Hundeohren sind sensibel

Jeden Tag sehen wir Tierärzte in unserer Praxis Hunde mit Ohrenproblemen. Häufig nimmt der Besitzer das Problem gar nicht als solches wahr. Denn oft hören wir den Satz: „Tut mir leid, ich habe heute ganz vergessen meinem Hund die Ohren zu säubern, das mache ich sonst täglich, die Ohren sind immer so schmutzig und riechen dabei auch unangenehm.“

Anatomisch gesehen besteht das äußere Ohr aus der Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang. Der Gehörgang beginnt mit einem senkrechten Teil, der ohne Hilfsmittel von außen teilweise eingesehen werden kann, und dem waagerechten Gehörgang, der nur mit einem Otoskop zu beurteilen ist. Im Bereich des Gehörganges befinden sich Drüsen und Haarbälge. Das in den Ohren enthaltene Ohrenschmalz ist eine Mischung aus abgestorbenen Hautzellen und Drüsensekret.

Bei einem gesunden Ohr wird das Ohrenschmalz mittels Flimmerhärchen nach außen befördert und trägt so zum Schutz und zur Reinigung des Gehörganges bei. Aus diesem Grund sollte ein gesundes Hundeohr niemals vorbeugend gereinigt werden. Denn bei häufiger Reinigung wird der Ohrschmalz in die Tiefe geschoben. Kommt noch eine übermäßige Feuchtigkeit im Hundeohr dazu, hervorgerufen durch Ohrreinigerreste o. ä., verändert sich das Mikroklima im Ohr nachhaltig. Beachten Sie: Exzessives Reinigen mit Wattestäbchen und/oder reizenden Ohrreinigern sowie rigoroses Auszupfen der Ohrhaare begünstigen Entzündungen des äußeren Gehörganges.

Ursachen und Auslöser für Ohrenerkrankungen

Verschiedenste Faktoren können eine Ohrentzündung auslösen. Bei einer Erkrankung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa) schwellen die Haut (Ödem) und eventuell auch die Ohrmuschel an. Begleitend kann es zu einer Entzündung und nachfolgender Einengung des Gehörganges kommen. Der Hundebesitzer bemerkt dies als Rötung, am vermehrten Ohrschmalz und veränderten Geruch. Oftmals schütteln die Hunde häufiger mit dem Kopf, halten ihn schief, kratzen sich an den Ohren oder reiben den Ohrbereich über den Boden oder am Mobiliar. Manche Tiere reagieren zudem sehr schmerzempfindlich bei Berührung der Ohren.

Ein erhöhtes Risiko an einem Ohrenproblem zu erkranken besteht bei Hunden mit anatomischen Besonderheiten wie schmalen, engen Gehörgängen, schweren Hängeohren, extrem starkem Haarwachstum oder vermehrter Drüsensekretion im Ohr. Klimafaktoren wie eine Erhöhung der Umgebungstemperatur oder eine Feuchtigkeitszunahme spielen ebenfalls eine Rolle. Auch Tumore der Talgdrüsen im Ohr zählen dazu. Sie alleine führen jedoch nicht zu den Beschwerden, oft ist es erst die Kombination von primären- und/oder sekundären Ursachen.

Parasiten und Fremdkörper im Ohr

Als Primärursachen bezeichnet man Faktoren, die den Entzündungsprozess eigen-ständig auslösen. Dazu zählen parasitäre Besiedlungen wie z. B. Ohr-, Grab-,Haarbalg- oder Herbstgrasmilben und blutsaugende Fliegen. Diese Mitbewohner können mit dem Otoskop bzw. mit einem Abstrich unter dem Mikroskop diagnostiziert werden. Beim positiven Befund einiger dieser Milben müssen dann alle im Haushalt befindlichen Tiere behandelt werden, auch wenn sie keine Symptome zeigen.

Häufig sind auch Allergien die Ursache für Ohrenerkrankungen. Sie können sowohl ein- als auch beidseitig auftreten. Hierbei spielen Allergien auf Futtermittel, auf Pollen von Bäumen und Gräsern,

Hausstaubmilbenkot und Kontaktallergien (Ohrreiniger, Medikamente etc.) eine Rolle. Auch eine Kombination mehrerer Allergien ist möglich. Die Aufarbeitung einer allergischen Ohrenentzündung kann oft sehr langwierig sein. Aber auch Fremdkörper, besonders Grannen in den Sommermonaten, können eine akute und schmerzintensive Ohrenentzündung auslösen. Angezeigt durch vermehrtes Kopfschütteln des Hundes, kurz nach einem Spaziergang, sowie durch seine Kopfschiefhaltung. Steckt der Fremdkörper schon sehr tief, ist oft eine kurze Narkose notwendig, um ihn komplett und ohne mögliche Gefahr einer Trommelfellverletzung zu entfernen.

Zu den primären Ursachen zählen ebenfalls Autoimmunkrankheiten, Veränderungen im Bereich der Ohrdrüsen (rassegebundene Probleme), Viruserkrankungen, Leishmaniose sowie Hauttumore und Polypen. Wenn durch auslösende Faktoren und eine Primärursache eine Ohrenentzündung entstanden ist, führen so genannte sekundäre Ursachen oft zu einer Verschlimmerung.

Hierzu zählen Bakterien, die mittels Ohrtupfer und Bakterienkultur nachgewiesen werden können. Pro Ohr sollte eine Probe genommen werden. Häufig sind die Bakterien mit Hefen vergesellschaftet. Es handelt sich hierbei um Malassezien (Hefepilze), die in geringer Anzahl auch in einem gesunden Ohr vorkommen, sich aber z. B. bei Allergien übermäßig vermehren. Diese Hefen können mittels Ohrabstrich und Färbung nachgewiesen und mengenmäßig erfasst werden.

Wenn eine Allergie zu einer Schwellung und Einengung des Gehörkanals und somit zu einer Klimaveränderung im Ohr geführt hat, fördert dies die Vermehrung von Hefen und Bakterien. Eine bestehende Ohrenentzündung wird durch sie erhalten und verschlimmert, ein Teufelskreis, der nur durch gezielte Diagnose und Therapie dauerhaft zu durchbrechen ist.

Ohrenentzündungen können langwierige Behandlungsfälle sein, da die Ursache oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. In diesen Fällen sind eine gute Besprechung der Krankengeschichte, eine Untersuchung von Ohrabstrichen und/oder eine kulturelle Untersuchung notwendig.

Regelmäßige Ohrenkontrolle beugt vor!

Doch die beste Diagnose ist nutzlos, wenn der Tierhalter die verordneten Medikamente, Ohrspülungen oder Diäten nicht ordnungsgemäß anwendet. Der Tierarzt und das zu behandelnde Tier sind extrem von der guten Mitarbeit und dem kooperativen Verhalten des Besitzers abhängig. Viel zu oft wird die Behandlung durch den Besitzer vorzeitig abgebrochen, da das Ohrenproblem scheinbar abgeheilt ist. Kontrolltermine bezüglich Abstriche werden nicht mehr wahrgenommen und das Tier wird dann oftmals nach Wochen wieder mit gleichem Problem vorgestellt.

Stellt man die Behandlung zu früh ein, überleben gerade die Bakterien und Hefen, die besonders resistent sind. Sie vermehren sich und verursachen nach einiger Zeit erneut eine Entzündung, die aufgrund der Widerstandsfähigkeit der Erreger weitaus langwieriger zu behandeln sein kann als die Ersterkrankung.

Bitte beachten! Hören Sie bitte erst dann mit der Behandlung auf, wenn Ihr Tierarzt eine Abschlussuntersuchung durchgeführt und die Behandlung für beendet erklärt hat.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 3/2007
Beitrag und Fotos: Text und Fotos: Dr. Ulrike Morys, prakt. Tierärztin, Düsseldorf