Loriot – Ein großer Hundefreund ist tot

Ein Detail nur, im Hintergrund einer Szene – dem Betrachter fällt es vielleicht erst auf den zweiten Blick auf: Das Hinterteil eines schwarzen „Hundes“, dessen Schwanz in rhythmischen Abständen immer wieder mal auf den Teppichboden klopft. Beinahe stolpert der Hausherr, der ehemalige Einkaufsleiter Heinrich Lohse (Loriot) über seinen Vierbeiner. Dabei ist der mehr Schein als Sein, und so ist wohl auch die häusliche Idylle in „Papa ante portas“ …

„Der Hund müsste mal raus“, ermahnt Gattin Renate (Evelyn Haman) ihren Mann in einer weiteren Szene. Und der ehemals gestandene Geschäftsmann versucht, reichlich unbeholfen, den „Hund“ aus dem Haus zu locken: zieht draußen an der langen Leine (Herr Lohse, nicht Hund Wutz) und kehrt erfolglos ins Haus zurück. „Na, hat er was gemacht?“ fragt die Gattin. „Er hat, ähh, ja, man sieht das ja nicht so genau, was er macht …“, antwortet kleinlaut der Ehemann … (aus: Papa ante portas).

Selbst wenn sie nicht anwesend waren, waren sie doch irgendwie immer präsent: die Hunde im Werk von Loriot. Vicco von Bülow, so viel ist klar, war ihr großer Freund. Er war nicht nur der Erfinder von „Wum“, dem vertrauten Fernsehhund, der uns damals regelmäßig im Abendprogramm entgegenheulte. Loriot war auch ein präziser Zeichner, der in seinen Karikaturen mit scharfsinnigem Blick die Grenzen des menschlich-tierischen, ja, des menschlich-hündischen darbot. Oft waren es dabei die Zweibeiner, die die komischen, manchmal auch tragik-komischen Figuren abgaben. Der Hund kam meist besser weg. Hinter den humoristischen Karikaturen, Zeichnungen und Filmen Loriots stand dessen augenzwinkernder Witz. Und wohl auch die Vorliebe, traditionelle Rollen und vermeintlich selbstverständliche Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen …

Legendär und unvergessen sind seine Sketche

Der sprechende Hund

„Bello, sag mal: Neun Nonnen holen Kohlen zum Kohleofen … Ho hoho hoho hoho ho ho-hohoho“

oder auch: Sollen Hunde fernsehen?

„Es häufen sich die Fälle, in denen Hunde nach mehrstündigem abendlichen Fernsehen schlecht einschlafen, schwer träumen oder tagelang stottern …“

Einer Rasse aber hat Loriot gleich mehrfach die Hauptrolle zugewiesen: dem Mops! In seiner Tierstunde präsentiert Loriot eine kleine Evolutionsgeschichte des kleinen Rassehundes mit und ohne Geweih:

„Ende des 16. Jahrhunderts galten die mächtigen MopsSchaufeln noch als beliebte Jagdtrophäe. Im Laufe des 17. Jahrhunderts hat man sie jedoch rücksichtslos zurückgezüchtet, da sich 14-Ender im Schoße älterer Damen als hinderlich erwiesen hatten. Der Mops wurde gefahrlos und damit konsumgerecht …“

(aus: Tierstunde: der wilde Waldmops).

In weiteren Sketchen ließ er die Möpse den Nordpol und sogar den Mond erkunden, – was den meisten Menschen immerhin verwehrt bleiben wird. Nicht zuletzt der private Loriot alias Vicco von Bülow war ein großer Hundefreund und stolzer Besitzer mehrerer Möpse. Unvergessen sein Zitat:

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“

Nun ist das Leben des großen Humoristen, Menschen und Hundefreundes zu Ende. Zurück lässt er ein Werk, das unzählige Menschen lachen und glücklich macht. Und, wer weiß es schon, vielleicht tut Loriot genau das ja jetzt auch an anderer Stelle: Menschen – und Hunde – glücklich machen …!

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 4/2011