Schleppleine nur am Brustgeschirr

3-16_schleppleineFür viele Hundehalter ist die Wahl, ob sie ihren Hund an das Tragen eines Halsbandes oder eines Brustgeschirrs gewöhnen, reine Geschmackssache. Sowohl Halsband als auch Geschirr bieten die Möglichkeit, eine Leine am Hund zu befestigen und dadurch Kontrolle und Führung auszuüben. Für beide Vorrichtungen gibt es gute Gründe und die passende Einsatzsituation.

Ausschlaggebend für die Entscheidung sollte sein, wie leinenführig der Hund ist. Das ist in der Regel eine Frage des Alters. Welpen beispielsweise laufen gerne zick-zack und ziehen oft unvermittelt an der Leine, weil sie dabei sind, die Welt zu entdecken. Schnell zur Blume… ups! Da liegt eine interessante Plastiktüte … schwubs! Noch schnell hinter dem Schmetterling herhopsen… hoppla! Weil ihr Skelett noch weich und im Wachstum ist, sollten sie in diesem Alter deshalb am besten ein Geschirr tragen. Denn bei einem Brustgeschirr wird der Druck, der durch das Ziehen an der Leine entsteht, insgesamt über eine größere Fläche des Brustkorbes verteilt. Natürlich sollte so früh wie möglich die Leinenführigkeit trainiert werden. Aber das steht außer Frage und soll hier nicht weiter ausgeführt werden.

Nicht jedes Brustgeschirr passt jedem Hund gleich gut. Deshalb sollte beim Kauf unbedingt das Geschirr am Hund angepasst werden. Denn nicht selten schränken schlecht sitzende Brustgeschirre die Bewegung der Schulterblätter ein oder drücken sogar auf die Schultergelenke des Hundes. Außerdem können nicht passende Geschirre unter den Achseln des Hundes scheuern oder Druckstellen verursachen.

Keine Diskussion

Passt das Geschirr gut, dann kann es losgehen mit gesichertem Freilauf. Dort, wo der kleine Hund nicht freilaufen kann, trägt er dann am besten eine Schleppleine. Denn so sehr der Freilauf wichtig für die Entwicklung des Hundes ist, Sicherheit geht vor und auch der kleine Welpe kann zuweilen plötzlich und unverhofft mit einem Affenzahn zu seinem Objekt der Begierde flitzen. Und bei aller Uneinigkeit über Geschirr und Halsband: Die Kombination mit Schleppleine geht alternativlos und ausschließlich mit einem Brustgeschirr. Denn je länger die Leine, desto mehr Geschwindigkeit kann der Hund aufnehmen, um zuletzt mit Karacho in das Leinenende zu brettern. Bei einem Halsband wirkt dieser Ruck nur auf wenige Quadratzentimeter am Hals des Hundes, an dem sich auch wichtige Organe, der Kehlkopf und die Luftröhre befinden.

Salto mit Überschlag

Nicht selten machen Hunde, deren Schleppleine an einem Halsband befestigt wurde, in dieser Situation einen Überschlag und landen dabei mit voller Wucht auf der Wirbelsäule. Denn sieht „Fiffi“ beispielsweise ein Häschen oder einen fröhlich spielenden Artgenossen in einiger Entfernung, rennt er unvermittelt los und setzt dabei eine immense Kraft frei. Ist die Leine dann zu Ende, bekommt er einen ordentlichen Schlag im Halswirbelbereich versetzt, der häufig zu fiesen Verletzungen und in manchen Fällen auch zu Lähmungen führen kann. Dass der Hund überhaupt in die Leine rast, ist im besten Fall natürlich zu verhindern. Die Realität mit einem Welpen oder auch Junghund sieht aber einfach anders aus.

Natürlich bergen auch Schleppleinen so ihre Tücken so dass vor allem unerfahrenen Hundehaltern zu empfehlen ist, sich im Handling von einem professionellen Hundetrainer schulen zu lassen.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 3/2016
Beitrag: Burga Torges, Hundetrainerin

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