Ein Herz für Hundesenioren

Der Verein Omihunde-Netzwerk kümmert sich um Hundesenioren, die von ihren Besitzern nicht mehr versorgt werden können. Der Verein bietet den Tieren ein Zuhause, versucht die Senioren aber auch an neue Besitzer zu vermitteln. Finanziert wird der Verein komplett über Spenden.

Ein typischer Fall

Das Telefon klingelt. „Guten Tag, hier ist Frau M. Meine Mutter ist gestürzt und heute operiert worden: Sie wird nicht mehr nach Hause zurückkehren können. Ich brauche jemanden, der sich um den zwölfjährigen Mischlingsrüden kümmert. Ich bin berufstätig und kann ihn nicht nehmen.“ So oder so ähnlich beginnen viele Telefonate, die beim Verein Omihunde-Netzwerk eingehen. Verzweifelte Menschen, die dringend einen Platz für einen alten Hund suchen. Die Gründe sind vielfältig und immer steckt ein Menschenschicksal dahinter. Ein Mensch hat einen Unfall, verstirbt oder zieht ins Pflegeheim und kann sich nicht mehr um sein Haustier kümmern. Die Angehörigen sind mit der Situation oft überfordert: Pflege und ein Umzug müssen organisiert werden, die Sorgen um das Familienmitglied und der eigene Alltag, und nun auch noch die Sorgen um den Hund. Omihunde-Netzwerk eingehen. Verzweifelte Menschen, die dringend einen Platz für einen alten Hund suchen. Die Gründe sind vielfältig und immer steckt ein Menschenschicksal dahinter. Ein Mensch hat einen Unfall, verstirbt oder zieht ins Pflegeheim und kann sich nicht mehr um sein Haustier kümmern. Die Angehörigen sind mit der Situation oft überfordert: Pflege und ein Umzug müssen organisiert werden, die Sorgen um das Familienmitglied und der eigene Alltag, und nun auch noch die Sorgen um den Hund. Hundesenioren, und „Senior“ beginnt bei großen Hunden häufig schon mit sechs Jahren, haben es in unserer Gesellschaft schwer. Der Trend geht zu jungen und vermeintlich fitten Hunden. Wer nimmt schon eine achtjährige Dogge auf, die vielleicht nur noch wenige Wochen, vielleicht aber auch noch vier Jahre Lebensfreude genießen kann? Wer interessiert sich für einen 15jährigen kleinen Mischling, der mit seinen Alterszipperlein zwar ein wenig mehr Aufmerksamkeit seines Menschen braucht,aber den Alltag sehr gut meistert und für sein Leben gerne spazieren geht? Viele Angehörige versuchen das bellende Familienmitglied bei einem Tierschutzverein unterzubringen. Aber dort sind in den meisten Fällen alle Pflegeplätze belegt. Häufig kommt dann der Gang ins örtliche Tierheim. Aber auch hier: eine Absage. Den Tierheimmitarbeitern ist klar, dass ein alter Hund kaum Vermittlungschancen hat und tendenziell im Tierheim sterben wird. Von den häufig hohen Kosten für Tierarzt, Spezialfutter, Physiotherapie einmal abgesehen. Manche sehen dannnur noch den Ausweg Einschläferung. Beim Tierarzt werden sie dann aufgeklärt, dass das Einschläfern eines Wirbeltieres nur aufgrund seines Alters illegal ist.

Omihunde-Netzwerk betreibt 30 Pflegestellen

Eine verzwickte Situation. Genau hier greift das OmihundeNetzwerk ein und hilft den alten Hunden. Das Netzwerk betreibt derzeit knapp 30 Pflegestellen, verteilt auf ganz Deutschland und das Hundealtersheim Sonnenhof in der Blomeschen Wildnis hinter Hamburg. Insgesamt werden etwa 40 alte und sehr alte Hunde betreut, versorgt und auch auf ihrem letzten Weg begleitet. Finanziert wird das Ganze aus Spenden und mithilfe von Hunde-Paten. Öffentliche Gelder oder Unterstützung gibt es nicht. Die Pflegefamilien arbeiten ehrenamtlich, bekommen Tierarztund bei Bedarf auch Futterund sonstige Kosten erstattet. Die meisten Omihunde kommen im Übrigen in einem schlechten Zustand beim Netzwerk an. Zähne, Ohren, häufig auch das Fell sind schlecht gepflegt. Viele waren lange nicht mehr beim Tierarzt, haben chronische Nieren,Leberoder Herzprobleme und sind in Sehund Hörvermögen eingeschränkt. So geht einer der ersten Ausflüge häufig zu einem Tierarzt. Ein großes Blutbild wird gemacht, Ohren und Augen gereinigt und die Krallen geschnitten. Später steht häufig eine Zahnsanierung an. Alles Untersuchungen, die notwendig aber auch teuer sind.

Ein Seniorenheim für Hunde

Zurück zum Anruf von Frau M. Nachdem die wichtigsten Daten aufgenommen wurden, wird telefoniert: Welche Pflegestelle hat einen Platz frei? Wer kann den Hund aufnehmen und wie kommt er dorthin? Ist das alles geklärt, zieht der neue Omihund in seine Dauerpflegestelle ein, wird dort versorgt und darf sich eingewöhnen. Es erstaunt Außenstehende dabei immer wieder, wie gut sich auch ältere Hunde an eine neueUmgebung gewöhnen. Dank liebevoller Pflege blühen viele sogar richtig auf. Die meisten Omihunde bleiben auf Dauer in ihren Pflegestellen. Leider klappt das nicht immer. Massimo, ein Schäferhund-Rüde, unkastriert und mit den meisten anderen Rüden auf Kriegsfuß, suchte nach dem Tod seines Frauchens und dem Wechsel seines Herrchens in ein Seniorenwohnheim ein neues Zuhause. Er fand es bei einer jungen Frau in Berlin. Doch leider änderten sich deren Lebensverhältnisse dramatisch, so dass er täglich weite Strecken hätte mit ihr laufen müssen. Keine Chance für Massimo, der inzwischen mit Knochenproblemen kämpfte und keine Treppen mehr steigen durfte. So zog er auf den Sonnenhof, das Hundeseniorenheim der Omihunde. Dort wurde er in die Hundegruppe integriert. Massimo genießt den Hof und die Freiheit, draußen in der Sonne zu liegen. Aufgrund eines Hodentumors wurde er mit 14 Jahren doch noch kastriert, hat dieOP aber sehr gut überstanden und genießt das Leben weiterhin.

Die Geschichte von Opa Bernie

Viele Menschen fragen sich, wie es ist, einen alten Hund in Pflege zu nehmen, vondem klar ist, dass er nur noch eine kurze Zeit auf dieser Erde hat. Dafür ist die Geschichte von Bernie, einem$17-jährigen Beagle-Dackel-Mix, ein gutes Beispiel: Bernie zog im Mai auf der Pflegestelle des Paulshofs von Katharina Küsters in Overath ein und wurde schnell umgetauft in „Opa“. Er war ein wenig grantig, aktiv und gerne draußen. Bei seiner Ankunft brachte er ein älteres Blutbild mit, das nicht besonders schlecht aber auch nicht gut war. Auf den Rippen hatte er einen großen Tumor, der ihn aber nicht behinderte. Seine Augen funktionierten nicht mehr so gut, seine Nase dagegen umso besser. Opa Bernie durfte sich in Ruhe eingewöhnen, dann ging eszum Tierarzt. Blutbild, Zähne machen, Krallen schneiden und den Tumor untersuchen. Das Blutbild zeigte gute Ergebnisse, also wurde beschlossen den Tumor operieren zu lassen. Noch während der OP stellte sich heraus, dass er zwei weitere Tumore in sich trug: einen, der den Darm einengte, und einen auf den Rippen. Alle drei wurden entfernt und Bernie erholte sich ausgezeichnet. Er entdeckte sogar wieder Spaziergänge für sich. Doch drei Monate nach seinem Einzug verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Er wurde inkontinent, die Augen wollten nicht mehr und er wurde zunehmend unruhig. Eine Tierärztin wurde hinzugezogen. Er bekam ein Medikament und es ging wieder besser. Er genoss den Sommer, konnte stundenlang in der Sonne aufdem Hof liegen und dösen. Irgendwann wollten seine Nieren nicht mehr arbeiten. Es war klar, dass der letzte Tag näher rückte. Ein Termin mit der Tierärztin wurde vereinbart. Natürlich starb Opa Bernie auf seinem geliebten Platz im Hof.

Und die Omihunde unterstützen noch in einem weiteren Bereich: verstirbt der geliebte Hund eines älteren Menschen und dieser möchte gerne noch einmal einem Hund ein neues Zuhause geben, sind die Omihunde auch zur Stelle. Von der Zusammenführung von älteren, fitten Menschen und älteren, fitten Hunden können beide Seiten nur profitieren.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 1/2016
Beitrag: Katharina Küsters, www.omihunde-netzwerk.de

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