Auf Schusters Rappen mit 15 Menschen und 20 Hunden

Wandern ist die Art von Urlaub, die Mensch in jedem Alter und vor allem dem Vierbeiner einen riesen Spaß macht. Den ganzen Tag draußen und die Nase immer im Wind. Wer seinen Wanderurlaub nicht alleine verbringen möchte, der kann mittlerweile auf zahlreiche Angebote von geführten Wanderungen im In- und Ausland zurückgreifen. Ob deutsche Alpenwelt, dänische Strandgefilde oder englische Hügellandschaft: Von dreitägigen Kurztrips bis zum Wochenurlaub kann alles dabei sein. Dabei beträgt das Tagespensum schon mal 25 km und dauert bis zu 8 Stunden. Dabei gilt es für Mensch und Hund, die an einem Wanderurlaub, bei dem bis zu 20 fremde Hunde aufeinandertreffen, teilnehmen möchten, einige Voraussetzungen zu erfüllen.

Wo soll’s hingehen?

Bei der Auswahl des Reisezieles sind natürlich die eigenen Vorlieben ausschlaggebend. Wer mehr als nur Natur mit seinem Vierbeiner erleben möchte, sollte darauf achten, dass das von ihm gebuchte Angebot auch „das Mehr“ erkundet: Neben Spaß daran Natur ausgiebig zu entdecken, sollte auch eine gewisse Neugier auf die dort lebenden Menschen mit ihrer Kultur, ihrer Küche und ihrer Gastfreundschaft vorhanden sein. Dann können auch Ruinen, als stille Zeugen aus vergangenen Zeiten oder Kulturlandschaften und bunte Marktplätze, abseits gelegene Landgasthäuser oder familiengeführte Weingüter eine willkommene Abwechslung bieten. Ob Schweizer Jura, Toskana, Provence, Bodensee, die Mala Fatra in der Slowakei oder die spanischen Pyrenäen – alles ist möglich, aber die Auswahl sollte vorher gut überlegt sein.

Die geeignete Unterkunft & Hundehalterverhalten

Wer im Durschnitt mit 15 Menschen und bis zu 20 Hunden unterwegs ist, sollte gerne auf „Sterne“ zugunsten von Gemütlichkeit und Originalität verzichten. Denn fragt man in den Hotels und Gasthäusern nach 10 Zimmern, leuchten die Augen des Wirtes zunächst. Jedoch verlischt der Glanz sehr schnell, wenn der zweite Satz lautet: „Wir bringen aber bis zu 20 Hunde mit.“ Eine hundefreundliche Unterkunft ist deshalb zumeist etwas abgelegen. Und weil ein gutes Bild bei den Gastgebern hinterlassen werden sollte, gelten in der Unterkunft einheitliche Regeln für Mensch und Hund: So sollten Unterkunft und Umgebung nur mit angeleintem Hund betreten und die Hinterlassenschaften sofort entfernt werden. Während der Mahlzeiten warten die Hunde entweder in den Zimmern oder im Auto. Wie zu Hause auch, werden die Hunde (und Wanderschuhe) vor Betreten der Unterkunft sauber gemacht. Und auch wenn der Vierbeiner es sich zu Hause öfter mal zwischen den Federn gemütlich macht, in (Hotel-)Betten hat er nichts zu suchen! Diese Regeln machen es allen Hundehaltern leichter, in Zukunft von den Hotels ein „Herzlich Willkommen!“ zu hören.

Für wen eignet sich die Gruppenwanderung?

Auch wenn man in der Gruppe unterwegs ist, auf solchen Reisen ist jeder für sich und seinen Hund selbst verantwortlich. Er muss selbst einschätzen können, was und welches Pensum er sich und auch dem Hund zumutet. Die Wanderungen in der Gruppe sind ausschließlich für verträgliche Hunde gemacht. Je nach Anbieter werden aber auch Wanderungen angeboten, an denen „problematische“ Hunde mitlaufen können. Generell sollte der Jagdtrieb aller Hunde kontrollierbar sein, da die Wanderungen durch sensible Bereiche der Natur führen. Läufige Hündinnen können aus verständlichen Gründen nicht mitlaufen. Das sollte bei der Reiseplanung berücksichtigt werden.

Kompetente Reiseleitung kann Erste-Hilfe leisten

Wer eine geführte Wanderreise bucht, darf von der Reiseleitung Kompetenz erwarten. Dazu gehört auch, Spannungen in der Gruppe, ob bei Mensch oder Hund, zu erkennen und zu moderieren! Ortskenntnis und Orientierung, um einschätzen zu können, wie schwierig die täglichen Wanderungen werden, sind zudem ein Muss. Zugegeben: Jeder kann sich einmal verlaufen, aber auch ein Plan B sollte die Gruppe immer sicher ins Hotel zurückführen. Auch sollte die Bereitstellung der Telefonnummern des örtlichen Arztes und des Tierarztes selbstverständlich sein. Eine kompetente Reiseleitung weist eine Ausbildung (inkl. regelmäßiger Auffrischung) in Erster-Hilfe am Hund sowie am Menschen auf.

Außerdem beinhaltet der Tagesrucksack des Tourenführers immer auch Material zur ersten Hilfe. Wer sich nicht sicher ist, ob er oder der Hund für solch einen Urlaub geeignet ist, sollte die Möglichkeit haben, vorab mit dem Reiseleiter zu sprechen. Im Gespräch können Zweifel an der Reise ausgeräumt oder davon abgeraten werden.

Urlaub ja – Erziehung nein!

Urlaub für Mensch und Hund heißt für die Menschen wandern, sich unterhalten und die frische Luft genießen, während die Hunde toben, schnüffeln und ganz nebenbei lernen, mit ihren Energien zu haushalten und in einer großen Hundegruppe zurechtzukommen. Erziehungsübungen und Leistungsdruck haben im Urlaub nichts zu suchen. Die Mensch-Hund-Beziehung wird automatisch gefördert, denn wer den ganzen Tag gemeinsam unterwegs ist erlebt viel und hat abends die einzige Aufgabe, müde in die Federn zu sinken bzw. sich auf der Decke einzurollen. Ziel der Gruppenwanderung ist ein entspanntes Miteinander. Das bedeutet auch, Toleranz zu zeigen, mal „ein Auge zuzudrücken“ und ein bisschen Abenteuerlust mitzubringen.

Ausrüstung für den Menschen:

  • Papiere (Personalausweis, Führerschein, grüne Versicherungskarte)
  • gut eingelaufene, feste Wanderschuhe, evtl. Wanderstöcke
  • Wandersocken, Regenjacke, Regenhose, Windjacke
  • Blasenpflaster
  • Warmer Fleece-Pulli, Schal, Handschuhe, Mütze
  • Kleidung nach dem „Zwiebelprinzip“ (Ausziehen geht immer)
  • Tagesrucksack (Wasserflasche, Obst, Kekse, Müsliriegel, Traubenzucker etc.)
  • Sonnenschutz (Creme, Brille)
  • Fotoapparat, Speicherkarten, Akkus
  • Etwas Bargeld (Landeswährung beachten)
  • Benötigte Medikamente
  • Im Sommer: Badesachen (auch Handtuch)

Ausrüstung für den Hund:

  • Gültiger Heimtierausweis (Einreisebestimmungen beachten!)
  • Halsband, Leine, Futter, Näpfe
  • Decke zum Ablegen im Hotel
  • Handtuch zum Säubern/Trocknen

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 1/2011
Beitrag und Fotos: Bettina Bannes-Grewe, Miriam Warwas, CANIS-Zentrum für Kynologie
www.canis-kynos.de