Gemeinsam auch am Lebensende

Viele Tierbesitzer sind verunsichert und wissen nicht, ob sie den richtigen Zeitpunkt bemerken werden, wenn ihr Tier aus dem Leben geht. Leider gibt es auch keinen allgemeinen Ratgeber und auch keine aufgesetzte moralische Vorgehensweise beim Sterben von Tieren. Einige müssen sicher von ihrem Leiden erlöst werden, andere können beim friedlichen Einschlafen begleitet werden. Wie viel Leid und Schmerz einem Tier zugemutet werden darf oder auch dem Tierbesitzer, der dieses Leid mit ansehen muss, und wie lange ein Tierleben lebenswert ist; auf diese Fragen kann nur der Tierbesitzer Antworten für sich selbst oder mit Unterstützung finden.

Schmerzhaft, aber friedlich

Als sich meine 19-jährige Katze Happy zum Sterben hinlegte, war ich sehr traurig, aber gleichzeitig tief gerührt über dieses Geschenk, das Sterben begleiten zu dürfen. Ich kochte Tee, holte die Notfalltropfen für Happy und mich, legte die homöopathische Apotheke griffbereit, rief heulend meine Tochter an und bettete die sterbende Katze auf dem Sofa. In den Tagen zuvor hatten sich das Fressverhalten und die Aufmerksamkeit des Tieres verändert. Und jetzt war ich mir sicher, denn der Blick von Happy wurde abwesend, der Atem schwach. Der richtige Zeitpunkt zum Abschiednehmen war gekommen – egal, ob zum Einschläfern oder zum Sterben.

Vorkehrungen treffen

Es ist wichtig, sich bewusst zu werden, dass man Abschied nehmen muss, und dazu gilt es auch, sich ggf. gemeinsam in der Familie im Vorfeld darüber Gedanken zu machen, wie man den Abschied gestalten möchte, sich über die Möglichkeit eines Hausbesuches des Tierarztes abzusprechen (der jederzeit auch im Laufe des Sterbens gerufen werden kann) und über den weiteren Verbleib des verstorbenen Tieres. All diese Dinge sind besser bereits geregelt, denn wenn der Abschied gekommen ist, ist für Formalitäten der falsche Zeitpunkt.

Zeit nehmen für den Abschied

Für das Sterben gibt es keine Standardlösung. Das Wohl des Tieres und sein Besitzer sind die wirklich einzig entscheidenden Instanzen. Wichtig ist, sich für das Loslassen und das Abschiednehmen sowie auch für die Trauer danach. Zeit zu nehmen und auf sein Herz zu hören. Sich Zeit nehmen kann auch heißen, noch einmal gemeinsam mit dem Hund seine Lieblingsplätze aufzusuchen, die besonderen Leckerlis zu besorgen, die gemeinsamen Jahre vorbeiziehen zu lassen. Wichtig ist, sich nicht unter Druck (zu) setzen zu (lassen) – und auch „gut gemeinte“ Ratschläge alleine abzuwägen. Denn nur so findet man den Punkt, an dem man bereit ist, das Tier gehen zu lassen.

Sterben ist etwas Persönliches

Schlimm ist das Sterben immer, es bleibt eine Leere, kein schwanzwedelnder Mitbewohner kommt einem an der Tür entgegen und man macht sich Gedanken, ob man alles richtig gemacht hat. Wofür sich der Einzelne auch entschieden hat, es war dann der richtige Weg, wenn er für das Tier und seinen Besitzer ein eigener, ganz persönlicher und selbst gewählter Weg des Abschiednehmens, des Sterbens und der Trauer war.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 1/2012
Beitrag: A. Christine Maaß, Tierheilpraktikerin, Köln www.tier-praxis.com