier vorkommende Infektionserkrankung, die durch die Sandmücke übertragen wird. Das Verbreitungsgebiet sind die Tropen, das östliche Afrika, aber auch das bevorzugte Urlaubsgebiet der Deutschen, der Mittelmeerraum. Hier sind stellenweise bis zu 80 Prozent der Hunde mit Leishmaniose infiziert. Je nach Ausprägung, kann die Erkrankung zum Tod führen. Seit ungefähr einem Jahr gibt es jetzt eine Impfung gegen Leishmaniose, die auf den Erreger abzielen soll. Im Interview mit Nippers erklärt Tierärztin Dr. Ulrike Hanten, wie sich die Infektionskrankheit bei Hunden äußert, wie die Heilungschancen sind und wie sinnvoll die Impfung gegen Leishmaniose ist.

Frau Dr. Hanten, welche Symptome zeigt ein Hund, der an Leishmaniose erkrankt ist?

Dr. Ulrike Hanten: „Die Symptome sind ganz unterschiedlich. Die ersten Anzeichen, die sich häufig bemerkbar machen, sind plötzlich auftretende Fieberschübe und auch Magen-Darm-Symptome, wie Appetitlosigkeit, Durchfall und Gewichtsverlust. Oft sieht man Veränderungen an der Haut, wie offene Stellen oder das Tier verliert sein Fell. Häufig kommt es zu Brillenbildungen um die Augen, zu übermäßiger Verhornung auf der Nase und vermehrtem Wachstum der Krallen. An den Augen können sich schwere Entzündungen entwickeln und zur vollständigen Erblindung führen. Auch die inneren Organe können betroffen sein. Je nach Region ist die symptomale Ausprägung der Infektionskrankheit noch einmal unterschiedlich, da in den Endemiegebieten unterschiedliche Erregertypen vorherrschen.“

Wie wird Leishmaniose behandelt und ist die Krankheit heilbar?

Dr. Ulrike Hanten: „Für Leishmaniose gibt es keinen einheitlichen Therapieplan. Die Behandlung hängt dabei immer von der Schwere der Erkrankung ab. Neben der Bekämpfung der Leishmanien, muss auch eine symptomatische Behandlung durchgeführt werden. Beispielsweise wenn ein Hund durch Erbrechen und Durchfall geschwächt ist, wird er mittels einer Infusionstherapie, die ihm entsprechend Flüssigkeit zuführt, stabilisiert. Für die eigentliche Leishmanienbekämpfung gibt es verschiedene Therapieansätze. Die Injektionstherapie mit Antimonpräparaten behandelt das Tier, auf die Schwere seiner Erkrankung abgestimmt, über mehrere Wochen.

Es gibt aber auch den Therapieansatz, bei dem die Präparate intravenös während einer Infusion verabreicht werden müssen. Sie bewirken, dass ein Großteil der Leishmanien im Körper des Hundes abgetötet wird. Leider erreichen sie nicht das vollständige Abtöten aller Erreger, sodass man sagen muss, dass Leishmaniose nicht heilbar ist. Die Antimon-Präparate sind in Deutschland in der Regel nicht erhältlich und müssen über die internationale Apotheke importiert werden. Je nach Gewicht des Patienten und Therapiedauer macht das die Behandlung recht kostenintensiv. Im Anschluss wird zumeist noch oral mit einem recht günstigen und in Deutschland erhältlichen Präparat aus der Humanmedizin über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten, teilweise aber sogar lebenslang, behandelt.
Einige Tiere, die nur in der Blutprobe Leishmaniose positiv getestet wurden, werden ausschließlich Oral behandelt. Hier gehen die Meinungen der Mediziner allerdings auch auseinander. Das Immunsystem mancher Hunde, die mit den Leishmanien Kontakt hatten, ist nämlich durchaus in der Lage, diese so weit zu kontrollieren, dass die Tiere nie erkranken. Das kann man aber nicht voraussehen, weil die Krankheit sowohl nach einigen Wochen des Kontaktes mit der Sandmücke ausbrechen kann, oder aber erst nach Jahren. Viele Hunde können sehr lange symptomfrei mit Leishmaniose leben, Hunde die unter einer schweren Ausprägung leiden, schweben allerdings in Lebensgefahr, denn die Leishmaniose kann zu Nierenversagen führen und das ist dann unweigerlich das Ende.“

Seit gut einem Jahr gibt es nun die Impfung gegen Leishmaniose. Können alle Hunde geimpft werden?

Dr. Ulrike Hanten: „Grundsätzlich werden immer nur gesunde Hunde geimpft, die an keiner Infektionskrankheit leiden. Vor der Leishmanioseimpfung ist es ratsam eine Blutuntersuchung zu machen, insbesondere bei Hunden, die sich möglicherweise bereits infiziert haben könnten. Wenn diese Hunde positiv im Blut getestet wurden, sollten sie nicht geimpft werden.

Zwar hat der Impfstoffhersteller hierzu nach eignen Angaben auch Studien durchgeführt, wonach keine der positiv getesteten Hunde nach der Impfung erkrankt sind. Dennoch wird nicht empfohlen, diese Hunde zu impfen.

Junge Hunde sollten mindestens sechs Monate alt sein. Die Grundimmunisierung gegen Leishmaniose erfolgt mit drei Injektionen im Zeitraum von sechs Wochen. Das sollten Hundehalter bei der Urlaubsplanung bedenken. Danach wird eine jährliche Wiederholungsimpfung empfohlen. Die Verträglichkeit der Impfung ist sehr gut.“

Ist die Impfung gegen Leishmaniose 100 Prozent sicher?

Dr. Ulrike Hanten: „Eine Impfung ist nie 100 Prozent sicher. Der Impfstoffhersteller hat nach eigenen Angaben Hunde, die in den Endemiegebieten nur im Freien leben und geimpft wurden über zwei Jahre beobachtet und untersucht. Hier sind 93 Prozent der Hunde nicht an Leishmaniose erkrankt. Bei der Kontrollgruppe, die nicht geimpft war, sind in dem selben Zeitraum 27 Prozent der Hunde erkrankt. Ich denke, die Impfung ist eine Möglichkeit, seinem Hund mehr Schutz vor der Infektion zu geben. Aber nur um im Süden ein paar Wochen Urlaub zu machen, würde ich das Risiko nicht eingehen und den Hund lieber in Deutschland unterbringen. Zudem lauern in den südlichen Ländern für die Tiere ja durchaus mehrere Gefahren in Form von Infektionserkrankungen, die von Mücken und Zecken übertragen werden. Die Leishmaniose ist nur eine davon.“

Wie kann man den Hund zusätzlich vor den Überträgern der Leishmaniose schützen?

Dr. Ulrike Hanten: „Wenn es sich nicht vermeiden lässt, den Hund mit in die Endemiegebiete zu nehmen, dann empfiehlt es sich zusätzlich zu der Impfung, vor der Sandmücke zu schützen. Man weiß genau, dass diese winzige Mücke genau eine Stunde nach dem Sonnenuntergang bis eine Stunde vor dem Sonnenaufgang aktiv ist. In dieser Zeit sollte der Hund deshalb drinnen sein. Das Licht von Glühbirnen lockt die Sandmücken an, daher sollte man auf Energiesparlampen umstellen und so die Räume von den Sandmücken frei halten. Zusätzlich sollten unbedingt Spot-On-Präparate zum Schutz vor Insekten auf den Hund aufgebracht werden. Aber Vorsicht, nicht jedes gängige Präparat gegen Flöhe und Zecken, schützt auch gleichzeitig gegen diese Insekten. Der oder die Haustierärztin weiß da welche Mittel geeignet sind.“

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 4/2013
Dr. Ulrike Hanten, Tierärztin in Düsseldorf Unterbach, www.tierarzt-unterbach.de
Das Interview führte Burga Torges, Hundetrainerin in Düsseldorf, www.hundeart.com

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