Vier Pfoten im eisigen Einsatz

Wenn irgendwo in den Bergen rund um die bayerischen Städte Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz eine Lawine ins Tal rast, dann kommen die Mensch-Hund-Teams der Lawinenhundestaffel Hochland zum Einsatz. Im Interview mit Nippers erzählt Staffelleiter Andreas Schütz spannende Details über die lange Geschichte der Staffel, konkrete Einsätze und über die Ausbildung von Vierbeinern zum Lawinenhund, die bis zu drei Jahre dauert.

Herr Schütz, können Sie unseren Lesern kurz etwas zur Geschichte der Lawinen- und Rettungshundestaffel Region Hochland erzählen?

Andreas Schütz: Laut unseren historischen Aufzeichnungen ging am 8. März 1945 im oberbayerischen Mittenwald eine Lawine im Bereich der heutigen Skipiste Dammkar ab. Bei dieser Lawine kam es dann zur ersten Aufzeichnung über einen Lawinenhund. Gründer der Lawinenhundestaffel ist Hans Hibler aus Farchant. Dieser machte seine ersten Ausbildungen im benachbarten Tirol. Nachdem es dann immer mehr Interessenten gab, hat man auch im Raum Garmisch mit dem Aufbau einer Staffel begonnen. Die Leitung hatte dort ebenfalls Hans Hibler, der aufgrund seines Wissens auch von anderen Staffeln im gesamten Alpenraum um Hilfe und Rat bei der Ausbildung gefragt wurde. Unsere Ausbildung findet seitdem, mit kleinen Ausnahmen ganz am Anfang, immer im Alpspitzgebiet statt. Zuerst mit Unterbringung auf der Hochalm und seit 2010 auf dem Kreuzeckhaus. Seither sind die Lawinenhundeführer 365 Tage im Jahr, 24 Stunden bereit, um Mitmenschen zu helfen.

Wie setzt sich das Team Ihrer Staffel zusammen?

Andreas Schütz: Meine Staffel setzt sich aus zwei Gebieten, Ost und West, zusammen. Das heißt, das eine Gebiet reicht von Garmisch Partenkirchen bis Bad Tölz und das andere von Bad Tölz bis Brannenburg/Rosenheim. Insgesamt sind es 18 aktive Hundeführer mit unterschiedlichsten Hunderassen.

Auf welches Gebiet erstreckt sich Ihr Einsatzort und welche Hilfe leisten Sie?

Andreas Schütz: Unser Einsatzgebiet erstreckt sich vom Raum Garmisch-Partenkirchen bis nach Brannenburg an der Chiemgauer Grenze. Wir sind dabei zuständig für Vermisstensuchen in der Gebirgsfläche, das bedeutet, abseits der befestigten Wanderwege im Gebirge, und im Winter sind wir dann verantwortlich für die Lawinensuche.

Welche Hunde sind eigentlich für den Einsatz als Lawinen- und Rettungsstaffelhunde geeignet?

Andreas Schütz: Im Grunde genommen, sind alle Hunde, die eine gewisse Größe haben, für diese Arbeit geeignet. Dazu zählen Deutscher Schäferhund, Labrador, Golden Retriever, Husky oder auch Malinois. Die Hunde müssen auch ein entsprechendes Haarkleid haben, um im Winter nicht zu frieren. Vom Charakter her, müssen sie gerne zum Spielen aufgelegt und menschenfreundlich sein. Alle unsere Hunde wohnen als Familienhunde zum Beispiel bei ihren Haltern zuhause.

Wie lange dauert die Ausbildung für Mensch und Tier und wie sieht diese Ausbildung konkret aus?

Andreas Schütz: Die Ausbildung dauert für die Hunde etwa drei Jahre. Die Menschen müssen allerdings erst eine zwei- bis dreijährige Ausbildung zum Bergwachtmann/Frau durchlaufen. Erst dann können die Interessenten bei uns anfragen. Ausgebildet wird im Sommer wöchentlich ca. drei Stunden und im Winter eine Intensiv-Woche, zuzüglich alle drei Wochen einmal am Wochenende. Alle Übungen basieren auf dem spielerischen Lernen mit Belohnung oder Spielzeug. Es ist dabei unerlässlich, dass immer nur kleine Schritte beim Training gemacht werden. Abgeschlossen wird jedes Jahr mit einer Prüfung, um die Einsatzbereitschaft zu bestätigen und zu überprüfen.

Könnten Sie einmal darstellen, wie ein Einsatz der Staffel im Winter aussieht?

Andreas Schütz: Alarmiert wird unsere Staffel über einen sogenannten Funkmeldeempfänger, den die Integrierte Leitstelle auslöst. Bei einer Meldung ‚Lawinenabgang‘ schließen wir uns mitdem jeweiligen Einsatzleiter zusammen. In der Regel ist es dann so, dass uns ein Helikopter abholt, wobei dies entweder von zu Hause erfolgt oder direkt vom jeweiligen Arbeitsplatz des Mitarbeiters. Dies ist natürlich nur möglich, weil wir die Hunde meistens immer bei uns haben. Dann werden wir zur Unglücksstelle geflogen und beginnen sofort mit der Suche nach Verschütteten. Bei einer Anzeige durch unsere Hunde, dass sie etwas gefunden haben, beordern wir eine Schaufelmannschaft zu dieser Stelle, die vorher sondiert worden ist. Sondiert wird im Übrigen an der Stelle, an der der Hund angefangen hat zu graben. Damit wir ein optimales Ergebnis erzielen, achten wir darauf, immer mindestens zwei Hunde, wenn möglich aber noch mehr Tiere, auf die Lawine zu bekommen.

Wie ist es nach Ihrer Meinungum die Vorsicht der Menschen in den Bergen bestellt? Sind die Menschen in der Natur weniger vorsichtig und umsichtig als früher?

Andreas Schütz: Meiner Meinung nach, gehen die Menschen heutzutage leichtfertiger ein Risiko ein. Dies hängt auch mit der immer besser werdenden Ausrüstung der Menschen zusammen. Viele Leute gehen heute auch der Modesportart Skitourengehen nach und meinen dann, es sei das Gleiche, auf der Piste oder im freien Gelände unterwegs zu sein. Dies ist allerdings mitnichten so. Dazukommen dann noch die sehr unterschiedlichen Erfahrungswerte der Menschen und die Gefahren des Geländes hinzu. Sprich, der Sportler sollte einschätzen können, ob der Hang begehbar und zu Queren ist oder nicht. Kann er das nicht, dann wird es oft gefährlich.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 4/2015
Das Interview führte Christian Schweizer

Dieser Beitrag wurde unter Serien & Reportagen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.