In fremden Revieren

Hundebesitzer sind mit ihren Tieren auf Spaziergängen auch immer wieder im Wald unterwegs, denn in wenig anderen Gebieten gibt es für die Tiere so viel zu entdecken wie auf dem duftenden Waldboden oder im dichten Unterholz. Immer wieder kommt es bei diesen Gassigängen jedoch zu Konfrontationen mit Jägern, die den Hundebesitzern vorwerfen, die Tier- und Pflanzenarten durch ihre freilaufenden Vierbeiner zu gefährden. Meistens stehen sich die Parteien unversöhnlich gegenüber. Das muss nicht sein, meint der Jagdverband Nordrhein-Westfalen.

Hunde im Wald

Die meisten Hundebesitzer werden die Situation kennen: Bello läuft eben noch brav neben einem den breiten Waldweg entlang und ist dann im nächsten Moment hinter einer Tanne und im Unterholz verschwunden, um einem spannenden Geräusch oder einem flüchtenden Hasen hinterherzujagen. Endlich einmal den Jagdtrieb befriedigen und im gestreckten Lauf die Instinkte ausleben. Doch was dem Hund einen Riesen Spaß macht, hat für den Besitzer meist unangenehme Folgen, sollte ein Förster oder Jäger den Ausritt des Vierbeiners bemerken. Die dann folgenden Konversationen sind meistens vom Unverständnis des Jägers über den „Ausritt“ und dem Verteidigen des eigenen Vierbeiners durch den Hundebesitzer geprägt. Für eine Annäherung der beiden Parteien setzt sich seit geraumer Zeit neben Hundebesitzern auch der Jagdverband Nordrhein-Westfalen ein. Dieser zeigt vor allem Verständnis für Herrchen und Frauchen. „In den meisten Fällen wollen die Hundebesitzer ihren Tieren einfach einen angenehmen Auslauf ermöglichen. Darüber, dass sie sich dabei auch in den Lebensräumen von wildlebenden und manchmal auch seltenen Tieren bewegen, sind sich viele vielleicht gar nicht bewusst“, betont ein Sprecher des Verbandes. „Jäger sind aber gesetzlich dazu verpflichtet, Rückzugsmöglichkeiten für alle wildlebenden Tier- und Pflanzenarten in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft zu schaffen und zu erhalten. Werden diese Flächen dann, bewusst oder unbewusst, zum „Gassigehen“ oder Toben mit dem Hund genutzt, gibt es Konfliktsituationen, die für alle Beteiligten unangenehm und nicht nötig sind.“ Der Wunsch, seinem Hund den bestmöglichen Auslauf zu ermöglichen, sei dabei absolut nachvollziehbar und verständlich, denn viele Jäger seien ja auch Hundebesitzer. „Toben und Tollen mit Artgenossen sind dabei aber auch auf den Wegen in Feld und Wald möglich. Hier sollten Hundebesitzer darauf achten, dass sich die Hunde in ihrem Einwirkungsbereich befinden. Wenn dennoch der Wunsch besteht, sich auch einmal abseits des Weges mit seinem Hund zu beschäftigen, kann mit dem zuständigen Jäger besprochen werden, wo dies ohne große Störung der wildlebenden Tiere möglich ist.“ Unternimmt der kleine Vierbeiner dann dennoch mal einen Ausflug in die Wildnis, sollten Hundebesitzern ihren Tieren nicht weiter als etwa dreißig Meter folgen. „Hat man ihn bis dahin nicht aufhalten können, bleibt man am besten am Ort des letzten Kontaktes und wartet auf die Rückkehr seines Hundes. Eine weitere Verfolgung des Hundes würde bei dem gejagten Tier nur zusätzlichen Stress auslösen“, betont der Verbandssprecher. Die meisten Hunde kämen nach einer gewissen Zeit sowieso wieder dorthin zurück, wo sie gestartet sind. Kommt der Hund dann eigenständig von seiner Extratour zurück, darf man ihn laut Verband vor allem nicht strafen. Er würde sonst die Strafe mit dem Zurückkommen, nicht aber mit seiner Ausflug verknüpfen. Sollte die Rückkehr des Hundes längerer Zeit ausbleiben, gelte es den zuständigen Jäger, die Polizei und die umliegenden Tierheime zu verständigen, damit der Hund schnellstmöglich seinem Besitzer zurückgegeben werden kann. Die Angst, dass ein Jäger einen freilaufenden Hund im Wald einfach erschießt, möchte der Jagdverband dabei nehmen. „Einen wildernden Hund erschießen darf auch ein Jäger nur, wenn dies die einzige Möglichkeit ist zu verhindern, dass einem Wildtier ein Schaden durch den Hund zugefügt wird. Jeder Jäger wird zunächst alles versuchen, einen wildernden Hund einzufangen.“

Kurse für Hunde

Um den Hund dazu zu bewegen auf das Wort seines Herrchens oder Frauchens zu hören, bedarf es einer guten Ausbildung des Tieres. „Viele Jäger bieten daher Interessenten aus der nichtjagenden Bevölkerung ihre Unterstützung bei der Grundausbildung ihres Hundes an. Welcher Rasse der Hund angehört, ist vollkommen egal.“ Dabei bestehe auch die Möglichkeit, über die Aufgaben der Jagd ins Gespräch zu kommen und die notwendigen Verhaltensweisen zu besprechen, die es ermöglichen Konflikte zu vermeiden. Diese Angebote werden meist durch Jäger vor Ort organisiert. Über die Internetseite des Landesjagdverbandes (www.LJV-nrw.de) gelangt man auf die Hompages der Kreisjägerschaften in NRW. Die hier benannten Ansprechpartner für das Jagdgebrauchshundewesen können dann den Kontakt zu entsprechenden Kursangeboten herstellen.

Besondere Schonzeiten

Neben den bereits genannten Regelungen für Spaziergänge in Wald und Flur, sind der Frühsommer von Mai bis Juli sowie strenge Winter laut dem Jagdverband besonders sensible Zeiten in der Natur. „Im Frühsommer kommen bei nahezu allen Wildtieren die Jungtiere zur Welt. Im Winter reduzieren die Wildtiere dagegen ihren Stoffwechsel erheblich, um mit dem knappen Futterangebot auszukommen.“ Insbesondere in der sogenannten Notzeit, bei extremen oder lang anhaltenden Eis- und Schneelagen, ist dann jede Flucht laut Jagdverband ein besonderer Kraftaufwand der den Tieren besonders viel abverlangt. Die Tiere bräuchten daher gerade in dieser Zeit besonderer Ruhe. In dieser Notzeit werde auch nicht gejagt.

Auf den Internetseiten www.unser-revier-bruchtorf-ost.de und www.LJV-nrw.de können sich Hundebesitzer über den richtigen Umgang zwischen Tierbesitzern, Jägern und der Natur informieren.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 1/2014
Bild: Bergringfoto, Fotolia.com

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1 Response to In fremden Revieren

  1. Anonymous sagt:

    Ihr schreibt über Tierschutz, gleichzeitig findet man Werbung auf der Rückseite eurer Zeitschrift für Zwinger.

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