Die Hundehalter-Couch 2/2015

Wie oft trifft man Hunde, von denen ihre Halter behaupten: „Der hat Angst vor schwarzen Hunden.“,- „Ja, bei Langhaarhunden ist er komisch.“, „Uiii ein Schäferhund! Da da hatter mal ganz schlechte Erfahrungen gemacht.“ Wenn Hunde Angst vor einem ganz bestimmten Phänotyp (Erscheinungbild) eines Hundes haben, dann ist das zumeist auf eine schlechte Erfahrung bei einer Hundebegegnung zurückzuführen. Wenn man aber die Besitzer genauer fragt, dann ist die Ursache für die Angst des Hundes überwiegend nicht geklärt. Denn oft hat der so oft gefürchtete schwarze Hund oder der Schäferhund dem „Angsthäschen“ gar nichts getan, sondern in dem Moment der Begegnung ist etwas Zufälliges, aber Traumatisierendes geschehen. Dann nämlich lässt nicht die Begegnung selbst, der Phänotyp des schwarzen Hundes, Schäferhundes, Langhaarhundes etc. den Vierbeiner vor Angst erstarren, sondern die negative Verknüpfen, die sich mit dem besagten Erscheinungsbild in seinem Kopf festgesetzt hat.

Ein Beispiel: Ein junger Hund trifft auf einen großen schwarzen Hund mit ausgeprägten Stehohren. Die ersten Sekunden der Begegnung laufen ganz gut, sodass die junge Fellnase mutiger wird. Doch gerade als er sich ein bisschen ein Herz fasst und die eigene Nase ein wenig näher in das Fell des Artgenossen drücken möchte, schreit ein Kind fürchterlich laut, ein Radfahrer bremst auf Schotter scharf ab, ein Ast kracht von einem Baum, oder -oder -oder.

Der junge Fiffi erschreckt sich maßlos, will flüchten und rennt weg, der andere Hund rennt hinter ihm her. Nach dem Motto: „Moment mal, wir waren doch noch gar nicht fertig!“ Oder: „Wie? Wir rennen? Ja wohin denn? Warte mal!“ Weil alles mit hohem Tempo passiert, ruft Hundehalter 1 lauthals nach seinem Hund, Hundehalter 2 will sein Angsthäschen retten und schreit…! Und schon hat sich durch das traumatisierende Ereignis im jungen Hundekopf festgesetzt: „Die schwarzen mit den großen Stehohren, denen ist nicht zu trauen. Erst heucheln sie Freundschaft und dann hetzen sie einen fast zu Tode.“

Das stimmt natürlich nicht, aber wie macht man es dem Hund klar? Fakt ist, dass sich viele von diesen Negativerknüpfungen nicht von selbst wieder lösen. Daran sollte gearbeitet werden, damit Hund sein Stresslevel, dem er dadurch immer wieder ausgesetzt ist, langfristig abbauen kann. Denn dauerhafter Stress macht nicht nur Menschen, sondern auch Hunde krank. Das wäre vergleichsweise so, wenn ich mir vorstelle, dass auch nur die leiseste Möglichkeit bestünde, ich würde draußen immer wieder Menschen treffen, die Schlangen mit sich herumtragen!! Mir würden sich mehr als nur die Nackenhaare aufstellen. Und wenn meine Begleiter dann auch noch einfach weitergingen und mich in Schockstarre verharrend, zurückließen – na also Vertrauen könnten die von mir nicht mehr erwarten, soviel ist sicher!
Man sollte den Hund es nicht einfach aushalten lassen, denn solche negativen Verknüpfungen lassen sich lösen, indem man sich und den Hund in „Mini- Dosierungen“ wieder an das Objekt heranführt und letztlich die Begegnung mit dem großen schwarzen Hund mit Stehohren- um bei unserem Beispiel zu bleiben, ins Positive umdreht. Das ist oft langwierig und bedeutet kleinschrittige Arbeit, bei der sich Halter unbedingt von einem erfahrenen Hundetrainer begleiten lassen sollte, aber es lohnt sich für ein langes stressfreies Hundeleben.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 2/2015
Beitrag: Burga Torges, Hundetrainerin, www.HundeArt.com

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