Katzenjammer an der Hundehüfte

Würste, Kekse und Selbstgekochtes von Frauchen. Das waren die Highlights für Vierbeiner an den Festtagen im vergangenen Jahr. Dazu noch kürzere Winterspaziergänge und langes gemütliches Rumrollen auf dem Kuschelkissen. Und wenn Herrchen mal einen kritischen Blick auf die Hunde-Taille warf, konnte der noch schnell den Bauch einziehen oder Frauchens Ausrede vom dickeren Winterfell schummelte darüber hinweg, dass da schon lange nichts mehr windhundartig war. Mopsig war da schon eher die treffende Beschreibung. Doch was gut gemeint ist, wird dem Vierbeiner schnell zum Verhängnis. Denn Übergewicht kann bei Hunden zu Herz- und Kreislaufbeschwerden, Gelenkentzündungen und Diabetes führen. Langfristig verkürzt Übergewicht das Hunde-Leben im Schnitt um ein Jahr. Der Speck muss also weg, aber wie?

Dabei sein ist Alles

Wie bei so Vielem, ist es bei Hunde nicht anders als beim Menschen: wer aus Konditionsmangel nicht mitspielt, weil er nicht genauso schnell mit den Kumpels rennen und toben kann und wem es dabei ordentlich wehtut, der hat schließlich keine Lust mehr sich zu bewegen und wird gegebenenfalls sogar gemobbt. Vom fehlenden sozialen Kontakt mit Artgenossen und den daraus resultierenden Verhaltensproblemen einmal abgesehen, auch Spaß hat dieser Hund dann keinen mehr. Gerade für junge Hunde kann das zu einem wirklichen Problem werden. Aber Kondition kriegen die kleinen und die großen Gewichte nicht über Nacht.

Keinen Marathon für Dickerchen

“So, jetzt muss er aber mal rennen….“ – und dann das Pummelchen vor dem Fahrrad hergescheucht, bis die Pfoten glühen. Das ist sicher nicht der richtige Weg. Denn so verbrennt Fiffi zwar viele Kalorien, der Gesundheit hat das aber nur wenig genutzt. Ein übergewichtiger Hund sollte gleichmäßig und langsam ansteigend ausgelastet werden. Schwimmen und zu Anfang viele kürzere Wegstrecken in straffem Tempo sowie langsamere Schnüffel-Spaziergänge sollten sich abwechseln. Denn werden seinen, sowieso schon beanspruchten, Glenken oder auch dem Herz plötzlich Hochleistungen abgefordert, schadet das dem Körperbau in den Organen. Einen übergewichtigen Menschen, der die letzten Jahre keinen Sport getrieben hat, meldet man ja auch nicht von heute auf morgen zum Marathon-Lauf an und erwartet, dass er anschließend schlank wie vor 20 Jahren zur Tür hineinspaziert. Wie heißt es so schön: „gut Ding will Weile haben.“

Nix da „Friss-die-Hälfte“!

Wer nun glaubt, er könne seinem Vierbeiner einfach die tägliche Futterration unbemerkt, und vor allem ungestraft, kürzen, nun, der hat es noch nicht versucht. Denn der darauf folgende vorwurfsvolle Blick wird von Hundegeneration zu Hundegeneration, ganz gleich welcher Rasse und Mischung weitervererbt! Und Recht hat es, das Fellohr. Denn eine Verringerung der Energie im täglichen Futter macht nur Sinn, wenn es mit mehr Bewegung verbunden ist. Sonst dauert das Abnehmen einfach zu lange. Denn realistischerweise kann nicht mehr als ein Verlust von etwa einem Prozent des Körpergewichtes pro Woche angenommen werden. „FDH“ ist im Übrigen nicht nur sehr unbeliebt bei den Vierbeinern, es birgt auch die Gefahren einer Mangelernährung. Denn bekommt der Hund über einen längeren Zeitraum nur die Hälfte seines täglichen Nährstoffbedarfs, kann es zu einer Mangelversorgung an Eiweiß, Mineralstoffen und Vitaminen kommen, und das darf nicht sein. Gespart werden sollte deshalb an den Kohlehydraten/Zucker, die Futtermitteln häufig als günstige Energielieferanten dienen. Diätfutter für Hunde ist übrigens auch nur übergangsweise für die ganz dicken Felle notwendig. Also lieber gutes Futter in den Napf, einen Teil durch Gemüse wie Möhren oder auch Äpfel ersetzen und dann raus an die frische Luft: Bewegen, spielen, Stöckchen holen, Bällchen fangen oder was das Hundeherz begehrt.

Schimpfe kriegen Herrchen und Frauchen

Weil er so lieb guckt, weil sie das Pfoti so schön hebt, weil er ausgesprochen schlau war und sie gerade so wunderbar gehört hat, und so weiter. Die Liste der Gründe, die Frauchen und Herrchen erfinden, um ihrem Hund ein Leckerchen zwischen die Zähne schieben zu können, ist lang. Viele davon sind ein unnötiger und auch falscher Ausdruck von Liebe oder auch der eines schlechten Gewissens. Denn viele Menschen nehmen sich nicht ausreichend Zeit für ihren Hund und schon gar nicht dafür, ihn bei Wind und Wetter draußen zu bewegen. Ist der Vierbeiner dann erst vollgestopft und fettgefressen, will der sich auch nicht mehr bewegen. Ziel erreicht? Nein, so einfach ist das nicht. Die wenigsten Hundebesitzer eines Moppelchens wollen ihrem Hund schaden. Sie haben nur nicht verstanden, dass wenn ein Hund sie auffordernd ansieht oder anstupst, dass er nicht automatisch Fressen haben möchte. Denn meistens möchte er viel lieber Aufmerksamkeit, einen Spaziergang, gestreichelt werden oder spielen. Das alles ist ihm mindestens genauso viel, wenn nicht mehr Wert in der Beziehung zu seinem Menschen als ein schnell runter geschlungenes Stück Hundekecks.

Bewegung, Spiel und Spaß sind die beste Medizin

Hunde brauchen genauso wenig wie Menschen Medikamente, um abzunehmen. Eine angepasste Futtermenge, viel Bewegung und weniger Leckerchen sind die Lösung. Krankheitsbedingtes Übergewicht ist davon natürlich ausgenommen. Bei einem normalgewichtigen Hund sollte man die Rippen und die Wirbelsäule spüren können, jedoch nicht sehen –aber eben auch nicht erst danach wühlen müssen! Außerdem sollte der Hund von oben betrachtet eine deutliche Taille haben. Die Lebensfreude und eine längere Lebenserwartung des vierbeinigen Kameraden sollten Ansporn genug sein, sich danach zu richten. Eine Diät kann nicht grausam sein, wenn sie dazu führt, dass das Wohlbefinden und die Gesundheit des Hundes verbessert werden. Auch wenn seine treuen Augen noch so durchdringend, leidend und vorwurfsvoll schauen: nur ein schlanker Hund ist ein gesunder und damit auch ein glücklicher Hund.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 1/2014
Beitrag: Burga Torges, Hundetrainerin in Düsseldorf, www.hundeart.com
Bild: Willee, Fotolia.com

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