Junghunde richtig füttern

Welcher frischgebackene Tierbesitzer möchte dem neuen vierbeinigen Familienmitglied nicht zu einem optimalen Start in das Hundeleben verhelfen? Eine ausgewogene Ernährung gehört dabei unbedingt dazu. Denn die bedarfsgerechte Versorgung mit Energie und Nährstoffen leistet einen entscheidenden Beitrag für das gesunde Wachstum des Junghundes und hilft, Störungen der Skelettentwicklung zu vermeiden.

Rasante Entwicklung bei jungen Hunden

Junge Hunde wachsen schnell heran. Je nach Rasse haben sie ihre endgültige Größe nach acht bis zwölf Monaten erreicht, besonders großwüchsige Rassen nach etwa 18 bis 24 Monaten. Wen wundert es also, dass sie aufgrund dieser Wachstumsleistung einen höheren Energie- und Nährstoffbedarf haben als adulte Tiere oder gar der Mensch (siehe Tabelle 1)? Den größten Wachstumsschub durchläuft ein Welpe in den ersten sieben Lebensmonaten, weshalb hier vor allem die Energie- und Mineralienaufnahme optimal eingestellt sein sollten. Dabei gilt es, sowohl ausgeprägte Unter- als auch Überversorgungen strikt zu vermeiden.

Viel hilft nicht immer viel

So stellt eine Überversorgung mit Energie immer noch den häufigsten Fütterungsfehler bei Junghunden dar. Neben einem überreichen Futterangebot sorgen vor allem zusätzliche Leckereien, Kauartikel oder verabreichte Futtermittel wie frisches Fleisch, Milchprodukte oder gekochte Kohlenhydrate für zu viele Kalorien. Im Gegensatz zu erwachsenen Tieren schlagen sich diese jedoch nicht in überflüssigen Pfunden nieder, sondern beschleunigen das Wachstum in die Höhe. Betroffene Tiere sind darum für ihr Alter häufig zu groß, obwohl sie vom Körperaufbau dünn und schlaksig wirken. Darum sollte die Gewichtsentwicklung eines Junghundes nicht optisch, sondern besser mithilfe einer Wachstumskurve kontrolliert werden. Diese stellt die empfohlenen Körpergewichte in Abhängigkeit von Alter und Rasse dar. Entsprechende Vordrucke sind bei Züchtern, Tierärzten oder Hundeschulen erhältlich. Da der Energiebedarf eines Junghundes neben der Rasse aber auch von vielen individuellen Faktoren abhängt, ist der standardisierten Variante die Verwendung einer individuellenWachstumskurve vorzuziehen. Diese kann von entsprechend geschulten Tierärzten anhand des Geburtsdatums und des zu erwartenden Endgewichts (gleichgeschlechtliches, normalgewichtiges Elterntier) erstellt werden. Es empfiehlt sich, den Junghund einmal wöchentlich vor der Futteraufnahme zu wiegen und das jeweilige Ergebnis in das Diagramm einzutragen. Liegt das aktuelle Körpergewicht mehr als zehn Prozent oberhalb der empfohlenen Wachstumskurve, muss das Futterangebot samt Leckereien und Kauartikeln um etwa zehn bis 15 Prozent reduziert werden. Andernfalls führt das erhöhte Gewicht zu einer Überlastung des noch nicht ausreichend mineralisierten Skeletts und damit zu Schäden an Knochen und Gelenken.

Auf die Dosis kommt es an

Zudem ist auf eine bedarfsgerechte Versorgung mit Kalzium (Ca) und Phosphor (P) zu achten. Diese Elemente werden in das bei der Geburt noch wenig mineralisierte Skelett eingelagertund verleihen den Knochen die erforderliche Stabilität. Für ei-ne gesunde Skelettentwicklung sind sowohl ein Überschuss als auch ein Mangel an beiden Mineralien zu vermeiden.Ersteres tritt beispielsweise bei übermäßiger Knochenfütterung auf, oder wenn speziell auf den Bedarf abgestimmte Juniorfutter unkontrolliert mit Mineralmischungen ergänzt werden. Ein Mangel an Kalzium und Phosphor liegt dagegen zumeist bei selbst zubereiteten Rationen vor, da viele Besitzer den Bedarf des Junghundes an beiden Mineralien unterschätzen und dementsprechend zu wenig ergänzen. Auch die Gabe von Fertigfuttermitteln schützt nicht immer vor Unterversorgungen. Werden diese nicht in empfohlener Tagesmenge angeboten, kann der Nährstoffgehalt nicht mehr ausreichend sein. Die Alleinfuttermittelgabe wird von Tierbesitzern vor allem dann reduziert, wenn die Energiezufuhr bei reichlichem Angebot von Leckereien oder Kauartikeln angepasst oder beispielsweise bei Durchfallerkrankungen Schonkost verabreicht werden soll. Auch die sogenannte Verschneidung, bei der kommerzielle Futtermittel durch selbst zubereitete Zutaten oder verschiedene Ergänzungen „verfeinert“ werden, führt zu einem verminderten Nährstoffgehalt in der Gesamtration.

Bedarf eines Junghundes an Kalcium und Phosphor im Vergleich zum adulten Hund und einem Menschen:

 Kalcium (mg)Phosphor (mg)Kupfer (mg)Zink (mg)Mangan (mg)Jod (µg)
Junghund*
(12 Wochen, 17 kg, Endgewicht 60 kg)
710059006,459,33,3520
Junghund*
(6 Monate, 30 kg, Endgewicht 60 kg)
875073007,972,94,1640
Adulter Hund*
(60 kg)
280021504,343,13,4640
Kind**
(10-13 Jahre)
11008001,0-1,57,0-9,02,0-5,0180
Erwachsener**10007001,0-1,57,0-10,02,0-5,0200

* Bedarf laut NRC, ** Quelle: www.dge.de

Ob der Bedarf eines Junghundes an Kalzium und Phosphor durch das jeweilige Futter gedeckt ist, können Tierbesitzer mithilfe von Futterrechnern selbst ermitteln, die im Internet teilweise kostenlos zur Verfügung stehen (zum Beispiel: www.futtermedicus.de/Ernährungsberatung/Welpe/Calciumrechner). Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass für eine ungestörte Knochenentwicklung nicht nur die absolute Menge an Kalzium und Phosphor entscheidend ist, die der Junghund während des Wachstums aufnimmt. Vielmehr muss auch das Verhältnis beider Mineralien zueinander ausgewogen sein. So sollte das Ca-P-Verhältnis der Ration zwischen 1,3 und ,6 zu 1 liegen.

Rationen richtig berechnen

Eine ausgewogene und hinsichtlich der Energiezufuhr moderate Fütterung leistet somit einen entscheidenden Beitrag zur gesunden Aufzucht von Junghunden. Das unüberschaubare Angebot an Fertigfuttermitteln im Fachhandel erschwert dem Tierhalter jedoch die Entscheidung, welche Produkte den Ansprüchen des kleinen Vierbeiners am besten gerecht werden. Auch geht der Trend zudem vermehrt zu selbst zubereiteten Rationen. Diese erfordern jedoch fundierte Informationen zur richtigen Zusammenstellung. Ob Fertigfutter oder Hausmannskost – grundsätzlich können Junghunde mit jeder Fütterungsmethode bedarfsgerecht ernährt werden, doch sollte dies in jedem Falle überprüft werden. Wer sich unsicher fühlt oder den Rechenaufwand scheut, kann hierfür die Hilfe spezialisierter Tierärzte in Anspruch nehmen. Anhand konkreter Angaben zu Fütterungsmethode sowie Menge und Art der verwendeten Futtermittel wird die jeweilige Ration auf die Gehalte an wichtigen Nährstoffen überprüft und mit wissenschaftlich anerkannten Bedarfswerten verglichen. Dabei finden auch individuelle Faktoren wie Entwicklungsstadium, Haltung oder körperliche Aktivität Berücksichtigung. Die Rationsberechnung stellt somit die sicherste Methode dar, mit der die Nährstoffaufnahme dem Bedarf des jeweiligen Junghundes angepasst und somit eine fütterungsbedingte Fehlentwicklung des noch unausgereiften Skelettsystems vermieden werden kann.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 3/2014
Beitrag: Stefanie Gronau, Dr. Natalie Dillitzer, www.futtermedicus.de
Bild: IVH

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