Tierschutz im Urlaubsparadies Calpe

Meeresbrise, Palmen, unbarmherzig scheint die Sonne, und der heiße Sand brennt unter den Füßen. Die idyllische Kleinstadt Calpe an Spaniens Costa Blanca, ist Urlaubsziel Tausender Touristen. Doch während die südländischen Gebiete für Reisende auf der Suche nach einer Auszeit vom Alltag ein Paradies darstellen, ist es um das Wohl der Tiere, ob Hund oder Katze, nicht zuletzt aufgrund der Finanzkrise oft schlecht bestellt. Straßenhunde, Tötungsstationen und die süße Samtpfote als Dauergast im Ferienhaus – es sind diese Gedanken, die wohl jedem durch den Kopf schießen.

35 Jahre aktiver Tierschutz sorgte für Umdenken

Dass diese Bilder zumindest in Calpe nicht mehr der Realität entsprechen, dafür setzt sich seit über 35 Jahren Eleonore Gonzales ein. Bereits im Jahr 1982 gründete die ehemalige Schauspielerin und Sprecherin bei Funk und Fernsehen den Tierschutzverein Calpe-Benissa, errichtete ein Tierheim und rettet seit jeher in Not geratene Vierbeiner, für die sie auf jeglichen Wohlstand verzichtet. Durch ihr Engagement und den vorbildhaften Einsatz für den Schutz der Tiere, sorgt Gonzales in dem kleinen Küstenort erfolgreich für ein Umdenken. „In Calpe wird beispielsweise keinHund mehr nach der Zehn-Tage-Aufbewahrungsfrist eingeschläfert, wenn nicht medizinisch notwendig“, berichtet die Vorsitzende des TSV Calpe-Benissa stolz. Das sei die Bedingung des Tierschutzvereins beim Bau des neuen Tierheims im Jahr 2000 gewesen, ergänzt sie. Zurückblickend auf die grausamen Szenen, die Gonzales einst dazu bewegten, sich für den Schutz der Tiere einzusetzen, ein großer Erfolg. „Ein Schlüsselerlebnis war im Jahr 1975. Beim Joggenam Strand sah ich wie Männer mit einem Lasso und Knüppeln einen Hund einfangen wollten“, erinnert sie sich. Auf der Ladefläche des Transporters der Tierfänger zeigte sich dann ein Bild des Grauens: halb tot geschlagene, winselnde und vor Schmerzen schreiende Hunde. „Damals lebten die Tiere in Calpe noch sich selbst überlassen im Rudel. Entsprechend lagen auch überall tote Tiere, die von Autos überfahren oder vergiftet worden waren.“ Gemeinsam mit einer tierlieben Britin entschloss sich Gonzales, diesen Zustand in ihrem spanischen Wohnort zu ändern. Sie suchten Tierärzte, die sich um die Hunde kümmerten, denn zu jener Zeit gab es keine in Calpe.

Stadt unterstützte die Gründung des Vereins

Sie vermittelten Tiere und bemühten sich mit einem kleinen Stand auf dem Wochenmarkt sowie später zusätzlich in einem Secondhand-Laden, den sie in einem von der Stadt mietfrei überlassenen Raum eröffneten, um Gelder. Mit der Unterstützung ihres spanischen Ehemannes, der ihr bei den Formalitäten half, gründete Gonzales 1982 schließlich den Tierschutzverein TSV Calpe-Benissa, der zu Spitzenzeiten rund 400 Mitglieder zählen sollte. In der Folge stellte die Stadt gar ein Grundstück für ein erstes eigenes Tierheim zur Verfügung, das 2000 durch ein neues ersetzt wurde. „Das neue Tierheim wird nun auch von der Stadt verwaltet, die gesetzlich verpflichtet ist, eine Auffangstation zu haben und alle Hunde von der Straße zu holen, da sie eine Gefahr für den Verkehr darstellen können.“

Finanziell jedoch stemmt der Tierschutzverein viele der Ausgaben selbst. Zumal sich Gonzales verpflichtet hat, regelmäßig Hunde aus dem Tierheim zu holen, damit die kleine Zwingeranlage nicht von „Dauersitzern“ blockiert wird. Rund 35 Fellnasen leben derzeit auf ihrem Grundstück und im Haus – die größte Pflegestelle des Vereins. Dort päppeln Gonzales und zahlreiche internationale, ehrenamtliche Mitarbeiter die abgegebenen oder ausgesetzten Tiere auf, geben ihnen das Vertrauen zu Menschen wieder und versuchen sie in ein Zuhause in Deutschland zu vermitteln. Die Kosten für Tierarztbesuche und Futter stemmt der Verein dabei ausschließlich aus privaten Mitteln der Tierschutzverein erhält keine Subventionen – und dank Ständen auf dem Floh- und Wochenmarkt. „Dort erzielen wir Einnahmen von bis zu 500 Euro wöchentlich. Das kleckert sich zusammen.“

Flugpaten gesucht

Außerdem klären die Tierschützeram Stand Besucher über ihre beachtenswerte Arbeit auf und suchen Flugpaten, die sich zur Verfügung stellen, vermittelte Tiere auf ihrer Reise in ein neues Leben und zu ihrer neuen Familie mit nach Deutschland zu nehmen. Dafür wird die Fellnase im Vorfeld vom Tierschutzverein Calpe-Benissa auf das Flugticket des Paten eingecheckt. „Wir übernehmen im Gegenzug kostenlos den Transport von Mensch und Tier zum Flughafen Alicante“, erklärt Gonzales. „Und in Deutschland werden die Schützlinge direktam Flughafen von unseren Partnern oder den neuen Besitzern in Empfang genommen, die sich bereit erklärt haben, zu jedem deutschen Flughafen zu reisen, um das neue Familienmitglied begrüßen zu können.“ Ein kleiner Beitrag für das Wohl der Vierbeiner, garantiert ohne Kosten und ohne Formalitäten, wie der Tierschutzverein verspricht. Für Gonzales hingegen, die für ihre Pionierarbeit mittlerweile mit einer Ehrenmedaille der Stadt Calpe ausgezeichnet wurde, sind die Tiere zum Lebensinhalt geworden. „Unser Tagesablauf dreht sich nur um die Versorgung der Hunde, Fahrten zum Tierarzt, ins Tierheim und eben zum Flughafen. Außerdem nehmen wir noch Tiere aus anderen Tierheimen in Südspanien auf, wo es leider noch immer Tötungsstationen gibt. Mein eigenes Leben ist dabei auf der Strecke geblieben, die Hunde haben Präferenz“, sagt sie. Und dennoch nimmt das Elend kein Ende. Eine grausame Geschichte über Tierquälerei oder bewegende Einzelschicksale nach der anderen könnte die Tierschützerin erzählen, doch ebenso von zahlreichen rührenden Momenten. Momenten, in denen ein gequältes Tier zum ersten Mal in seinem Leben Liebe und Zuwendung erfährt. Momente, in denen ein einziger Blick der treuen und unendlich dankbaren Hundeaugen das Herz erwärmt. Momente, die zeigen, dass sich die zermürbende Arbeit im Urlaubsparadies lohnt.

Ende des Jahres 2015 erscheint die Dokumentation über Eleonore Gonzalez auf DVD. Das Team von Tiervision.de war eine Woche vor Ort und hat Eleonore Gonzalez bei ihrer Arbeit begleitet. Am 2. und 16. Oktober 2015 erschienen zwei Folgen der Web-TV-Sendung „Pfotenhilfe – Die Tiervermittlung“ beim Web-TV-Sender Tiervision.de aus der Urlaubsstadt Calpe. Claudia Ludwig und Eleonore Gonzalez stellten Vierbeiner aus der spanischen Küstenstadt vor. Beide Sendungen sind jederzeit abrufbar.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 4/2015
Beitrag: Leonie von der Beeck

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