Tierschutz unter spanischer Sonne

Schon seit einigen Jahrzehnten ist der Begriff Tierschutz in Spanien kein Fremdwort mehr. Als Tierschützer vor Ort lebt man von den glücklichen Momenten, den geretteten Tieren und den strahlenden Gesichtern der Hunde und Menschen. Doch bis dahin ist es oft ein sehr trauriger und grausamer Weg – eine Aufgabe, für die man geschaffen sein muss. Zu Beginn waren es hauptsächlich Touristen, die sich für das Wohl ungewollter und gequälter Tiere in ihrem Urlaubsort einsetzten. Doch mit den Jahren konnte auch ein gewisses Umdenken in der spanischen Bevölkerung erreicht werden. Immer öfter setzen sich auch Spanier für das Schicksal der Tiere ein. Das Tierheim in Cieza ist ein Beispiel solch einer positiven Entwicklung.

Das Tierheim in Cieza

Die „Protectora Cieza“ wurde als Tötungsstation für 75 Hunde aufgebaut, aber die spanische Tierschützerin Esperanza nahm sich der Station an und pachtete diese von der Gemeinde. Seitdem versucht sie dort ihren Tierschutzgedanken umzusetzen. Dank ihr wurden die Hunde und Katzen in der Station nun nicht mehr einfach getötet. Sie versorgte die Tiere und versuchte für sie ein Zuhause zu finden. Hilfe von der Gemeinde gibt es nicht – ganz im Gegenteil. Die Protectora ist ständig überfüllt, die Zustände sind katastrophal. Sicher ist das Tierheim Cieza kein Vorzeigeobjekt, die Zwinger sind marode, überfüllt und dreckig, die Hunde unterversorgt und teilweise krank. Immer wieder kommt es wegen Futterknappheit zu tödlichen Beißereien in den überfüllten Zwingern, Krankheiten wie Parvovirose können sich schnell ausbreiten. Der Verein Denia Dogs erfuhr vor einigen Jahren von der Protectora in Cieza und den dortigen Zuständen und beschloss zu helfen. Seitdem nimmt der Verein so viele Hunde wie möglich von dort in seiner Auffangstation auf oder bringt sie in spanischen Pensionen und Pflegestellen unter, um sie dann nach Deutschland, Österreich und die Schweiz zu vermitteln und ihnen endlich ein schönes Leben zu ermöglichen. Neben Denia Dogs sind mit den Jahren noch einige weitere deutsche Vereine auf das Tierheim aufmerksam geworden und helfen ebenfalls mit Vermittlungsarbeit und Spenden.

Finanzieller Kraftakt

2013 stand das Tierheim dann fast vor dem Aus. Denn Esparanza,am Ende ihrer Kräfte, hatte den Pachtvertrag nicht mehr verlängert. Gemeinsam mit einigen Vereinen und vielen Spendern konnte jedoch das Unmögliche möglich gemacht werden und mehr als 100 Hunde kurzfristig in Pensionen und privaten Pflegefamilien in Spanien untergebracht, geimpft, kastriert und auf Mittelmeerkrankheiten getestet werden, um dann in Familien oder Pflegefamilien nach Deutschland vermittelt zu werden – eine Rettungsaktion, die Denia Dogs finanziell fast ruiniert hat. Glücklicherweise übernahmen am Ende Esperanzas Töchter den Pachtvertrag. Das Tierheim füllte sich jedoch schnell wieder mit Hunden, die Lage wurde nicht besser. Im September 2015 erreichte den Verein dann die Schreckensnachricht, dass der Pachtvertrag mit Esperanzas Töchtern von Seiten der Gemeinde nicht verlängert werde. Das Tierheim sollte nun an einen gewerblichen Pächter gehen. Schnell wurde klar, dass der Verein nicht noch einmal in der Lage sein würde, ein erneutes Wunder zu vollbringen. Die Ausgangssituation war denkbar ungünstig. Das Ende war sicher, aber wann es soweit sein würde, wusste niemand genau. So hangelten sich Esperanza und ihre Töchter von einermonatlichen Verlängerung des Vertrages zur nächsten. Es fanden sich weitere Vereine, die halfen und Tiere übernahmen. Viele dieser Hunde sind inzwischen bereits erfolgreich vermittelt, genügend befinden sich aber immer noch in Spanien in Pensionen und müssen finanziert werden, bis sie eine Chance auf eine Pflegestelle oder Endstelle bekommen. In der Zwischenzeit kämpft der Verein weiter, damit die Tiere, die auch jetzt immer noch täglich in Cieza abgegeben werden, bis zudem endgültigen Ende in Sicherheit gebracht werden können. Dank unzähliger Notrufe geriet das Schicksal von Cieza immer mehr in die Öffentlichkeit. Die Gemeinde war nun gezwungen, die Pacht des Tierheims ordnungsgemäß auszuschreiben und das Gelände nicht unter der Hand zu vergeben. Da diese Ausschreibung einer gewissen Vorlaufzeit bedarf, wurde der Pachtvertrag bis Ende Februar verlängert. Wer auch immer den Zuschlag für das Tierheim erhält, sieht sich allerdings einer großen Aufgabe gegenüber, denn die Übernahme bedeutet auch eine komplette Sanierung der Anlage, um die Auflagen des Veterinäramtes zukünftig erfüllen zu können, was natürlich mit erheblichen Kosten verbunden sein wird.

Neues Projekt von Denia Dogs

Aber auch Denia Dogs war nicht untätig und konnte ein Hilfsprojekt auf einem verwahrlosten Finca-Areal in Spanien starten. Dort wurden bereits zwei große Zwinger und Ausläufe gebaut. Weitere sollen folgen, so dass schon bald einige Hunde aus Cieza dort untergebracht werden können. Sobald ausreichend Spenden gesammelt sind, kann es auch direkt weitergehen – Stück für Stück.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 1/2016

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