Schwimmen hilft gegen die Schwimmringe

Mindestens ein Drittel aller Hunde ist übergewichtig. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern diese Hunde haben bewiesenermaßen eine wesentlich geringere Lebenserwartung als ihre schlanken Artgenossen. Zudem besteht bei ihnen ein deutlich höheres Risiko, krankhafte Veränderungen des Bewegungsapparates zu entwickeln. Denn durch das zu viel an Masse sind ihre Gelenke permanent überlastet. Durch den erhöhten Druck kann der Gelenkstoffwechsel derart gestört werden, dass dies Arthrosen begünstigt. Die Folge ist Schmerz bei jedem Schritt. Insbesondere bei schon vorhandenen Schädigungen wie die angeborenen Gelenkfehlentwicklungen (Dysplasien). So kann ein normalgewichtiger Hund mit einer Hüftgelenksdysplasie viel eher damit beschwerdefrei alt werden, als sein mopsiger Kollege. Da „Schlank im Schlaf“ leider weder bei uns noch bei den Hunden funktioniert, muss man dem Vierbeiner an den Speck, denn nur so können physiotherapeutische Behandlungen erfolgreich sein.

Der Blick auf die Waage ist dem Hund egal

Kein Hundebesitzer überfüttet seinen vierbeinigen Freund aus Boshaftigkeit, sondern zumeist aus zu gut gemeinter Zuwendung in Form von Essbarem. Die Tierwaage bringt meist die grausame Wahrheit ans Licht. Dann ist es Zeit, den Teufelskreis zu durchbrechen, denn das Übergewicht führt zu Bewegungsunlust. Daraus resultieren der Verlust an stabilisierender Muskulatur und ein noch geringerer Energiebedarf. Letzteres birgt die Gefahr, weiter zuzunehmen. Alle physiotherapeutischen Bemühungen, Schmerzen zu lindern bringen nur wenig, wenn das Übergewicht des Hundes nicht reduziert wird. Die Erfahrung zeigt: erste Abnahmeerfolge verbessern die Beschwerden.

Ernährungsberatung & Low-Calorie-Kost

Der mahnende Zeigefinger führt oft nur zu einem noch größeren schlechten Gewissen der Besitzer. Besser sind also in schwergewichtigen Fällen konkrete Tipps, bis hin zu einer ausführlichen Ernährungsberatung mit alternativen Lebensmitteln, die kaum Kalorien enthalten. Denn das fällt allen Beteiligten leichter. Tröstend ist zudem, dass die meisten Hunde sowieso nie satt sind und es somit beim Fressen nur um Nuancen von mehr oder weniger hungrig geht. Für Betteln ist also kein Mitleid angebracht. Denn ein Hund hört nicht mit seinen Bemühungen um Essbares auf, wenn er nichts mehr runter bekommt, sondern nur dann, wenn er gelernt hat, dass sich weitere Anstrengungen nicht lohnen. Deswegen geben die meisten Hunde nach dem ritualisierten „Abschluss-Leckerchen“ auf, weil sie gelernt haben, dass es dabei bleibt.

Schwimmen schont Gelenke und baut Kondition auf

Die ideale Bewegung für dicke Hunde ist das Schwimmen, weil es die Gelenke nicht belastet und so langsam wieder die Kondition des Tieres aufgebaut werden kann. Denn die schwergewichtigen Vierbeiner haben sich sehr lange nicht mehr viel bewegt und haben eventuell sogar schon Herz-Kreislauf-Probleme als Folge ihres Übergewichts. Beim Training muss man also eine langsame Steigerung aufbauen, denn niemand kann sofort einen Marathon laufen! Den Besitzern werden darüber hinaus als Hausaufgabe stabilisierende Übungen mitgegeben, die die Gelenke auch relativ wenig belasten und zur Stärkung der Muskulatur dienen.

Die Top 5 der Abnehmhindernisse

Ausreden der Menschen gibt es viele. Mein Hund kann nicht abnehmen, weil:

„Der Hund ist ja gar nicht dick – das ist alles nur Fell. Wenn der Hund nass ist, sieht er ganz dünn aus.“

Den Beweis bleibt in unserer Praxis keiner schuldig, weil wir mit den Hunden schwimmen. Und in der Tat: ein nasser Hund sieht weniger dick aus – dies ändert allerdings meist an der Tatsache nichts, dass er abnehmen müsste …

„Der Hund ist kastriert.“

Der Stoffwechsel verändert sich dabei tatsächlich. Und die Futterverweigerungsphasen der verliebten Rüden bleiben aus. Aber deshalb könnte man ja die Futtermenge reduzieren?!

„Der Hund bewegt sich weniger (wegen seiner Erkrankung oder seines Alters).“

Dann verbraucht er in der Tat weniger Energie, aber auch dem wird man über eine Reduktion der Futtermenge Herr.

„Es gibt zu viele „Mitfütterer“, die schuld sind! Ehemänner, Großeltern, Nachbarn, Kollegen.“

Das stimmt, aber auch hier muss der Hauptverantwortliche die Leckerchen-Rationen eben von der Gesamtmenge des Futters abziehen.

„Der Hund bekommt eh schon kaum mehr was zu essen. Noch weiter kann man die Futtermenge nicht reduzieren. Nur eine ganz bestimmte Grammzahl jeden Tag – obwohl auf der Verpackung viel mehr drauf steht. Und morgens bekommt er dazu nur ein Leberwurstbrot, sonst ist er beleidigt; abends seine Kaustange für die Zähne (die im übrigen Zucker enthält!) sowie ein paar Leckerchen (extra klein geschnitten) bei jedem Spaziergang und natürlich die Reste vom Mittagsessen der Familie.“

Au Backe!

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 1/2011
Beitrag u. Fotos: Susanne Siebertz, Gangwerk, Düsseldorf