Hütehund – Der Berufshüter und sein Schäfer

Hund treibt SchafherdeEs gibt sie noch in Deutschland: Wanderschäfer, die mit ihren Schafherden durch unser Land ziehen, um ihre häufig weit auseinander liegenden Weide- bzw. Hüteflächen zu erreichen. Mit dabei als unerlässlicher Helfer, heute wie in früheren Zeiten: der Altdeutsche Hütehund (AHH).

Erst diese bodenständigen Hütehunde ermöglichen dem Schäfer das Umherziehen mit der Herde durch ländliche und besiedelte Gebiete. Neben dem Zusammenhalten der Herde ist die wichtigste Aufgabe der Hunde dabei, bestellte Felder und Gärten vor naschenden Schafen zu schützen. Denn wenn einige hundert Schafe in Getreide- oder Gemüsefelder einfallen, bleibt nicht mehr viel für den Landwirt …

Ein sehr selbstständiger Hund

Im Laufe der Jahrhunderte hat diese Hunderasse ein Gefühl für große Herden entwickelt. Darüber hinaus erkennt er selbstständig Geländestrukturen sowie Grenzen und sieht, wo der Bewuchs von erlaubten Weideflächen in zu schützenden Areale übergeht. In diesen Übergängen, von dem Schäfer oft „Furche“ genannt, pendelt und wehrt der AHH an der Herde. In Dörfern und Städten pendeln die Hunde auf Bürgersteigen, um diese frei und damit sauber zu halten und angrenzende Beete und Gärten zu schützen. Gut ausgebildete, erfahrene Hunde wehren auch im Straßenverkehr, d. h. sie halten eine Fahrbahnhälfte frei und pendeln auf der Mittellinie. Das Herdengefühl und das Wehren ist in dem AHH genetisch verankert, ebenfalls der so genannte „Griff“, das ist der schadlose, kurze Biss des Hundes in Nacken, Rippe oder Keule des Schafs, um sich bei diesem Respekt verschaffen zu können. Alle diese Eigenschaften sind, neben gesundheitlichen Aspekten, die Voraussetzung zum Zuchteinsatz. Allen AHH gemein ist die notwendige Sensibilität und Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit „ihrem“ Schäfer. Dazu gesellt sich ein ausgeprägter Schutztrieb.

Viel Varianz im Erscheinungsbild

Die AHH variieren in ihrem äußeren Erscheinungsbild sehr stark, viele Regionen Deutschlands haben ihre eigenen, bodenständigen „Schläge“ hervorgebracht. Z.B. Mitteldeutsche Füchse, Gelbbacken, Schwarze, Tiger, Strobel, Schafpudel, Süddeutsche Schwarze und Stumper. Diese Namen beschreiben Farben, Haararten, Regionen usw. Eine besondere Stellung hat der Westerwälder Kuhhund, der hauptsächlich an Rindern eingesetzt wurde bzw. wird.

Die Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde e.V. (AAH) als zuchtbuchführender, eingetragener Verein, spricht von Schlägen und nicht von Rassen, da dieser Begriff eng mit der Anerkennung durch VDH (Verband für das deutsche Hundewesen) bzw. FCI (Fédération Cynologique Internationale) verknüpft wird. Eine Anerkennung der verschiedenen Schläge als Rassen wird von der AAH nicht angestrebt.

Vielseitig und arbeitswillig auch als Haustier

Mittlerweile zeigen AHH auch in Privathand ihre Vielseitigkeit als Rettungshunde und Partner im Hundesport. Denn er ist ein Hund mit hoher Arbeitsintelligenz. Das erfordert vom Halter äußerste Konsequenz in der Erziehung und viel Beschäftigung, denn nur ausgelastet ist der AHH ein toller Freund, der immer bereit ist zu neuen Aktivitäten und Herausforderungen.

Termine und weitere Infos:
www.altdeutschehuetehunde.de
www.a-a-h-nrw.info
www.ig-altdeutsche-huetehunde.de

Nippers – Stadtmagazin für Hundefreunde, 3/2010
Beitrag: G. Kohlhaas, M. Pyplowski, Foto: P. Rudde, Th. Ruschenburg, K.-H. Pyplowski, oder C. Träger