Die Hundehalter-Couch

Landläufig glaubt man noch, der beste Freund des Menschen sei der Hund. Seit einiger Zeit ist aber zu beobachten, dass eine neue Spezies auf dem Vormarsch ist, diesen Platz einzunehmen: Sie heißt Smartphone! Denn täglich sind Hundehalter zu sehen, die einhändig an einer Hundeleine hängen, sich aber tatsächlich nur auf ihren kleinen Freund am Ohr konzentrieren. Der Hund macht was er will und Mensch wird hin und hergezerrt, Artgenossen werden angepöbelt, alles egal.

Irgendwann wird es Herrchen oder Frauchen aber doch lästig und der Termin in der Hundeschule wird gemacht: „Mein Hund zieht an der Leine, keine Ahnung warum.“

Nein, und natürlich möchte niemand hören, was die Hundetrainerin dann noch versucht, in schön klingende Worte zu verpacken: „Ihr Hund zieht an der Leine, weil sie im Welpenalter mehr damit beschäftigt waren, ihren Facebook-Account zu überprüfen, während sie mit dem kleinen Hund Gassi waren, als sich darauf zu konzentrieren, wie er an der Leine läuft. Nein, leider gibt es kein Codewort, welches das mit einem Schnipp repariert. Leinenführigkeit bedeutet konsequente Arbeit.“ Die durchschnittliche Reaktion des Hundehalters: Große Augen, nervöse Zuckungen und hektisches Pupillenspiel. Dass ist dann der Punkt, an dem man dem Menschen gerne auf die Couch helfen würde, um den Schock zu überwinden.

Ja, Hundeerziehung ist immer auch ein bisschen Selbsterziehung, und es tut auch gar nicht weh. Denn Hundeerziehung findet den ganzen Tag statt. Neben dem ganz normalen Alltag, aber eben nicht nebenbei. Erfreulicherweise regenerieren sich die meisten Hundehalter sehr schnell von ihrem Schock und steigen ins Training ein. Haben sich Hund und Halter erst einmal gut kennen gelernt und die ersten Erfolge erzielt, werden sie schnell zu einem guten Team. Denn wer seinen Hund und sein Lernverhalten in den verschiedenen Altersstufen versteht, kann einschätzen, wie viel Leistung er von seinem Hund verlangen kann. Leinenführigkeit ist dafür ein gutes Beispiel. Niemand sollte von einem Welpen, für den alles ein großes Abenteuer ist, erwarten, schnurgerade an der Leine zu gehen oder sich an das Lauftempo des Menschen anpassen zu können. Aber man kann durchaus schon sehr früh mit kleinen, sanften Korrekturen die Basis für Leinenführigkeit legen und so verhindern, dass dann im Alter von fünf bis sechs Monaten ein kleines Wildschweinchen vor einem herpflügt.

Und so kann es gehen: Welpen sollten ihre Umwelt erforschen dürfen, das ist unverzichtbar für die Gewöhnung an alle neuen und verschiedenen Umweltreize. Dazu empfiehlt es sich, eine dünne fünf Meter Leine an einem Hundegeschirr zu benutzen. (Lange Leinen nie an ein Halsband machen, die Verletzungsgefahr für die Hunde ist immens). Wann immer Fiffi die Leine spannt, bleibt der Mensch konsequent stehen. Dreht der Hund sich verwundert um und lockert so die Leine, erfolgt ein Lobwort. Und es geht sofort weiter. Dabei sollte die Ablenkung möglichst gering sein. Anfangs darf man auch durch ein wortloses Klopfen auf den Oberschenkel, den Hund locken und dann loben, sobald die Leine locker ist. Zusätzlich sollten kleine Übungen gemacht werden, wobei der Hund immer belohnt wird, wenn er sich in der Nähe des Halters befindet. Wer das konsequent einhält, erzielt schnell Erfolge. Wer allerdings unaufmerksam ist und den Hund mal ziehen läst und mal nicht, der macht es seinem Hund unmöglich zu verstehen, was von ihm erwartet wird. Das führt zu Frustration beim Zwei- und auch beim Vierbeiner. Also besser kleine Übungen bei voller Konzentration und die Zeit mit seinem Hund bewusst verbringen, als Missverständnisse später mühsam ausbügeln zu müssen.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 1/2015
Beitrag: Burga Torges Hundetrainerin, www.hundeart.com

Dieser Beitrag wurde unter Psychologie & Erziehung abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.