Hotel Garni oder volles Programm?

Die Sommerferien stehen vor der Tür und der Zweibeiner freut sich auf den wohlverdienten Urlaub. Nicht immer aber ist es sinnvoll oder möglich, den Vierbeiner mit in den Urlaub zu nehmen. Wenn keine Privatperson zur Betreuung des Hundes zur Verfügung steht, gilt es, eine geeignete Pension zu finden, in der das Tier in dieser Zeit gut untergebracht ist.

Wie finde ich die richtige Hundepension?

Mittlerweile gibt es eine große Anzahl von Hundepensionen, die ihre Dienste anbieten. Woran kann Mensch erkennen, ob der Vierbeiner dort in professionellen Händen gut untergebracht ist und nicht nur für die Dauer der Abwesenheit von Herrchen und Frauchen im Zwinger geparkt wird?

Hundepension – hui oder pfui?

Wie in anderen Lebensbereichen auch, zählt vor allem der persönliche Eindruck. Aber auch ein Blick hinter die Kulissen und das Abfragen von Fakten sind angebracht. Schließlich geht es um ein Familienmitglied, welches man wohlbehalten nach dem Urlaub wiederbekommen möchte. Ein Vorabgespräch am Telefon oder auch der Besuch einer Website können im Vorfeld Informationen geben und einen ersten Eindruck über Räumlichkeiten, Sauberkeit, Gelände, Preise und Angebot geben. Aber Vorsicht! Jeder bewirbt sein eigenes Angebot natürlich immer so positiv wie möglich. Nur ein persönlicher Besuch vor Ort kann klären, ob das, was am Telefon oder im Internet versprochen wird, auch wirklich gehalten wird: Besichtigungstermin vereinbaren und sich vor Ort ein Bild machen.

Tipp: Eine Hundepension besuchen, bevor der Vierbeiner abgegeben wird und sich hierfür Zeit nehmen. Im persönlichen Gespräch können alle Fragen geklärt und die eigenen Vorstellungen besprochen werden.

Hundemeute oder individuelle Betreuung?

Natürlich richtet sich die Form der Unterbringung auch nach den Voraussetzungen, die der eigene Hund mitbringt. So kann ein Rüde, der sich z. B. nicht mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen verträgt, nicht in einer gemischten Hundegruppe untergebracht werden. Aber ist deshalb gleich „Einzelhaft“ notwendig, oder bietet der Profi-Hundebetreuer beispielsweise die Möglichkeit, den Rüden-Rüpel mit einer charmanten Dame zusammen in einem Abteil unterzubringen? Wie sind die Hunde allgemein untergebracht? Gibt es Innen- und Außenbereiche, die die Tiere wahlweise aufsuchen können und wenn nicht, wie viel und in welcher Form erhalten die Hunde Auslauf? Wird sich Zeit für Spaziergänge genommen, oder steht (nur) ein eingezäuntes Gelände zur Verfügung? Und gibt es darüber hinaus eine auf den einzelnen Hund abgestimmte Beschäftigung?

Tipp: Wie viele Personen betreuen wie viele Hunde? Und welchen Hintergrund haben diese Menschen? Daran ist oftmals schon die Gestaltung der individuellen Betreuung abzusehen.

Unterforderung oder altersgerechte Auslastung?

Es ist sicherlich einfacher, einen gesunden erwachsenen Hund in die Betreuung zu geben als einen Junghund oder Hundesenior, der bereits einige gesundheitliche Einschränkungen hat. Aber deswegen den ganzen Tag auf der Decke liegen, oder auf einer Wiese im Kreis schnüffeln, muss Hund noch lange nicht. Kann die Hundepension die unterschiedlichen Bedürfnisse der vierbeinigen Pensionsgäste befriedigen und bietet sie altersgerechte, gesunde und individuell auf das Tier zugeschnittene Beschäftigungsmöglichkeiten an? Einige Pensionen bieten mittlerweile einen erweiterten Service an. So ist z. B. Hundetraining und Hundesport im Angebot enthalten oder als Zusatzleistung buchbar: von Fährtensuche über Agility wird für den Hund das vertraute Repertoir angeboten. Denn so macht auch der Hund Urlaub: Spiel und Spaß mal auf der „Nachbarswiese“.

Tipp: Immer nach dem Angebot für die körperliche und geistige Auslastung der Hunde fragen. Was für Alternativen gibt es zum stundenlangen Spazierengehen oder zum Freilauf auf der Wiese?

Kompetenz oder Hobbyaufpasser?

Eine professionelle Hundepension sollte sich dadurch auszeichnen, dass ein schriftlicher Betreuungsvertrag abgeschlossen wird, dem allgemeine Geschäftsbedingungen zugrunde liegen. Wichtig ist natürlich auch die Frage der Versicherung. Jede seriöse Hundepension muss eine Betriebshaftpfichtversicherung nachweisen können. Und jeder Hundebesitzer sollte vor Beginn des Urlaubs bei seiner Versicherung nachfragen, ob ein Pensionsaufenthalt in der Hundehalter-Haftpfichtversicherung mit abgesichert ist. Wer eine gewerblich geführte Hundepension betreibt, muss sich vom Veterinäramt nach § 11 Tierschutzgesetz überprüfen lassen und bekommt dann eine Genehmigung erteilt.

Wer eine gewerblich geführte Hundepension betreibt, muss sich vom Veterinäramt nach § 11 Tierschutzgesetz überprüfen lassen und bekommt dann eine Genehmigung erteilt.

Tipp: Immer einen schriftlichen Betreuungsvertrag abschließen. Der entsprechende Genehmigungsbescheid zum Betrieb der Hundepension sollte vorgezeigt werden können. Alle Versicherungsfragen sind im Vorfeld zu klären!

Medizinische Versorgung

Viele Tierpensionen haben besondere Vereinbarungen mit dem ortsansässigen Tierarzt oder einer renommierten Tierklinik. Die medizinische Grundversorgung sollte kein teuer bezahltes Extra sein. Für eine Einrichtung, die Lebewesen für kurze oder auch für längere Zeit betreut, sollte eine kompetente medizinische Versorgung rund um die Uhr sichergestellt sein. Für die Behandlung plötzlich auftretender Erkrankungen oder einen Unfall muss der Halter gegen Vorlage der Rechnungen aufkommen. Hier müssen vorab die Entscheidungsbefugnisse geregelt werden: was darf die Hundepension in welchem Umfang selbst entscheiden, wenn die Zeit knapp ist oder der Hundehalter nicht erreichbar ist?

Tipp: Die Frage nach der tierärztlichen Versorgung sollte klar geregelt sein. Wie geht die Pension z. B. mit einem Unfall um, wenn der Hundehalter nicht erreichbar ist? Denn was sich niemand wünscht, kann trotzdem eintreten.

Erreichbarkeit und Kommunikation

Die Hundepension sollte die Möglichkeit zur telefonischen Nachfrage bieten. Es gibt Anrufzeiten, zu denen ein besonders besorgtes Familienmitglied nachfragen kann, wie es dem Vierbeiner in seinen Ferien geht. Im Betreuungsvertrag kann geregelt werden, wie bei einem Notfall kommuniziert wird. Im Vorfeld prüfen, ob die Pension der Wahl auch im Notfall einspringen kann, wenn sich Herrchen oder Frauchen z. B. das Bein gebrochen haben und eine andere Unterbringung des Hundes nicht so plötzlich möglich ist.

Tipp: Bei der Auswahl der richtigen Pension den eigenen Kommunikationsbedarf berücksichtigen!

Fazit
Persönlicher Kontakt, genügend Bewegung, Futter und Medikamentenvergabe, Streicheleinheiten und Kopfarbeit sollten selbstverständlich sein. Aber die individuelle Betreuung mit geschultem Fachpersonal hat natürlich seinen Preis. Gut und billig ist eben selten miteinander zu vereinbaren.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 2/2011

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