Sofa gefunden – auch ohne Fell

Mit einem „Herzlich Willkommen“ werden seit fast 10 Jahren die Besucher vom Tierschutzzentrum Duisburg e.V. im Duisburger Tierheim begrüßt. Die Besonderheit des städtischen Tierheims ist, dass es von einem gemeinnützigen Verein betrieben wird. Als eines der größten Tierheime in NRW beherbergt es durchschnittlich 350 Tiere.

Im Jahr werden über 2100 Tiere aufgenommen, von denen einige Fundtiere von ihrem Halter wieder abgeholt werden. Bis zu 1500 Bewohner finden jährlich ein neues Zuhause. Wie Jimmy, der Chinesische Schopfhund.

Nahezu ohne Fell war Jimmy ein Exot im Tierheim. Nicht mehr jung und mit einem ungewöhnlichen Aussehen, standen seine Vermittlungschancen nicht besonders gut. Doch Jimmy hat es geschafft, eine eigene Couch zu erobern. Seine Spaziergängerin Anita Deckers hat ihr Herz an den außergewöhnlichen Hund verloren, dessen Markenzeichen die heraushängende Zunge ist. Charmant und mit seiner fröhlichen Art hat er sie bei jedem Spaziergang um den Finger gewickelt. Als sich dann noch herausstellte, dass er sowohl mit ihren Katzen als auch mit seiner Aufgabe als Bürohund klar kam, stand einer Vermittlung nichts mehr im Wege. Er hat sich prima eingelebt und sich mit seinem unkomplizierten Charakter in die Herzen aller geschlichen, die ihn kennen. Jimmy ist auch weiterhin ein Stammbesucher im Tierheim Duisburg, denn Anita Deckers ist eine treue Spaziergängerin und kümmert sich nun um andere Vierbeiner. Ihren Schopfhund würde sie auf gar keinen Fall wieder hergeben: „Mein Jimmy – einfach ein einmaliger Traumhund und ein lebendes Plädoyer für ältere Hunde!“

18 für Alle

Das engagierte Team des Duisburger Tierheims besteht aus 18 Mitarbeitern. Sie sorgen, gemeinsam mit einer Vielzahl an ehrenamtlichen Helfern, für die gute Betreuung der Tiere. Ohne die sich regelmäßig kümmernden Hunde- und Katzenfreunde wäre die intensive Betreuung bei der Vermittlung gar nicht möglich. Sie sind es auch, die den Hunden Auslauf und Beschäftigung geben und den Katzen liebevoll das Fell pfegen oder sich immer für ein Spielchen anbieten. Um die Kleintiere kümmert sich die tierheimeigene Jugendgruppe, die gerne bastelt oder Leckereien backt. Insgesamt ist es eine engagierte Gruppe, die ihr Herzblut in das Tierheim stecken und für die es die größte Freude ist, wenn ein Schützling ein gutes Zuhause gefunden hat.

Sonderzuwendung für Einen

Das Tierheim ist jeden Tag geöffnet und erleichtert es den Interessenten so, die Tiere kennen zu lernen. Nur der Montag wird grundsätzlich als Organisationstag genutzt und ist deshalb kein Besuchertag. Aber keine Regel ohne Ausnahme! Immer wieder gibt es Hunde, die gesundheitlich nicht so gut dastehen. Langjährige Spaziergänger betreuen sie dann auch montags, damit die notwendige Bewegung und Zuwendung ermöglicht wird. Aktuell genießt der zweijähriger Kangalrüde Jambo diese Sonderbehandlung. Das Fundtier musste operiert werden, damit schmerzfreie Spaziergänge für ihn möglich wurden. Eine kontinuierliche Belastung der Muskulatur gewährleisten seine ehrenamtlichen Pfeger täglich und beschäftigen ihn. Jambo hat sich so gut erholt, dass nun ein geeignetes Zuhause für ihn gesucht wird.

Präsenz auf allen Kanälen

Mehr als 800 Tierfreunde besuchen täglich den Internetauftritt des Tierheims Duisburg, um nach einem potenziellen Rudelmitglied Ausschau zu halten. Der nicht computerkundige Tierfreund lernt eines der Tierheimtiere täglich in der Rheinischen Post und samstags in der WAZ kennen. Zudem informiert die Radiosendung „Tierzeit“ zu Themen rund ums Tierheim und gibt Veranstaltungen bekannt. Außerdem werden die Tiere bei der Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ im WDR oder bei „Studio 47“, dem lokalen Sender für Duisburg, vorgestellt.

Abschied im Stillen

Zum Alltag der Betreuer gehört es, dass trotz aller Mühe Tiere versterben. Ob angestellt oder ehrenamtlich, das ist eine der schlimmsten Situationen für alle. Denn ein Tierheim ist kein Zuhause, und wenn ein lieb gewonnener Freund hier ohne eigene Menschen stirbt, schmerzt das. Doch nicht alle haben überhaupt eine Chance vermittelt zu werden, denn viele Tiere kommen bereits krank oder sehr alt ins Tierheim. Die angestellte Tierärztin Dr. Cornelia Gosewitz setzt deshalb seit Jahren all ihr Können für deren Gesundung ein. Der in 2008 neu eingerichtete Arztraum bietet ihr dafür das erforderliche Umfeld.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde 3/2011