Hunde zu „lesen“, ist ein Muss für alle Halter

Wer vorgewarnt ist, kann sich besser auf eine Situation einstellen und gezielt reagieren. Das gilt besonders für Hundebegegnungen. Deshalb ist es ein unverzichtbares Muss für jeden Hundehalter, seinen eigenen Hund und Hunde generell, „lesen“ zu können. Denn wenn Herrchen oder Frauchen seine Sprache nicht verstehen, kann es im alltäglichen Umgang mit dem Vierbeiner zu Missverständnissen kommen.

Hunde kommunizieren untereinander mit vielen Signalen wie der Ohren- und Rutenstellung, Knurren, Bellen und der dazu gehörigen Körperhaltung. Deshalb weiß der Hund schon früh, wie beispielsweise der entgegenkommende Artgenosse ihm gesonnen ist. Damit ist er aber leider oft der Einzige im Mensch-Hunde-Team. Denn zu seinem Leidwesen wissen seine Menschen häufig immer noch zu wenig über die Sprache ihres vierbeinigen Freundes. Nicht selten enden Hundebegegnungen deshalb in einer Auseinandersetzung – auch zwischen den Menschen.

Was Hunde sagen, aber Menschen übersehen

An einer Hundebegegnung sind immer mindestens zwei Tiere, also auch zwei unterschiedliche Charaktere beteiligt. Deswegen ist nicht nur entscheidend, wie der eigene Hund auf Artgenossen zugeht, sondern auch, wie der andere Hund reagiert. „Meiner macht nichts!“ ist deshalb ein Satz auf den man gut und gern immer wieder antworten möchte: „Doch, er kommuniziert, genauso wie meiner!“ Denn trifft beispielsweise ein sozialverträglicher Hund auf einen zwar harmlosen, aber überaus hektischen Artgenossen, kann das unter Umständen dazu führen, dass der sonst so friedliche Vierbeiner, den anderen Hund in seinem Verhalten begrenzen will und ihn sanktioniert. Das muss nicht unbedingt blutig ausgehen, eine Garantie gibt es dafür aber nicht.

Hundekommunikation ist schnell und feinsinnig

Hundebegegnungen gehen auch häufig schief, weil ihre Menschen nicht genau oder auch zu kurz hinschauen. Wenn Rüde Rainer z. B. seinen Gang verlangsamt, sich so groß zu machen versucht wie möglich und auf den Artgenossen zustakst, als hätte er einen Kaktus zwischen den Hinterbeinen, dann kommt er nicht unbedingt in Frieden. Trifft Rainer auf Hündin Heidi, die ihm leichtpfotig und neutral entgegenwedelt, kann er sich entspannen und hoch entzückt um Heidi herumjunksen. Begegnet Rüde Rainer aber dem leicht unsicheren, aber testfreudigen Jungrüden Jaris, der zwar der Höflichkeit halber in einem leichten Bogen auf Rainer zuläuft, im letzten Moment sich aber doch zu einer kleinen feinen Scheinattacke entscheidet und mit drei kurzen Bellern auf Rainer zuschießt, kann diesen das unheimlich provozieren und dazu veranlassen, Jaris kurzerhand zu sanktionieren. Ist Rainer ein souveräner Rüde, dann reicht es ihm, den Jungrüden zahnlos in seine Schranken zu weisen. Oder hat Rainer selbst eine gute Show hingelegt und ist im Grunde seines Herzens selbst unsicher und reagiert daher umso härter? Sieht Jaris eine Chance, Rainer zu besiegen oder gibt er nach?

Jede Hundebegegnung ist anders und individuell zu beurteilen. Natürlich hat auch das Verhalten der Menschen einen Einfluss auf die Hunde. Um zu lernen, Hunde richtig lesen zu können, empfiehlt es sich, den eigenen Vierbeiner ausgiebig zu beobachten und auch öfter einmal allein seine Artgenossen im Freilauf intensiv zu studieren.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 1/2014
Beitrag: Burga Torges, Hundetrainerin in Düsseldorf, www.hundeart.com
Bild: Martina Berg, Fotolia.com

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