Allergien erkennen und behandeln

Bereits aus der Humanmedizin ist vielen Tierbesitzern bekannt, dass die Anzahl von Patienten mit allergischen Erkrankungen wie Neurodermitis, Hausstaubmilben- und Nahrungsmittelallergien in den vergangenen Jahrzehnten drastisch zugenommen hat. Die Ursachen für Allergien sind vielfältig und bis heute nicht bis ins Detail erforscht. Wissenschaftler gehen davon aus, dass neben der genetischen Disposition (Vererbung) auch die zunehmende Umweltverschmutzung, die immer stärker industrialisierte Lebensmittelherstellung und auch übermäßige Hygiene Faktoren darstellen, die zur Entwicklung der Symptome beitragen können. Auch bei Haustieren scheint das Auftreten von Allergien zuzunehmen, man schätzt, dass z. B. heutzutage ca. 10% aller Hunde an einer Allergie erkranken. Obwohl Allergien bei Haustieren in der Regel nicht tödlich sind, handelt es sich doch um chronische, unheilbare Erkrankungen.

Hat mein Hund eine Allergie?

Wie bei den Futterallergien ist das Symptom einer allergischen Erkrankung – von wenigen Ausnahmen abgesehen – chronischer Juckreiz. Typischerweise zeigt dieser sich an bestimmten Stellen auf der Haut, im Fachjargon sprechen wir vom sogenannten „Verteilungsmuster“. Der Tierbesitzer wertet diese ersten Anzeichen – das ständige Jucken des Hundes an Pfoten, Ohren‚ (äußerer Gehörgang), Lefzen, der Region um die Augen, Achseln und Leisten sowie des Afterbereichs oft als „Langeweile“, da das Tier sie fast immer nur bei Ruhe zeigt. Da sich der schleichend stärker werdende Juckreiz auch durch intensives Lecken oder Beknabbern der betroffenen Stellen äußert, werden die Tierbesitzer dann aufmerksam, können aber zu Beginn der Erkrankung keinerlei Anzeichen auf der Haut sehen.

„Tierbesitzer werten ständiges Jucken oft als Langeweile.“

Zu einem späteren Zeitpunkt können dann die sogenannten Sekundärinfektionen das klinische Bild deutlicher und sichtbar machen. Bakterien und Hefepilzinfektionen können nun als Beteiligte der Symptomatik durch spezielle Untersuchungen des Tierarztes festgestellt werden (Zytologie). Allerdings führt die zielgerichtete Behandlung dieser Erreger in vielen Fällen nur zu einer vorübergehenden Besserung: Nach Absetzen der Medikamente kommen die Beschwerden wieder.

Hier ist es von enormer Bedeutung, nach den eigentlichen Ursachen für die wiederkehrenden Symptome zu forschen. Viele betroffene Tiere leiden durch die Erkrankung an chronischem und oftmals immer stärker werdendem Juckreiz, der die Lebensqualität stark einschränkt. Manche Tiere verändern sich durch die quälenden Symptome sogar charakterlich (Apathie, Aggression).

Welche Allergien kommen häufig vor?

Wenn der behandelnde Tierarzt einen gründlichen Vorbericht erhoben hat, alle anderen Erkrankungen ausgeschlossen hat, die ähnliche Bilder auslösen (besonders Parasitenbefall), sollte mit einer allergologischen Aufarbeitung begonnen werden. Neben der Nahrungsmittelallergie kann der Hund natürlich auch an Umweltallergien leiden. Anders als bei Nahrungsmitteln liefern hier Allergietests hilfreiche Informationen über die Auslöser. Es muss in diesem Zusammenhang jedoch betont werden, dass ein Test nie dazu dient, einen zuvor gehegten Verdacht zu bestätigen. Die Diagnose „Umweltallergie“ sollte bereits im Vorfeld gestellt worden sein und der Test nur zur Identifkation der auslösenden Allergene herangezogen werden.

Falls sich im Allergietest positive Reaktionen ergeben, sollte zunächst über eine Vermeidungsstrategie nachgedacht werden, damit der Kontakt des Tieres mit den auslösenden Faktoren gezielt minimiert werden kann. Wenn dies nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich sein sollte, kann der behandelnde Tierarzt den Tierbesitzer über die Durchführung einer Hyposensibilisierung aufklären.

Flohbissallergien (oder Flohspeichelallergien) treten häufg in Verbindung mit oben genannter Umweltallergie auf. Die betroffenen Tiere zeigen häufg Juckreiz und Hautentzündungen am Rücken und in den Leisten. In diesen Fällen kann man durch prophylaktische und therapeutische Strategien den Kontakt des Patienten mit dem Auslöser (Floh) minimieren bzw. vermeiden. Die häufig vom Besitzer vermuteten „Kontaktallergien“ kommen in der Tiermedizin relativ selten vor. Beispiel dazu wären Allergien auf Flohhalsbänder oder Spot-ons sowie auf Futternäpfe aus Plastik oder Metall.

Rassebedingt allergieanfällig?

Grundsätzlich kann jeder Hund eine allergische Erkrankung entwickeln, dennoch werden in der Hautsprechstunde gewisse Rassen häufger als andere mit allergisch bedingten Hautproblemen vorgestellt. Dazu gehören z. B. der Labrador Retriever, der Golden Retriever, Deutsche Schäferhunde, Boxer, Jack Russell und West Highland White Terrier sowie Französische Bulldogen.

Selbstverständlich entwickelt nicht jeder Hund, der zu einer der genannten Rassen gehört, eine Allergie.

Kann ich beim Welpenkauf bereits Anzeichen erkennen?

Beim Welpenkauf hat man meist keine Möglichkeit, bereits Anzeichen für eine solche Erkrankung zu erkennen, da die ersten Symptome in der Regel frühestens mit sechs Monaten beginnen. Man sollte sich das Muttertier zeigen lassen. Da aber das Allgemeinbefnden bei Allergikern fast immer ungestört ist, kann es sein, dass der Laie keine Auffälligkeiten bemerkt. Leider existieren bis heute auch keine genetischen Tests (DNA-Analysen), um bereits beim Welpen festzustellen, ob er in seinem Leben eine Allergie entwickeln wird.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 2/2012
Beitrag und Fotos: Dr. med.vet Astrid Thelen, Tierärztin Köln, Zusatzbezeichnung Dermatologie (TÄK Nordrhein)