Candas, Sela und Blazy schmeißen den Haushalt

Filiz Erfurt ist seit ihrem 11. Lebensjahr komplett querschnittgelähmt ab dem siebten Brustwirbel und sitzt im Rollstuhl. Die 42-jährige gebürtige Türkin (Zonguldak) leidet zudem unter Rheuma, Asthma und epileptischen Anfällen. All das hindert Filiz aber nicht daran, ein aktives Leben mit ihrem Mann, den drei Kindern und drei Hunden zu führen. Eine Haushaltshilfe braucht sie nicht, denn davon hat sie gleich drei, allesamt Englische Collies: Sela (11), Blazy (6) und Candas (1). Letzteren bildete sie gerade selbst aus.

„Candas ist ein kleiner Überfieger, was das Lernen angeht. Denn er kann jetzt schon alles, was die vom Deutscher Ausbildungsverband für Therapie- und Behindertenbegleithunde e. V. (DATB) vollständig ausgebildeten Therapie- und Behindertenbegleithunde Sela und Blazy können“, erzählt Filiz Erfurt. Sie holen Hilfe bei einem epileptischen Anfall oder warnen ihr Frauchen davor, in dem sie 10 Min. vorher das Mobiltelefon holen.

Als Hundeteamführerin und Landesgruppenleiterin vom DATB in Nordrhein-Westfalen arbeitet sie selbst seit 1999 mit Hunden und hat sich zudem auf die Ausbildung der Vierbeiner zu Haushaltshilfen spezialisiert. Auch Sela und Blazy hat sie all die Tätigkeiten, in denen sie ihr im Alltag behilfich sind, beigebracht. „Sie öffnen und schließen Türen, schalten Licht an und aus, apportieren Gegenstände (Handy, Schlüssel, usw.), heben Geld und EC-Karte vom Boden auf, machen Botengänge und erledigen mit einer Packtasche kleinere Einkäufe. Im Haushalt helfen sie mir, indem sie Schubladen öffnen und schließen, etwas reinlegen oder entnehmen, die Waschmaschinentür öffnen und schließen, Wäsche rausholen, sie vom Ständer abnehmen und Bügelwäsche angeben“, erklärt Filiz.

Das ist aber lange noch nicht alles, denn die Hunde sind auch wahre Künstler, was das Öffnen und Schließen von Reißverschlüssen an Kleidung und Taschen angeht. „Socken, Handschuhe, Jacke und Mütze angeben und ausziehen machen sie besonders gerne, weil sie da sehr nah am Menschen arbeiten können“, weiß die Landesgruppenleiterin NRW für Therapie- und Behindertenbegleithunde. Und auch der einjährige Candas hat das schon perfekt drauf. Mit dem Azubi trainiert sie seit seiner 8. Lebenswoche. „Seine Leidenschaft ist derzeit das Bellen auf Zeichen oder auch Gegenstände enthusiastisch in einen Schwenkeimer werfen“, lacht Filiz. Aber auch er wird zukünftig verlässlich ihren Rollstuhl (zwischen dem dritten und achten Lebensjahr) mit einem Zuggeschirr ziehen, Ampeln bedienen und Fahrstühle holen.

Alle drei Hunde sind mit speziellen Kenndecken gekennzeichnet, leinenbefreit und dürfen die Rollstuhlfahrerin dadurch überall uneingeschränkt begleiten. Als Therapiehunde setzt sie die ausgebildeten Vierbeiner außerdem bei der tiergestützten Therapie mit behinderten Kindern und in Altenheimen ein. Zusätzlich wird das starke Team von Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Gesundheits- und Heimtiermessen angefordert, um bei Vorführungen zu zeigen, welche Aufgaben Therapie- und Behindertenbegleithunde im Alltag leisten. „Meine Hunde sind sogar mehrsprachig und können Deutsch, Türkisch und Zeichensprache verstehen“, erklärt Filiz stolz. „Deutsch für die Richter bei der Prüfung, Türkisch weil es meine Muttersprache ist und Zeichensprache, wenn es laut ist, damit der Hund mich trotzdem versteht!“

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 3/2011
Filiz Erfurt, Landesgruppenleiterin NRW für Therapie- und Behindertenbegleithunde, Hundetrainerin www.filiz-rollidogs.de