Vierbeinige Blutspender gesucht

Was in der Humanmedizin selbstverständlich ist, scheint Hundebesitzern noch nicht bewusst geworden zu sein: Auch Hunde benötigen bei bestimmten (bspw. Notfall-) Operationen manchmal Blutkonserven, bzw. Bluttransfusionen, oder z. B. wenn sie Gift gefressen haben. Sie haben nur mit Fremdblut eine Überlebenschance, denn das häufigste Rattengift (Cumarin) wirkt blutgerinnungshemmend. Sie haben nur mit Fremdblut eine Überlebenschance. Ohne dieses Fremdblut verbluten die Hunde. Leider gibt es bisher aber nicht in jeder Tierklinik Blutkonserven auf Vorrat. Blut spenden und der Aufbau von Datenbanken aller verfügbaren vierbeinigen Blutspender ist deshalb sinnvoll.

Blutbanken für Hunde

Es gibt bereits einige Hundeblutbanken, wo Blutkonserven gelagert werden, wie beispielsweise in Tierkliniken in Aachen und Düsseldorf. Darüber hinaus existieren Spenderdatenbanken, in denen die potenziellen Spenderhunde mit den individuellen Daten – ihrer jeweiligen Blutgruppe, Kontaktdaten und ihrer Erreichbarkeit – gespeichert werden, um im Notfall schnell einen geeigneten Spender aufzutreiben. In der Blutdatenbank des Tierschutzvereines weissepfoten e. V. (www.weissepfoten.de) sind beispielsweise über 1600 Spenderhunde verzeichnet.

Bei Notfällen muss es schnell gehen

Natürlich werden Kliniken genügend Blut bei absehbaren Behandlungen ihrer tierischen Patienten vorrätig haben bzw. rechtzeitig auch prophylaktisch für eine Operation bestellen. Aber es sind die Notfälle, die nicht planbar sind und bei denen jede Minute zählt: so zum Beispiel bei Unfallopfern, inneren Blutungen durch geplatzte Tumore oder massiv schnell verlaufenden anämischen (blutarm) Erkrankungen durch Infektionen. Der Blutersatz muss dann innerhalb einer Stunde bzw. so schnell wie möglich verabreicht werden.

Teure Aufbewahrung – Blutspenderdatenbank soll helfen

Es wäre sicher wünschenswert, wenn jede tierärztliche Klinik oder Praxis ein eigenes Hunde- (oder auch Katzen-) Blutdepot vorrätig hätte. Dies wird aber auch in näherer Zukunft für die meisten aus Kostengründen eine nicht zu stemmende Investition sein. Denn Frischblut (Vollblut) mit allen wichtigen Blutbestandteien wie Elektrolyte, Eiweiße, Blutgerinnungsfaktoren, rote Blutkörperchen und Blutplättchen bleibt nur maximal 3 Tage (bzw. 3 Wochen ohne Thrombozyten (Blutplättchen)) einsatztauglich.

Für längere Aufbewahrungszeiten müssen die Blutbestandteile in einer aufwendigen Prozedur (Kühlzentrifugen) voneinander getrennt und in speziellen Kühllagern einzeln gelagert werden. Weil dieser Aufwand für die meisten Kliniken nicht möglich ist, hat u. a. die tierärztliche Praxis für Kleintiere Frank Lausberg in Köln eine Spenderdatenbank aufgebaut. Im Notfall kann man hier einen Spender und damit schnellstmöglich Frischblut finden.

Welcher Hund kann Blut und wie viel spenden?

Der Hund sollte zwei bis sieben Jahre alt sein und mind. 20 kg wiegen. Er darf weder akut noch chronisch krank und muss medikamentenfrei sein. Außerdem sollte er bei Untersuchungen ruhig und nicht aggressiv sein. Er darf noch nie eine Blutspende erhalten haben. Die Blutkonservenbeutel nehmen 450 ml auf. Sie müssen aber nicht komplett gefüllt werden. In der Regel wird zwischen 250 und 450 ml bzw. um die 10 ml pro kg Körpergewicht gespendet.

Welche Rolle spielt die Blutgruppe des Hundes?

Die wichtigsten Blutgruppen sind die DEA-Blutgruppen und teilen sich in positiv und negativ (DEA1.1+/DEA1.1-) auf. Die Blutgruppe positiv kann auch die schwerwiegendsten Abwehrreaktionen beim Empfängerhund verursachen. Allerdings ist es zumindest für die erste Transfusion in der Regel kein Problem, welche Blutgruppe der Spender hat. Denn Antikörper gegen die Blutkörperchen der fremden Blutgruppe und damit den Mechanismus für eine lebensbedrohliche Abwehrreaktion, werden erst nach dem ersten Kontakt mit Fremdblut entwickelt. Deshalb darf ein Hund, der bereits einmal eine Bluttransfusion erhalten hat, auch nicht mehr spenden, da diese Antikörper sich evtl. gegen die Blutkörperchen des Empfängers richten. Spender mit der Blutgruppe DEA1.1 negativ tragen das für Empfänger anderer Blutgruppen verträglichste Blut in sich. Die Transfusion wird beim Empfänger mittels Monitoring überwacht und ggf. abgebrochen. Hat ein Hund allerdings bereits einmal eine Blutspende erhalten oder müssen wiederholt Blutspenden verabreicht werden, dann muss der Spenderhund dieselben Blutgruppen aufweisen wie der Empfänger.

Schadet Blutspenden dem Hund?

Der Hund verfügt über ca. 90 ml Blut pro Kilogramm Körpergewicht. Für den Hund ist Blut spenden sogar gesund, denn dadurch wird die Bluterneuerung angekurbelt. Nach spätestens drei Wochen ist das gespendete Blut komplett neu gebildet. Ein gesunder Hund kann bedenkenlos zweimal im Jahr Blut spenden.

Wie und wo geht Blutspenden?

Prinzipiell kann bei jedem Tierarzt Blut gespendet werden, allerdings sollte das zuvor erfragt werden. Blutkonservendepots, die das Blut lange lagern können, sind jederzeit für eine Blutspende dankbar. Blutspenden dauert zwischen 5-15 Minuten und kostet nichts. Vorher wird der Hund gründlich allgemein untersucht, und der Blut-Check-up benötigt evtl. auch ca. 30 Minuten. In der Regel wird ein kleines Blutbild gemacht, auch um auszuschließen, dass der Hund selbst blutarm ist. Ferner wird die Blutgruppe bestimmt. „HIV“-ähnliche Erkrankungen können beim Hund durch eine Bluttransfusion nicht übertragen werden (wohl aber bei Katzen!). Jedoch müssen bei Hunden, die in Mittelmeerländern waren, entsprechende Bluttests erfolgen.

Nach der Blutentnahme sollte der Hund noch ein wenig ruhen und anschließend trinken und fressen. In den nächsten 24 Stunden sind größere Anstrengungen zu vermeiden. Um den Anreiz für das Spenden zu steigern, gibt es in einigen Praxen und Kliniken „Belohnungen“ in Form einer kostenlosen Blutuntersuchung, einen Futtersack oder eine Ermäßigung auf die Jahresimpfung. Natürlich wird kein Bargeld ausgezahlt, die die Falschen dazu verleiten könnte, aus ihrem Hund Profit zu schlagen.

So kann Ihr Hund in eine Blutdatenbank aufgenommen werden

Melden Sie einer Praxis oder Klinik in Ihrer Nähe, die eine Blutspenderdatenbank hat oder melden Sie sich unter www.weissepfoten.de an.

Kliniken mit einer Blutspenderdatei kontaktieren Sie nur, wenn ein Unfallopfer dringend Vollblut benötigt. Natürlich sind Sie nicht verpfllichtet zu kommen, falls es Ihnen gerade gar nicht möglich sein sollte. Dann wird ein anderer Blutspender kontaktiert. Wenn Sie sich entschließen, zu helfen, sollten Sie so schnell wie möglich zum betreffenden Tierarzt kommen.

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 3/2012
Beitrag: Frank Lausberg, Tierärztliche Praxis für Kleintiere Köln,
www.tierarzt-lausberg.de, Foto: Gina Sanders, fotolia.com