Clicker Training – Mehr als nur ein Hilfsmittel zum Erlernen von Tricks

Ist es Zauberei, wenn Tiere in Windeseile komplexe, neue Verhaltensarten erlernen und sie auf Kommando mit sichtlicher Begeisterung ausführen? Es gibt eine Technik, die jeder lernen und nutzen kann. Sie funktioniert bei allen Tieren und sogar bei uns Menschen: das Clicker Training. Clicker Training ist ein Lehren und Lernen, bei dem das gewünschte Verhalten ausschließlich mit positiver Bestärkung erreicht wird. Zwang, Strafen und Gewalt sind niemals Teil dieses Lehr- und Lernsystems.

Kurzes Geräusch – große Wirkung

Den Wissenschaftlern und Verhaltensforschern Iwan Pawlov (1849-1936) und F.B. Skinner (1904-1990) haben wir es zu verdanken, dass wir uns heute im Hundetraining der „klassischen“ – und mehr noch – der „instrumentellen Konditionierung“ bedienen dürfen. Sie fanden heraus, dass ein kurzes Geräusch, dem stets etwas Gutes folgt, schnell zu einem Signal wird, das dem Hund zu verstehen gibt, dass er nach dem Geräusch eine Belohnung erhält. Auf diese Weise entstehen erlernte, sogenannte „konditionierte“ Verstärker. Im Alltag kennt jeder solche konditionierten Verstärker. Denkt man beispielsweise an den Griff in eine knisternde Leckerchen-Tüte. Der Hund weiß bei diesem Geräusch sofort: „Jetzt gibt es gleich ein Leckerchen“. Das Geräusch des Clickers – ein kurzer, knackender, metallischer Laut – bedeutet für den zu trainierenden Hund immer und zu jeder Zeit dasselbe: „Gut gemacht! Du hast Dir genau in diesem Moment eine Belohnung verdient!“ Der markante Laut des Clickers wird durch die stets folgende Belohnung zum indirekten Verstärker des gezeigten Verhaltens. Mit diesen immer wiederkehrenden, kleinen Erfolgen, entwickeln sich Spaß beim Trainieren, eine gute Vertauensbasis sowie eine feste Bindung für Hund und Halter gleichermaßen.

Hilfe bei Krallen schneiden und Augentropfen

Der Clicker erleichtert im Alltag das Antrainieren eines guten Grundgehorsams, weil er es ermöglicht, das gewünschte Verhalten des Hundes ganz präzise zu „markieren“ und direkt danach zu belohnen. Dadurch wird der Clicker zu einem sehr effektiven Trainingshilfsmittel. Da beim Clickertraining nur mit positiver Verstärkung gearbeitet wird, ist es möglich, sich bestimmten, gewünschten Verhaltensweisen, die der Hund bisher nur ungern zeigte oder für ihn mit Angst verknüpft waren, Schritt für Schritt, und Click für Click, zu nähern. Das Schneiden der Krallen, das Verabreichen von Augen-und Ohrentropfen oder emotionale Ausnahmezustände werden besser bewältigt. Wäre es nicht schön, wenn man Hunden mit Worten erklären könnte, dass das Verabreichen von Augentropfen nicht wehtäte, wenn sie einen Moment still und die Augen geöffnet hielten? Dass auch das Krallenschneiden viel schneller und leichter vonstatten ginge, wenn der Hund seine Pfoten ganz entspannt in der Hand ruhen ließe, anstatt sie hektisch wegzuziehen? Konventionelle Versuche dieser Prozeduren führen stets dazu, dass sich der Hund mit aller Kraft gegen sie wehrt und schon beim zweiten Versuch, beim bloßen Anblick der Krallenzange oder der Augentropfenflasche, Reißaus nimmt. Hunde lernen, dass sich Wehren und Weglaufen lohnen, da sie sich damit mehr Distanz zur Krallenschere oder Augentropfenflasche verschaffen. Im Verständnis der Hunde konditioniert man damit ungewollt folgendes Verhalten: Das angsteinflößende Objekt erscheint. Der Hund sucht das Weite, um der Prozedur zu entgehen, und verschafft sich damit mehr Distanz. Konsequenter Weise wird das „Sich-Wehren“ des Hundes von Mal zu Mal stärker.

Jetzt kommt der Clicker ins Spiel. Man fängt mit dem Clicker das gute Verhalten des Hundes ein, solange er sich noch richtig verhält. Man lobt also, wenn die Dinge noch gut laufen. Das gibt dem Hund Vertrauen und Sicherheit. Begonnen wird immer auf dem Lernniveau, auf dem sich der Hund einer Belohnung sicher sein kann. Gibt der Hund freiwillig seine Pfote, ist das schon einen Click und eine Belohnung (C/B) wert. Hält er seine Pfote anschließend eine Sekunde lang ruhig in Ihrer Hand, folgt wieder C/B. Nun streckt man die Zeit, die der Hund die Pfote in der Hand ruhen lässt,jedes Mal ein bisschen mehr, bevor wieder belohnt wird. Bleibt die Pfote selbst dann ruhig in der Hand liegen, wenn man leicht massiert, seine Zehen bewegt und sie dabei untersucht, ist das schon der erste Schritt zu einem erfolgreichen Training. Zieht sich der Hund schon hierbei ängstlich zurück, wird das Lernkriterium geändert und zuerst vertrauensbildende Maßnahmen, wie das Tolerieren von Berührungen an Pfoten und Beinen angewandt. Dem Hund muss immer eine faire Chance auf seinen Erfolg und seine Belohnung ermöglicht werden, um das Lernkriterium dem gewünschten Endverhalten langsam anzunähern. Kleine, wiederkehrende Erfolge geben dem Hund die Chance zu entdecken, dass ganz bestimmte Verhaltensweisen, den Trainer dazu bringen, die Leckerchen herauszurücken. Doch zurück zum Krallen-Schneide-Training: Nun wird die Krallenzange in die Hand genommen. Bleibt währenddessen die Pfote schon ruhig in Ihrer Hand liegen, folgt C/B. Langsam wird nun der Abstand vom gefürchteten Objekt zum Hund verringert. Dabei erlebt der Hund jedoch nur Positives, so dass bereits nach kurzer Trainingszeit emotionale Veränderungen am Tier erkannt werden. Zusammengefasst geht man beim Clicker-Krallenschneiden also folgendermaßen vor: Die Krallenzange in der Nähe der Pfote, bedeutet – C/B,
Die Krallenzange berührt die Krallen – C/B, Die Krallenzange umfasst eine Kralle – C/B, Die Krallenzange knipst ein kleines Stück des Nagels ab – C/B. Der Hund sollte zudem auch überschwänglich für ruhiges Verhalten gelobt werden. Allerdings sollten Halter nicht erwarten, dass gleich beim ersten Trainingsversuch alle Krallen des Hundes gekürzt werden.

Clickern stärkt Vertrauen

Das Tier wird schnell feststellen, dass das Clicker Training Spass macht und es sich lohnt zu „kooperieren“. Denn Verhalten, das sich lohnt, wird immer gerne wiederholt.
Außerdem lernt der Hund durch das Clicker Training, seinem Halter immer mehr zu vertrauen. So wird die Bindung zwischen Halter und Hund von Click zu Click gestärkt. Und da sich das positive Training im Gehirn des Hundes so gut verankert, kann man beobachten, dass sich die Emotionen des Tieres auch in anderen Situationen, die man zuvor antrainiert hat, verändern werden. Gefühlsregungen beeinflussen das Verhalten des Menschen. Auch bei Hunden ist das der Fall. Umgekehrt steuert das Verhalten aber auch die Gefühlslage. So kann man Hunden beispielsweise antrainieren, sich im Beisein fremder Hunde oder anderer Tiere entspannt und adäquat zu verhalten, indem der Besitzer beginnt, entspanntes Sitzen oder Liegen durch langsames Formen des gewünschten Verhaltens unter Kommando zu bringen. Dem Hund wird dadurch wieder viel Erfolg, Spaß und Belohnungen beschert. Vor jeder angestrebten Verhaltensänderung des Hundes, sollte jedoch über das gewünschte Ersatzverhalten nachgedacht werden, das der Hund nach erfolgreicher Änderung zeigen sollte. Wichtig ist auch die Motivation. Es muss für Ihren Hund unbedingt einen größeren Wert haben als sein aktuelles Verhalten. Das Training sollte in kleinen Schritten begonnen werden, der Hund gibt das Tempo vor.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 1/2014
Beitrag: Susanne Ripphahn, Wuff Akademie, die Hundeschule mit Pfiff; Karen Pryor Academy Certified Training Partner, www.wuff-akademie.de
Bild: Daniela Grass

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