Haut – und Fellprobleme in Verbindung mit Fellwechsel?

Viele Hundebesitzer kennen das leidige „Haaren“ im Zusammenhang mit dem saisonalen Fellwechsel im Frühjahr. Tatsächlich existieren erhebliche Unterschiede in der Ausprägung des Haarzyklus je nach Rasse des Hundes und Typ des Haarkleides. Manche Hunde zeigen einen sichtbaren und saisonabhängigen Fellwechsel, andere wechseln kontinuierlich und ständig ihr Haar unabhängig von der Jahreszeit. Ein typisches Beispiel stellt der Labrador Retriever dar, der häufig ständig große Mengen an Haaren verliert und den Staubsauger seiner Besitzer auf eine harte Probe stellen kann. Aus dermatologischer Sicht ist Fellverlust erst dann als krankhaft einzustufen, wenn im Zusammenhang mit dem Haaren kahle Stellen entstehen, weil die verlorenen Haare nicht durch neue ersetzt werden.

Auffälliges Haaren kann physiologisch normal sein

Zahlreiche Hauterkrankungen können solche Störungen hervorrufen, dazu gehören unter anderem Mangelernährung, hormonelle Erkrankungen oder bestimmte parasitäre Erkrankungen. Solange jedoch keine kahlen Bereiche im Haarkleid zu finden sind, das Fell seine gewohnte Qualität aufweist und keine auffälligen Störungen im Allgemeinbefinden auftreten, kann auffälliges (und lästiges!) Haaren physiologisch, also völlig normal sein. Demzufolge existieren auch keine Erkrankungen, die allein durch den puren Fellwechsel ausgelöst werden.

Flöhe treten häufig im Frühjahr auf

Mehrere Hauterkrankungen des Hundes können insbesondere im zeitlichen Zusammenhang mit dem Fellwechsel (Frühjahr) zu Beschwerden führen. Ein zunächst banal erscheinendes, häufig aber unterschätztes und sehr lästiges Problem stellt Flohbefall dar. In Europa existieren 70 verschieden Floharten, von denen die wenigsten streng wirtsspezifisch sind. So hat z. B. der Mensch, das Kaninchen, das Huhn oder der Igel seine eigene Floh-Art. Tierärzte sind jedoch meist mit dem Katzenfloh konfrontiert, der nicht wirtsspezifisch ist und auch gerne Hunde, oder – wenn gerade kein behaarter Hausbewohner zur Verfügung steht – sogar Menschen beißt. Die Problematik bei der Diagnostik kann zunächst der fehlende Nachweis von Flohbefall am Tier, besonders bei allergischen Patienten sein. Flohbefall äußert sich meist durch Juckreiz am hinteren Rücken und an den Leisten. Auch abruptes Umdrehen und Knabbern im Bereich der Rutenwurzel ist ein auffälliges und verdächtiges Symptom.

Da weibliche Flöhe am Tag bis zu 50 Eier ablegen können, die dann vom Tier herabfallen und sich in der Umgebung zu Larven weiterentwickeln, liegt auf der Hand, dass bei der erfolgreichen Bekämpfung dieser Parasiten die Umgebung mit einbezogen werden muss. Auf dem Markt sind zahlreiche Produkte verfügbar, die als Spot-ons (Ampullen), Halsbänder oder Tabletten vor Flohbefall schützen, Flöhe abtöten oder in der Umgebung zur Bekämpfung dieser Schädlinge eingesetzt werden können.

Allergien haben das ganze Jahr über Hochkonjunktur

Allergische Erkrankungen scheinen bei Hunden und Katzen immer häufiger aufzutreten. Schätzungen zufolge leidet heute jeder 10.-15. Patient an einer Allergie. Die atopische Dermatitis (Umweltallergie) kann sowohl nur zu einer gewissen Jahreszeit, als auch ganzjährig zu bisweilen erheblichen und quälenden Beschwerden führen. Bei betroffenen Patienten zeigen sich meist schleichend entwickelnde Hautprobleme mit Rötungen und Juckreiz der Haut. Ungefähr 80% der Tiere erkranken zwischen dem 1. und dem 3. Lebensjahr.

Während der dermatologischen Untersuchung wird ganz besonders auf das so genannte Verteilungsmuster geachtet: An welchen Körperstellen traten die Veränderungen zunächst auf? Haben sie sich weiter ausgedehnt?

Zu den typischen Symptomen gehören Juckreiz am Kopf (Augen, Lefzen), den Achseln und Leisten (Bauchbereich), der Afterregion und immer wiederkehrende Ohrenentzündungen. Zusätzlich lecken und beknabbern sich viele Patienten die Pfoten über ein normales Maß hinaus, wobei Hundebesitzer dies oft als Reinigungsverhalten interpretieren („der putzt sich wie eine Katze“) oder gar denken, ihr Tier hätte Langeweile. Da auch andere Hauterkrankungen wie z.B. Milben- oder auch Flohbefall (s. o.) ähnliche Beschwerden auslösen können, ist es unverzichtbar, diese durch entsprechende Untersuchungen auszuschließen!

Häufig berichten Tierbesitzer von „Grasmilbenallergien“, die durch die Larve der Herbstgrasmilbe Neotrombicula autumnalis ausgelöst werden soll. Tatsächlich kann der Befall mit Herbstgrasmilben zu starkem Juckreiz bei Hund, Katze und Mensch führen und mit einer allergischen Erkrankung verwechselt werden. Es gilt hier aber zu betonen, dass Herbstgrasmilben nur in gewissen Regionen sehr stark verbreitet sind (zum Beispiel im Rheinland) und meist frühestens im Juli auftreten und in den frostigen Nächten (Spätherbst) wieder verschwinden. Dies bedeutet, dass bei Tieren, die bereits im März Symptome entwickelten, der Befall mit diesen Parasiten so gut wie ausgeschlossen werden kann. Herbstgrasmilben können mit bloßem Auge auf der Haut wahrgenommen werden und stellen sich als kleine orangefarbene Pünktchen häufig im Zwischenzehenbereich dar.

Hyposensibilisierung bei Allergien

Die Auslöser einer atopischen Dermatitis können nach Ausschluss aller anderen Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen, durch Allergietests im Blut oder in der Haut ermittelt werden. Fast unmöglich bei Umweltallergien ist die Vermeidung des Kontaktes zwischen Patient und auslösenden Faktoren. Daher wird in vielen Fällen, wie beim Menschen nach Ermittlung der auslösenden Allergene zur Durchführung einer Hyposensibilisierung (Allergen-spezifische-Immuntherapie) geraten. Diese Behandlungsmethode führt leider nicht bei allen Patienten zum gewünschten Erfolg, erwirkt aber dennoch bei 50-60 Prozent der behandelten Tiere die Besserung der Symptome. Allergien sind nicht heilbare Erkrankungen, aus diesem Grund ist eine sorgfältige dermatologische Untersuchung, der Ausschluss anderer Erkrankungen sowie ein durchdachtes, auf den Patienten und die Möglichkeiten des Besitzers zugeschnittenes Behandlungsprotokoll unerlässlich.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 1/2014
Beitrag: Dr. med.vet. (I) Astrid Thelen, www.kleintierinternisten.de, www.tierklinik-neandertal.de
Bild: Mushy, Fotolia.com

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